Wahre Lügen

Elegant erzähltes Drama über die Freund- und Partnerschaft zweier Entertainer, die nach einem mysteriösen Todesfall abrupt beendet wird.

Wahre Lügen Großansicht
(Bild: Concorde)
Verleih Concorde
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, Kanada, Großbritannien 2005
Regie Atom Egoyan
Darsteller Kevin Bacon, Colin Firth, Alison Lohman
Kinostart 02.02.2006
Einspielergebnis D € 224.077
Bes. (EDI) 40.371
Bes. (FFA) 39.102
Charthistory
Boxoffice USA $ 665.101
Charthistory
Filmtrailer Video
Erstausstrahlung 06.07.2009 (ZDF)

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Lanny und Vince sind als Entertainerduo die Stars der Club- und TV-Szene der Fifties. 15 Jahre nachdem ein mysteriöser Todesfall zur ihrer Trennung führte, versucht eine aufstrebende Reporterin die genauen Umstände einer Tragödie zu klären, die einer Frau das Leben und den Showstars die Karriere kostete. Die Wahrheit, die sie hinter vielen Lügen entdeckt, ist schmerzlich. Für ihre Idole, aber auch für sie selbst.

Wie man thematische Ambitionen, tiefgründige Charakterporträts, Erotik, Humor und Melancholie zu einem fesselnden Drama verbindet, zeigt Atom Egoyan in seinem bislang aufwändigsten Film. Trotz eines Mordmysteriums bezieht seine Romanadaption ihre Spannung vor allem aus den zwischen Gut und Böse oszillierenden Figuren. In den Hauptrollen zeigen Colin Firth und Kevin Bacon Show- und Schauspielqualität.

Quelle: Blickpunkt:Film

nach oben Ausführliche Besprechung

Dass erotische Filme nicht gleichzeitig ambitionierte Inhalte, komplexe Charaktere, starke Darstellerleistungen und kommerzielle Tauglichkeit aufweisen können, ist eine Lüge. Die Wahrheit ist, dass Atom Egoyan genau diese seltene Synthese gelungen ist.

Auch wenn der Independentveteran mit einem größeren Budget als bisher operieren konnte, das sichtbar in eindrucksvolle, originelle Sets (ein TV-Studio der Fifties, die Erste-Klasse-Sektion eines Airliners der Seventies) eingeflossen ist, bleibt er seinem Kanon treu. Auch seine Verfilmung von Rupert Holmes' Roman beleuchtet die Fehleinschätzung von Menschen und Situationen, die abgründigen Aspekte von Sexualität und Moral, die persönliche Wahrheit hinter der Wahrnehmung einer Persönlichkeit - veredelt von Mychael Dannas magnetisch in die Gehörgänge kriechender Musik, die schon über die ersten Bilder eine Atmosphäre von Schwermut und Verhängnis legt. Die Story entfaltet sich mosaikartig über verschiedene Erzähler, springt zwischen dem konservativen Milieu der Fifties und der lockeren Hippiespätphase der Seventies hin und her. Alle Hauptfiguren demaskieren sich im Laufe der Handlung - ob körperlich, charakterlich oder seelisch.

Wohl inspiriert von der Trennung Dean Martins und Jerry Lewis 1956, begleitet der Film die Spurensuche der jungen Reporterin Karen (Alison Lohman), die eine Karriere fördernde Biografie über die einst populären Entertainer Lanny (Kevin Bacon) und Vince (Colin Firth) schreiben und dabei das Geheimnis ihrer abrupten Trennung enthüllen soll. Während Karen Vince interviewt, gelangt sie in den Besitz erster Kapitel von Lannys geplanter Autobiografie, womit die Vergangenheit aus zwei Perspektiven beleuchtet wird, bis schließlich eine dritte klärt, was wirklich mit dem Zimmermädchen geschah, das man tot in der Suite des Duos fand. Trotz dieses Mysteriums, das halbwegs plausibel aufgelöst wird, bezieht der Film seine Spannung vor allem aus seinen Figuren, die Grenzen überschreiten, andere manipulieren, die Sympathieträger und Teufel, Grenzgänger zwischen Gut und Böse sind. Die Sexszenen, darunter eine provokativ-ironische mit Lohman und einer Beauty im "Alice-in-Wonderland"-Outfit, sorgten in den USA für Aufsehen. So von Sünde geblendet, hatte man keine Auge mehr für die Eleganz von Inszenierung und Fotografie, vor allem nicht für die charismatischen Darstellungen von Firth und Bacon, die zu den besten ihrer Karriere gehören. kob.

