Tim Burton's Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche

Meisterhaftes Animations-Grusical von Tim Burton um einen Helden, der versehentlich eine Leiche ehelicht.

Tim Burton's Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche Großansicht
(Bild: Warner)
Verleih Warner
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, USA 2005
Regie Mike Johnson,
Tim Burton
Kinostart 03.11.2005
Einspielergebnis D € 826.460
Bes. (EDI) 138.198
Bes. (FFA) 148.760
Charthistory
Boxoffice USA $ 53.337.608
Charthistory
Filmtrailer Video
Erstausstrahlung 27.09.2008 (Tele 5)

nach oben Inhalt & Info

Victor soll eigentlich eine arrangierte Ehe mit Victoria eingehen, um beider Brautleute Familien finanziell wieder auf Vordermann zu bringen. Bei einer Rast, unterwegs zu seiner Verlobten, steckt Victor mal ganz aus Spaß seinen Verlobungsring auf einen Stock und übt sein Eheversprechen. Aber der Stock entpuppt sich als Finger der Leiche eines Mädchens, die Victor fortan ehelich zugetan ist.

Tim Burtons in Koregie mit Mike Johnson entstandener Stopanimation-Augenschmaus schließt formal an "The Nightmare Before Christmas" aus dem Jahr 1993 an und zeigt, wie "modern" man mit der klassischen Tricktechnik eines Ray Harryhausen arbeiten kann. Unterhaltsam wie intelligent, detailversessen und liebevoll gestaltet, sollte dieser "untoten Braut" ein unsterbliches Kinoleben beschieden sein.

Quelle: Blickpunkt:Film

nach oben Ausführliche Besprechung

Zwei Werke liefen dieses Jahr auf den Filmfestspielen von Venedig, die unbedingt in den Wettbewerb gehört hätten - mit guten Chancen auf einen Löwen: Neben Liev Schreibers "Alles ist erleuchtet" "Tim Burton's Corpse Bride". Der in Koregie mit Mike Johnson entstandene Animations-Augenschmaus schließt formal an "The Nightmare Before Christmas" an, zeigt wie "modern" man mit klassischer Stop-Motion-Technik arbeiten kann. Unterhaltsam wie intelligent, detailversessen und liebevoll gestaltet, sollte dieser "untoten Braut" ein unsterbliches Kinoleben beschieden sein.

Ins 19. Jahrhundert, ins rigide, klassenbestimmte viktorianische Zeitalter, entführt Burton diesmal. In eine an Charles Dickens erinnernde Welt, märchenhaft, skurril und gruselig, typisch für der Regisseur von "Beetlejuice", "Sleepy Hollow" und "Charlie und die Schokoladenfabrik". Er fabuliert mit Vergnügen, nimmt das Wort Traumfabrik wörtlich und ignoriert die Moderne wo er kann. Computer, CGI, Blue Screen kommen höchst dosiert, nur wenn unbedingt notwendig zum Einsatz, "altmodisches" Handwerk umso mehr. Die Stop-Motion-Technik des von den beiden Filmemachern hoch geschätzten Effektezauberers Ray Harryhausen haben sie ins 21. Jahrhundert "gerettet", während sie auf optischer Ebene ebenso lustvoll wie gekonnt klassischen Horrorfilmen und Arbeiten der britischen Hammer Studios ihre Referenz erweisen.

Die Helden sind Puppen, so minutiös ausgearbeitet, dass man nach wenigen Augenblicken ihre Künstlichkeit vergisst. Neben der titelgebenden "Corpse Bride" agieren Victor und Victoria, vielleicht ein Verweis auf Reinhold Schünzels Geschlechtertausch-Musical aus dem Jahre 1933. Mit einer schwungvollen Revuenummer beginnt denn auch das Grusical, werden die (neu)reichen Van Dorts vorgestellt, Fischhändler mit dem Drang nach oben, und die Everglots, verarmte, snobistische Adelige. Eine Heirat zwischen Victor und Victoria wird arrangiert. Die Van Dorts wollen so ihre gesellschaftliche Position ver-, die Everglots ihre leeren Kassen aufbessern. Da verschwindet Victor bei einem Waldspaziergang - und findet sich postwendend als Ehemann der Titelheldin im Land der Toten wieder.

