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International Film Festival Rotterdam

Filmfestival

Berlin, 14.12.2000, 00:00  Blickpunkt:Film

Coproduction Office als Weltvertrieb und Finanzier

Gegründet wurde das Coproduction Office 1987 ursprünglich als Firma zur Erstellung von Packagings und internationaler Finanzierung. Erst drei Jahre später wandelte es sich zum Weltvertrieb, dessen erster Film Lars von Triers "Epidemic" war. Die vom Coproduction Office vertriebenen Filme stammen zu einem guten Teil aus skandinavischen Ländern.

Susanne Marian und Philippe Bober
Susanne Marian und Philippe Bober  

"Der Weltvertrieb in Skandinavien funktioniert nicht", erklärt Philippe Bober, Eigentümer des Berliner Unternehmens The Coproduction Office. "Die Filmfirmen dort machen ihn nebenbei und dabei kommt nichts heraus." Was mit einer intensiven Betreuung möglich ist, bewies Bober mit Lars von Triers "The Kingdom". Er war hier nicht nur Koproduzent, sondern es gelang ihm auch, die für das Fernsehen hergestellte Produktion in 29 Territorien für eine Kinoauswertung zu verkaufen. In Deutschland brachte er "The Kingdom", das für die Kinoauswertung als Zweiteiler lief, eigenhändig in die Kinos. Während "The Kingdom" vom Coproduction Office koproduziert wurde, wurden für weitere Koproduktionsaktivitäten eigene Firmen durch Bober gegründet. Liberator Productions wurde für "Breaking the Waves Clip" ins Leben gerufen und nach Abschluss der Produktion an von Triers Produktionsfirma Zentropa verkauft. 1997 kam dann die Essential Filmproduktion, bei der Bober als Geschäftsführer fungiert.

Die Kombination von Weltvertrieb und Koproduktion hält Bober für einen entscheidenden Vorteil bei der Beurteilung von Produktionen. "Ein Weltvertrieb weiß genau, dass sich Qualität bezahlt macht, und was sich am besten im Ausland verkaufen lässt." Darüber hinaus hat er noch alle Vorteile eines Produzenten auf seiner Seite, ohne dabei einer zu sein. Und das Verkaufsergebnis auf der Mifed bestätigt seine Strategie. Der von Essential ausführend produzierte und vom Coproduction Office über Verkäufe zu etwa 80 Prozent finanzierte chinesische Film "Suzhou he" von Lou Ye wurde in 30 Territorien inklusive den USA und Frankreich verkauft. Gekostet hat der Film rund eine Mio. Dollar. Während des Filmfests Rotterdam 1999 erwarb ein japanischer Verleih die Japan-Rechte für 45.000 Dollar, die er sofort nach Shanghai überwies, damit die Produktion weitergehen konnte. Dieser scheibchenweise Verkauf sicherte den kontinuierlichen Geldfluss, der die Produktion am Laufen hielt und sogar die Verdreifachung der Kosten auffangen konnte. In diesem Jahr gewann "Suzhou he" u.a. in Rotterdam den Tiger Award. Des Weiteren bot Bober den japanischen Film "Audition" (Rapid Eye Movies (REM), 18. Januar 2001) und Roy Anderssons "Sanger fran andra vaningen" an, die er in 50 bzw. 20 Territorien verkaufen konnte. "Alle Filme sind durch die Verkäufe im Gewinn", zieht Bober Bilanz. Da kann er auch beruhigt eine anderes Fazit ziehen: "Mit guten, außergewöhnlichen Filmen kann man Geld verdienen."

Das Konzept von Coproduction Office und analog dazu Essential konzentriert sich auf Arthaus-Filme, Festivalgewinner und solche Filme, die eine eigene starke filmische Sprache haben. Dabei ist es nicht leicht, die richtigen Filme zu finden oder an sie heranzukommen. "Um 'Audition' musste ich richtig kämpfen", sagt Bober, "und um die richtigen Filme zu finden, muss ich auch sehr in die Suche investieren." Mit dem sich gerade in der Postproduktion befindlichen "Lovely Rita" von Jessica Hausner, den die von Susanne Marian als Head Producer geführte Essential Filmproduktion koproduziert hat, kommt Bober in diesem Jahr auf vier Filme. Als bequem zu bewältigendes Jahrespensum möchte Bober zwei bis drei Filme pro Jahr betreuen


Quelle: Blickpunkt:Film

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