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Cannes, 16.05.2018, 07:02  Blickpunkt:Film | Festival
Thema: Festival de Cannes 2018

CANNES Tag 8.2: Solo-Karriere

Rockte Cannes: "Solo: A Star Wars Story" (Bild: Walt Disney) Großansicht
Rockte Cannes: "Solo: A Star Wars Story" (Bild: Walt Disney)
Das gibt es nur in Cannes. Um 16 Uhr läuft im Wettbewerb ein wütender, wie aus dem Leben gegriffener Film über französische Fabrikarbeiter, die zu verzweifelten Maßnahmen greifen, um ihr nach einer Konzernübernahme von der Schließung bedrohtes Werk zu retten. Und direkt danach folgt im offiziellen Programm "Solo: A Star Wars Story" Clip, die ultimativste Eskapismus-Fantasie, die das Kino zu bieten hat. Größer könnte der Gegensatz nicht sein. Aber gerade deshalb war es auch so spannend, dabei zuzusehen, wie diese beiden völlig separaten Filmwelten aufeinanderprallten. Immerhin: Geht es in den "Star Wars"-Filmen nicht auch um den Kampf einer kleinen Gruppe von Rebellen gegen eine unschlagbar scheinende Übermacht? Und fast musste man schmunzeln, als der von Alden Ehrenreich gespielte junge Han Solo nach etwa der Hälfte des Films gesteht, er sei geworden, wie er geworden ist, weil sein Vater Opfer einer Massenentlassung geworden war, als sein Sohn noch ein kleiner Junge war. Ha!

Was war nicht alles befürchtet worden, warum "Solo: A Star Wars Story" ein Reinfall sein müsse. Die ursprünglichen Regisseure Phil Lord und Chris Miller waren nach vier Monaten kurz vor Drehende gefeuert worden, weil Lucasfilm-Chefin Kathleeen Kennedy unzufrieden mit der schrägen Tonalität des Films gewesen war. Ron Howard sprang als Filmemacher ein. Immer wieder gab es Gerüchte, der Film sei ein Desaster, er werde der erste Flop in der Historie der "Star Wars"-Saga, Alden Ehrenreich sei der Rolle nicht gewachsen, die Story funktioniere nicht. Das kann man jetzt einfach einmal alles nehmen und in die Tonne treten. Disney nutzte die Plattform Cannes, um der Welt zu zeigen, dass "Solo" rockt. Und nicht im geringsten an der ewigen Erfolgsformel gerüttelt wird, die "Krieg der Sterne" Clip seit 1977 die wertvollste Filmmarke hat werden lassen (für die Disney vor sechs Jahren 4,6 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt hat). Ursprünglich waren die Spinoff-Filme angekündigt worden als der Ort, an dem Filmemacher spielen und bekannten Figuren oder Ereignissen ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken dürfen. Die großen Episoden sollten eben die großen Episoden sein; die Spinoffs sollten die Formel auf den Kopf stellen. Was sich theoretisch gut anhört, aber, wie Lucasfilm schnell feststellte, schwer der Fangemeinde vermitteln lässt. Das ließ schon "Rogue One: A Star Wars Story" Clip ein so ungelenkes, unausgewogenes Ding sein - ursprünglich als harter Kriegsfilm geplant, wurden dann doch Zugeständnisse gemacht.

Was natürlich auch heißt, dass der überdrehte, augenzwinkernde Erzählansatz von Miller/Lord (siehe "21 Jump Street" Clip) eben auch nur theoretisch eine gute Idee für einen Film über den ewigen Rebellen Solo sein lässt. Immer wieder gibt es kurze Momente, da blitzen in dem von Ron Howard generalüberholten und auf bekannte Erfolgsspur gebrachten Film Momente, die müssen von den ursprünglichen Filmemachern sein. Die schräge, unausgesprochene Liebe zwischen Lando und seinem (hinreißend freiheitsliebenden) Roboter L3 zum Beispiel. Oder eine Kampfsequenz vor dem Millennium-Falken etwa, die eine so ganz andere, quirlige Energie hat. Aber das soll einen nicht weiter beschäftigen. "Solo" ist jetzt das, was es ist. Und das ist auch in Ordnung. Weil hier wenigstens dieser ganze lähmende ernste Selbstzweifelkram, der die Episoden so aufgeblasen und überladen und ernst erscheinen lässt. Erstmals seit dem ersten Film von 1977 macht "Star Wars" einfach wieder Spaß. Und weil man keine Pausen einlegen muss, in denen über die Macht philosophiert wird, wird einfach nur aufs Gas getreten. Der Film ist wie die 135-minütige Best of...-Compilation der größten puren Abenteuerfilmserie der Geschichte, die sich nur die furiosesten Actionszenen herausgepickt hat, aus denen sich eben auch die Handlung herausbildet. Han Solo ist halt nicht der Typ, der rumsitzt und Däumchen dreht. Deshalb: Und Action!

