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Der Diktator
Ex-Fox-Chef Bill Mechanic hat durch den Produktionsdeal mit den Disney Studios die Zukunft seiner Firma Pandemonium gesichert. Jetzt geht er mit verschiedenen Projekten in die Offensive und gibt sich kämpferisch.
Bill Mechanic:
Es war nicht so leicht, einen Deal dieser Größenordnung abzuschließen, der mir außerdem die erwünschte Kontrolle sichert.BF:
Und die haben Sie nun?BM:
Ja. Pandemonium funktioniert effektiv wie ein Studio. Wir verkaufen keine Rechte, sondern haben Vertriebspartner, die unsere Filme gegen eine bestimmte Gebühr vertreiben. So müssen wir zwar den Preis für schlechte Entscheidungen bezahlen, profitieren aber entsprechend von guten Entscheidungen.BF:
Aber im Großteil der Welt ist es nur ein einziger Partner, Disney. Warum arbeiten Sie nicht mit mehreren zusammen und sichern sich Ihre Unabhängigkeit?BM:
Mit Disney habe ich den Vorteil der integrierten Vertriebskette, vom Kino bis zur DVD. Natürlich wäre es schön, auch Marketing und Vertrieb zu kontrollieren, aber das ist schwierig. Die zweitbeste Lösung war daher, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die ich kenne. Die meisten Ansprechpartner bei Disney habe ich selbst noch eingestellt.BF:
Warum haben Sie dann unter anderem die Rechte für Japan und Spanien behalten?BM:
Zu einem japanischen Firmenpartner unterhalte ich gute Beziehungen. Die Lösung für Spanien wurde zu einem Zeitpunkt festgelegt, als ich meine Struktur noch konventioneller aufbauen wollte, über den Vorabverkauf von Rechten und eine Bankenfinanzierung.BF:
In Deutschland werden die Pandemonium-Filme von Disney vertrieben?BM:
Richtig. Ich kenne und vertraue Wolfgang Braun, und ich freue mich darauf, wieder mit ihm zu arbeiten.BF:
Sind Sie froh, dass Sie sich jetzt endlich aufs Filmemachen konzentrieren können?BM:
Das bin ich. Aber ich muss noch die letzten Elemente der Finanzierungsstruktur festzurren. Alle Parteien, die sich beteiligen wollten, warteten nur auf den Abschluss des Disney-Vertrags. Jetzt ist die Frage: Wer ist noch dabei? Aber das alles wird sich bis Anfang Februar regeln.BF:
Ihre Firma umfasst derzeit nur wenige Mitarbeiter. Werden Sie sich vergrößern?BM:
Wir bleiben so winzig wie wir sind und brechen alle Regeln von Hollywood. Wir setzen unser Geld nicht in den Sand, wir bringen es auf die Leinwand.BF:
Zum Beispiel mit John Woos "Men of Destiny". Doch eine Geschichte über den Bau der Eisenbahn durch die Rocky Mountains entspricht nicht gerade dem Erfolgsrezept des Actionmeisters.BM:
Dann müssen Sie erst mal "Windtalkers" sehen. Meines Erachtens ist das Johns bester amerikanischer Film. Ich glaube, er will auch keine der üblichen Schießereien mehr drehen. Trotzdem wird "Men of Destiny" spektakuläre Actionszenen haben.BF:
Wie steht es mit "Moon and the Sun", einer Ihrer Erstlingsproduktionen?BM:
Das ist auch ein historisches Projekt. James Schamus überarbeitet gerade das Drehbuch. Gregory Hoblit soll Regie führen. Der Film handelt von der einzigen je gefangenen Meerjungfrau, die ins Versailles von Ludwig XIV. gebracht wird. Ein Mädchen am Hofe, gespielt von Natalie Portman, freundet sich mit ihr an und versucht, die Nixe zu retten.Qualitätsstandard der Filmklassiker anstreben
BF:
Offenbar haben es Ihnen die Großproduktionen angetan.BM:
Der John-Woo-Film hat enorme Dimensionen. Er wird etwa 80 bis 90 Mio. Dollar kosten, aber das ist auch das Maximum unserer Budgets. Grundsätzlich suche ich nach Filmen, die international funktionieren und denen größere Ideen zugrunde liegen. Die schnellen, billigen Komödien sind nicht mein Fall.BF:
Das Projekt "Doubting Thomas" ist jedoch eine Komödie.BM:
Aber keine von diesen Komödien im MTV-Stil, eher ein Mainstream-Projekt wie "Der Dummschwätzer" oder "Ghostbusters". Sie handelt von einem TV-Moderator, der sich über allen Aberglauben lustig macht, bis ihn ein Seher mit einem Fluch belegt und sich sämtliche Mythen gegen ihn wenden. Das Skript ist sehr gut, und sobald wir einen Regisseur haben, kann es losgehen.BF:
Insgesamt haben Sie rund 25 Projekte in der Entwicklung. Wie viel länger hätten Sie es sich leisten können, das alles aus eigener Tasche zu finanzieren?BM:
Ich weiß es nicht. Aber ich wollte dieses Risiko eingehen, entgegen aller Ratschläge. Ein paar Mal war ich fast an dem Punkt, nur den John-Woo-Film zu machen. Hätte ich nicht gesehen, was Joe Roth mit Revolution auf die Beine gestellt hat, hätte ich wahrscheinlich einen der Studiojobs angenommen.BF:
Und warum haben Sie dieses Risiko auf sich genommen?BM:
Weil ich es aus der Perspektive des Zuschauers gesehen habe: Ich finde einfach kaum Filme, die ich mir anschauen möchte. In diesem Jahr gibt es doch außer "AmélieBF:
Wie der noch von Ihnen verabschiedete "Planet der AffenBM:
Genau. Nur dass nicht das Drehbuch verfilmt wurde, für das ich grünes Licht gegeben hatte. Als ich im Sommer 2000 von Fox ging, ließ ich ein viel besseres Skript zurück, das einen fantastischen Film ergeben hätte.BF:
Was ist Ihr Ziel?BM:
Ich habe im letzten Jahr so viel von den alten Klassikern gesehen, vom "Paten" bis zu "Die Brücke am Kwai". Solche Standards müssen wir wieder anstreben. Das ist mein Ehrgeiz. Es gibt keinen Grund, geistlose Filme zu machen.Quelle: Blickpunkt:Film
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