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München, 02.06.2016, 17:36  Blickpunkt:Film | TV

"Boot"-Prozess: 475.000 Euro für Kameramann Jost Vacano

"Boot"-Kameramann Jost Vacano mit Rechtsanwalt Nikolaus Reber heute vor dem Landgericht München I (Bild: Andreas Kloo) Großansicht
"Boot"-Kameramann Jost Vacano mit Rechtsanwalt Nikolaus Reber heute vor dem Landgericht München I (Bild: Andreas Kloo)
Etappensieg für Kameramann Jost Vacano: Er wird am wirtschaftlichen Erfolg des Filmhits "Das Boot Clip" nicht nur nachträglich beteiligt, sonder erhält auch eine angemessene Anteil an künftigen Erträgen. Das Landgericht München I hat heute entschieden, dass Bavaria Film, WDR und Eurovideo insgesamt 475.000 Euro an nachträglicher Vergütung an Vacano zahlen müssen. Außerdem wird der Kameramann mit 2,25 Prozent an künftigen Nettoerlösen beteiligt, etwa an DVD-Verkäufen oder VoD-Abrufen. Wird die Produktion in einem ARD-Programm ausgestrahlt, wird ein Wiederholungshonorar gemäß WDR-Tarifvertrag fällig.

Im Detail müssen Bavaria Film 204.834 Euro, WDR 89.325 Euro und Eurovideo 180.401 Euro an Vacano ausschütten. Die Summen ergeben sich aus Einnahmen und Vorteilen, die die drei Unternehmen seit Inkrafttreten der Urheberrechtsreform von 2002 erzielten. Laut Urteilsbegründung des Vorsitzenden Richters Matthias Zigann erzielte Bavaria Film zwischen 2002 und 2014 mit "Das Boot" Einnahmen in Höhe von 8,3 Mio. Euro. Der Home-Entertainment-Vertrieb Eurovideo erlöste im gleichen Zeitraum 9,5 Mio. Euro und im Programm der ARD gab es im gleichen Zeitraum 54 Ausstrahlungstermine von "Das Boot".

Vacanos Leistung bei "Das Boot" habe sich nicht nur auf seine Tätigkeit als Kameramann beschränkt, so der Richter in seiner Urteilsbegründung, sondern er war auch als Bildregisseur tätig. Daher sei eine künftige Beteiligung an den Nettoeinnahmen in Höhe von 2,25 Prozent gerechtfertigt. Vacano hatte 3,5 Prozent gefordert, die Gegenseite hatte 1,5 Prozent angeboten. In der Urteilsbegründung wurde außerdem darauf hingewiesen, dass ein weiteres Verfahren in der selben Sache in Stuttgart anhängig ist. Laut Urteil hat Vacano keinen Zinsanspruch für die seit 2002 ausstehenden Nachvergütungsanspruch, eine angreifbare Entscheidung, wie Richter Zigann in der Urteilsbegründung zugab.

Ursprünglich stand im Rahmen einer gütlichen Einigung ein Fairnessausgleich in Höhe von knapp 700.000 Euro zur Debatte. Im März 2016 lehnten Bavaria, WDR und Eurovideo diesen Vorschlag des Gerichts ab.

Vacanos Anwalt Nikolaus Reber erklärte nach der Urteilsverkündung gegenüber Blickpunkt:Film: "Zunächst sind wir über das Urteil sehr erfreut. Wir werden nach sorgfältigem Studium überlegen, ob wir in Berufung gehen - etwa wegen der Verzinsungsfrage oder der Berechnung der absoluten Zahlen." Michael Neubauer, Geschäftsführer des Berufsverbandes der Kinematografie, erklärte: "Unser Kollege Jost Vacano weiß nach elf Jahren (!) nun, was ihm aus der umfänglichen Nutzung des Filmerfolgs "Das Boot" noch zusteht. Das ist zu begrüßen. Unverständlich ist aber, dass man ihm den Anspruch auf Verzinsung nicht gezahlter Beteiligungen an den Erträgen und Vorteilen aus der Werknutzung abspricht. Das lädt Verwerter geradezu ein, Kreative nicht zu beteiligen, da sie - so diese Rechtsauffassung Bestand hat - keinerlei Sanktionen befürchten müssen, wenn sie Geld zurückbehalten, das den Urhebern zusteht. Wenn bei Verweigerung oder Verschleppung später keine Zinszahlung droht, fehlt jeder Anreiz, Urheber von vornherein angemessen zu beteiligen. Insofern stellt dieses Urteil für die Urheberseite auch ein großes Problem dar."

Eine Sprecher der Bavaria sagte gegenüber Blickpunkt:Film, man werde Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen. Wann ein endgültiges Urteil in dem seit über einem Jahrzehnt schwelenden Streit gefällt wird, ist damit völlig offen. "Da muss ich mich jetzt richtig anstrengen, dass ich das noch erlebe", scherzte der 82-jährige Vacano.

Andreas Kloo


Quelle: Blickpunkt:Film

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    Land/Jahr: BRD 1979-1981
    Kinostart: 17.09.1981

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