Quelle: Blickpunkt:Film

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Verleih Concorde
O-Titel Where the Truth Lies
Alternativ-/Arbeitstitel Somebody Loves You
Land / Jahr Kanada/Großbritannien 2005
Kategorie Spielfilm
Genre Thriller / Erotik
Produktionsfirmen Robert Lantos
Drehort Toronto, London, Los Angeles
Drehzeit 29.08.2004
Kinostart 02.02.2006
Laufzeit 108
FSK ab 16 Jahre
FBW-Prädikat Besonders wertvoll
Bildformat Widescreen
Tonformat Dolby-SRD
Einspielergebnis D € 224.077
Bes. (EDI) 40.371
Bes. (FFA) 39.102
Charthistory
USA-Start 14.10.2005, bei Thinkfilm
Boxoffice USA $ 665.101
Filmtrailer Video
nach oben Cast & Crew
Produzenten Robert Lantos
Koproduzenten Sandra Cunningham, Chris Chrisafis
Ausf. Produzenten Atom Egoyan, Colin Leventhal, Daniel J.B. Taylor, Donald A. Starr
Regie Atom Egoyan
Drehbuch Atom Egoyan
Buchvorlage Rupert Holmes
Darsteller Kevin Bacon (Lanny Morris), Colin Firth (Vince Collins), Alison Lohman (Karen O'Connor), Rachel Blanchard (Maureen O'Flaherty), David Hayman (Reuben), Maury Chaykin (Sally Sanmarco), Kristin Adams (Alice), Sonja Bennett (Bonnie Trout), Deborah Grover (Mrs. O'Flaherty), Beau Starr (Jack Scaglia), Rebecca Davis (Denise), Shannon Lawson (Rose Wannamaker), Michael J. Reynolds (John Hillman), Anna Silk (Gina), Kathryn Winslow, Sean Cullen, Arsinée Khanjian, Don McKellar, Vee Vimolmal
Kamera Paul Sarossy
Schnitt Susan Shipton
Musik Mychael Danna
Produktionsdesign Phillip Barker, Craig Lathrop
Ton Chris Munro
Kostüme Beth Pasternak
Casting John Buchan, Mali Finn, Leo Davis
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
Wahre Lügen EuroVideo Bildprogramm DVD, ab 16, 103 Min. Kauf
Wahre Lügen EuroVideo Bildprogramm DVD, ab 16, 103 Min. Leih
nach oben Soundtrack
Art Interpret Komponist Titel
Soundtrack/Original Score Michael Danna Wahre Lügen - Where The Truth Lies Nicht lieferbar
nach oben VideoMarkt-Inhalt/Kritik

Die Entertainer Lanny Morris und Vince Collins mischen im Amerika der fünfziger Jahre die TV-Szene auf. Doch nach einem mysteriösen Todesfall - ein junges Mädchen wird leblos in ihrer Hotelsuite gefunden - gehen die beiden Publikumslieblinge getrennte Wege. 15 Jahre später versucht die aufstrebende Reporterin Karen Licht ins Dunkel dieser Tragödie, die den beiden Showstars die Karriere kostete, zu bringen. Dabei entdeckt sie nicht nur noch mehr Lügen, sie verstrickt sich auch selbst in ein gefährliches Intrigenspiel.

Nach verstörenden Werken wie "Das süße Jenseits" und "Exotica" wandelt der aus Armenien stammende Kanadier Atom Egoyan nun erstmals auf konventionelleren Pfaden. In den Hauptrollen überzeugen eine hocherotische, völlig gegen den Strich besetzte Alison Lohman ("Herbie Fully Loaded") sowie Beinahe-Bond Colin Firth und Parade-Bösewicht Kevin Bacon. Hinzu gesellt sich ein intelligenter Plot und betörende Bilder - fertig ist ein elegant erzähltes Drama voller Spannung, Humor und Erotik. Kino-Gourmets werden genießen.

Quelle: mediabiz.de

nach oben FBW-Gutachten

Prädikat: Besonders wertvollKurztext:

Ein Weltklasse-Einstieg und dann eine Achterbahnfahrt für Erwachsene. Raffiniertes Erzählkino mit äusserst spannend angelegten Figuren, ein farbiger Film noir und eine Reflextion über die 70er Jahre.

Gutachten:

Mit einem Weltklasse-Einstieg startet Egoyan seine Geschichte. Mühelos zieht der Film seine Betrachter in den Bann. Messerscharf und wie mit einem Skalpell gezogen seziert Egoyan die partiellen Wahrheiten und enthüllt Stück für Stück den schillernden Hintergrund, der sich im nächsten Moment schon zu einem anderen wandelt, als es der war, für den man ihn gerade eben noch gehalten hatte.

Als "Wahre Lügen", aber auch als "Wo die Wahrheit lügt", lässt der Originaltitel sich lesen. Die filmische Reise durch ein perfekt ausgestattetes und liebevoll in Szene gesetzes Siebziger-Jahre-Amerika wird zu einem virtuosen und spannungsreichen, in satten Farben inszenierten "film noir". Oscar-reif sind die Darstellerleistungen: Kevin Bacon schillert und oszilliert, Colin Firth war selten so böse und intensiv zu sehen, und auch Alison Lohmann entpuppt sich als großartige Darstellerin. "Wahre Lügen" wird so zu einer Achterbahnfahrt für Erwachsene.

Ein mysteriöser Todesfall beendet nicht nur die Bühnenpartnerschaft von Lenny & Vince als gefeiertes Entertainment-Duo der Fünfziger Jahre, sondern auch ihre Freundschaft. 15 Jahre später versucht eine aufstrebende Schriftstellerin und Journalistin, die Umstände der Tragödie zu klären, die einer Frau das Leben, einem Elternpaar die Tochter und den beiden Showstars die Karriere kostete.

"Wahre Lügen" ist ein typischer Atom Egoyan-Film, der sich mehrerer und mehrschichtiger Rückblenden und Offstimmen bedient, um seine raffiniert verschachtelte Geschichte voranzutreiben. Perfekt werden die der jeweiligen Zeit entsprechenden Musikstile eingesetzt: Big-Band-Musik der Fünfziger wechselt mit Caféhaus-Musik der Sechziger Jahre bis hin zu "Santana" in den Siebzigern. Die Offstimmen sind von der Filmmusik Mychael Danas unterlegt und umhüllt, sie würde jedem Hitchcock-Thriller zu Ehre gereichen.

Perfekt in jedem Ausstattungsdetail, vielschichtig auf mehreren Ebenen erzählt, reißt der Spannungsfaden trotz oder wegen aller überraschenden Wendungen nicht ab, auch wenn die Verknüpfung der Handlungsstränge oft einem Drahtseilakt gleicht, den Egoyan jedoch perfekt, ja geradezu traumtänzerisch beherrscht.

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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