Klar gibt es auch eine Geschichte, einen Antrieb für Solo, wieder auf seinen runtergekommenen Heimatplaneten zurückzukehren, um dort das Mädchen abzuholen, mit dem er ursprünglich von dort fliehen wollte. Alldieweil findet der Film Zeit zu erklären, wie Han an seinen Nachnamen kam, wie er Chewbacca kennenlernt, wie er erstmals auf Lando Calrissian trifft und sein Herz an den Millennium-Falken verliert. Es gibt ein paar coole neue Figuren, gespielt von Darstellern wie %Woody Harrelson%, %Emilia Clarke%, %Thandie Newton% und %Paul Bettany%, von denen eben nicht von vornherein feststeht, ob sie überleben werden oder ob man ihnen trauen darf, ein paar nette Gags und Überraschungen. Und es gibt den einen Moment, an dem sich Ehrenreich erstmals ans Steuer des Falken setzen darf. Einen kurzen Moment spielt ein Lächeln um seinen Mund, eine diebische Freude wie die eines kleinen Jungen, der sein ganzes Leben auf diesen Moment gewartet hat. Und in diesem Moment ist Ehrenreich Han Solo. Da ist er nicht mehr kleiner als Harrison Ford, hat nicht mehr eine hellere Stimme. Da gehört der Film ihn. Und man weiß, das passt.

"En guerre" geht einem an die Nieren (Bild: Festival de Cannes) Großansicht
"En guerre" geht einem an die Nieren (Bild: Festival de Cannes)
Was "Solo: A Star Wars Story" allerdings nicht gelingt: Man wird nicht gepackt. Das weiß man, weil das dem eingangs genannten Film gelungen ist, den es davor im Wettbewerb zu sehen gegeben hatte. "En guerre", die vierte Zusammenarbeit von Regisseur Stephane Brizé und seinem Star Vincent Lindon und eng verwandt mit ihrem Vorgänger, "Der Wert des Menschen" Clip, für den Lindon 2015 den Darstellerpreis gewinnen konnte, packten einen und rüttelt einen und lässt einen nicht mehr los, weil er - und nicht der gefeierte "BlacKkKlansman" - der Film zur Lage einer Welt ist, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht und die Menschen Verschiebemasse für den richtigen Aktienkurs geworden sind. Eine Fabrik in der Provinz soll im Zuge der Übernahme einer französischen Firma durch einen deutschen Konzern geschlossen werden, 1100 Menschen auf die Straße gesetzt - das Ende der wirtschaftlich angeschlagenen Gegend. Die Fabrik schreibt schwarze Zahlen, aber die Dividende ist nicht hoch genug. Die Arbeiter gehen auf die Barrikaden. Buchstäblich. Der Film ist so hautnah, so unmittelbar dabei, wie es die Kamera zulässt. Man folgt jeder Diskussion, mit den Vorgesetzten, mit dem Vorstand, mit der Politik, intern. Man freut sich über jeden Etappensieg, man ist empört über den Einsatz von wie RoboCops aussehenden Polizisten gegen Menschen, die um ihre Existenz kämpfen. Ein starker Film über das Ende eines Systems. Und wieder eine übermenschliche Leistung von Lindon als leidenschaftlicher, halsstarriger Gewerkschaftler, der sich nicht brechen lassen will. Aber gebrochen wird. Er ist eben nicht Han Solo. Sondern ein Mensch. Und das Imperium ist stärker als die Rebellen.


Quelle: Blickpunkt:Film

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