CANNES 2005: Harvey kam, brachte Terry Gilliam mit und siegte
Weiter dominiert
Harvey Weinstein das
Festival de Cannes: Gemeinsam mit Produzent Chuck Roven, Hauptdarstellerin
Monica Bellucci und Regisseur
Terry Gilliam stellte der Chef des Ministudios, das provisorisch Weinstein Company genannt wird, gut gelaunt 20 Minuten aus "
The Brothers Grimm 
" vor. Zugleich forderte er die Anwesenden auf, gute Namensvorschläge für seine neue Firma per E-Mail einzusenden. Und er versicherte, dass er "The Brothers Grimm" mit
Matt Damon und
Heath Ledger, der zwei Jahre nach seinem Dreh in den nächsten sechs Wochen fertig gestellt sein soll, mit mehr als 2500 Kopien im August in die US-Kinos bringen wolle, weil man vom Erfolg der Fabel überzeugt sei. Darf man den 20 Minuten Glauben schenken, die einen groben Überblick über die Handlung und die Stimmung des Films gaben, sollte Weinstein Recht behalten: Das wild fabulierende Märchenabenteuer sieht absolut hinreißend aus.
Der Wettbewerb wurde aber nicht vergessen, zumal die bislang aufregendsten Titel im Kampf um die Goldene Palme an den Start gingen.
Atom Egoyan und
Michael Haneke handelten in ihren ansonsten grundsätzlich unterschiedlichen Beiträgen die Schatten der Vergangenheit ab: Egoyan erzählt in "
Where the Truth Lies 
" mit
Kevin Bacon und
Colin Firth von einem erfolgreichen Komikerduo aus den fünfziger Jahren, dessen überraschende Trennung 15 Jahre später eine junge Journalistin auf den Plan ruft. Der elegante Film ist der faszinierende Versuch Egoyans, seine kühl analytische Herangehensweise auf einen gezielt kommerziellen Film anzuwenden. Im Sprung zwischen den Zeitebenen und ständig wechselnden Perspektiven entsteht dabei ein faszinierender und spannender Thriller. Mit "
Caché" präsentiert auch Haneke einen ungewöhnlich zugänglichen Film, in dem das Leben eines von
Daniel Auteuil und
Juliette Binoche gespielten Ehepaars durch zunehmend persönlicher werdende, anonyme abgelieferte Videobänder aus den Fugen gerät. Sein ewiges Thema - die Bedrohung der vermeintlich gesicherten Existenz - wird vielschichtig durchgespielt.
Deutlich schnörkelloser und geradliniger geht Hongkongs Genrespezialist
Johnny To zu Werke, der in "
Election" einen prickelnden, komplexen und angemessen harten Einblick in die Struktur der Triaden gestattet, ohne die Spannung zu opfern. Ein starker, rüder Film. Das lässt sich auch über das Regiedebüt des einstigen Drehbuch-Wunderkinds
Shane Black sagen. Wie seine Skripts zu "
Last Boy Scout" oder "
Lethal Weapon" ist auch "
Kiss, Kiss, Bang, Bang 
" ein völlig überdrehter Actioncomic mit spritzigen Dialogen. Gleichzeitig ist die Geschichte eines Glücksritters in Hollywood, der in einen absurden Kriminalfall verwickelt wird, auch eine bitterböse Abrechnung mit der Traumfabrik, gewalttätigen Eltern und der eigenen Schreibblockade, mit der Black acht Jahre zu kämpfen hatte. In jedem Fall ist dieses nicht immer ganz runde Feuerwerk der Einfälle der lustigste Film, der bislang in Cannes zu sehen war. Und ein Blick auf das ausstehende Programm lässt vermuten, dass er es auch bleiben wird.
Quelle: Blickpunkt:Film
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