Fortan wird gependelt, zwischen "oben" und "unten". Trist, grau, intrigant und steif geht's bei den Lebenden zu, während man in der poppig bunten Unterwelt zu feiern versteht. Es wird geschlemmt, Bacchus kräftig gehuldigt, schon mal der Mittrinker kurzerhand für ein Schlückchen Blut "angezapft", derweil Hundeskelette enthemmt tanzen und die "Corpse Bride" in schöner Regelmäßigkeit ihr rechtes Auge verliert. Mittendrin im Spektakel der verträumte Victor, dem im Original Johnny Depp seine Stimme leiht, der nicht weiß wie ihm geschieht. Sein Herz hat er längst an Victoria verloren, doch auch seiner Zwangsangetrauten gegenüber bleibt er loyal. Eine vermeintlich hoffnungslose Situation, der die Lösung dazu ist verblüffend, poetisch und zeugt von wahrem Gefühl fürs Kino.

Genial auch das Setdesign von Alex McDowell und Nelson Lowry, wunderbar auf die Figuren abgestimmt, entfesselt, gerade zu schwerelos die Kameraarbeit von Pete Kozachik, perfekt passend die Originalstimmen, unter anderem Helena Bonham Carter, Emily Watson, Christopher Lee und Albert Finney - was freilich eine riesige Herausforderung an die deutsche Synchronisation darstellt. Nicht zu vergessen die diversen Filmzitate, darunter auch der als süperbe Pointe eingesetzte Satz aus "Vom Winde verweht": "Frankly my dear, I don't give a damn!". Worauf man nur antworten kann: "Play it again, Tim!". geh.

Quelle: Blickpunkt:Film

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Verleih Warner
O-Titel Tim Burton's Corpse Bride
Land / Jahr USA 2005
Kategorie Spielfilm
Genre Trickfilm / Fantasy
Produktionsfirmen Tim Burton/Laika Entertainment
Drehort London, Portland
Drehzeit 30.01.2004
Kinostart 03.11.2005
Laufzeit 77
FSK ab 6 Jahre
FBW-Prädikat Besonders wertvoll
Tonformat Dolby-SRD/DTS/SDDS
Einspielergebnis D € 826.460
Bes. (EDI) 138.198
Bes. (FFA) 148.760
Charthistory
USA-Start 16.09.2005, bei Warner Bros.
Boxoffice USA $ 53.337.608
Filmtrailer Video
Web-Link http://corpsebridemovie.warnerbros.com/ http://www.timburtonscorpsebride.de
nach oben Cast & Crew
Produzenten Tim Burton, Allison Abbate
Ausf. Produzenten Jeffrey Auerbach, Joe Ranft
Regie Mike Johnson, Tim Burton
Drehbuch John August, Caroline Thompson, Pamela Pettler
Sprecher Johnny Depp (Victor Van Dort), Helena Bonham Carter (The Corpse Bride), Emily Watson (Victoria Everglot), Tracey Ullman (Nell Van Dort/Hildegarde), Paul Whitehouse (William Van Dort/Mayhew), Joanna Lumley (Maudeline Everglot), Albert Finney (Finis Everglot), Richard E. Grant (Barkis Bittern), Christopher Lee (Pastor Galswells), Michael Gough (Elder Gutknecht), Jane Horrocks (Black Widow Spider/Mrs. Plum), Enn Reitel (Maggot/Town Crier), Deep Roy (General Bonesapart), Danny Elfman (Bonejangles), Stephen Ballantyne (Emil), Lisa Kay (Solemn Village Boy)
Kamera Pete Kozachik
Schnitt Jonathan Lucas, Chris Lebenzon
Musik Danny Elfman
Produktionsdesign Alex McDowell
Ton Sandy Buchanan
Casting Michelle Guish
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
Tim Burton's Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche Warner Home Video Germany Blu-ray Disc, ab 6, 77 Min. Kauf
Tim Burton's Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche
Nicht lieferbar
Warner Home Video Germany HD DVD, ab 6, 77 Min. Kauf
Tim Burton's Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche Warner Home Video Germany DVD, ab 6, 74 Min. Kauf
Tim Burton's Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche Warner Home Video Germany DVD, ab 6, 74 Min. Leih
Enthalten in:
Tim Burton Selection
Nicht lieferbar
Warner Home Video Germany
DVD, ab 16, 334 Min.
Kauf
nach oben VideoMarkt-Inhalt/Kritik

Victor Van Dort, Spross neureicher Fischhändler, soll Victoria ehelichen, die Tochter der verarmten adeligen Everglots. Die Van Dorts wollen ihre gesellschaftliche Position verbessern, die snobistischen Everglots ihre leeren Haushaltskassen wieder auffüllen. Weil er sich bei der Hochzeitsprobe heillos verhaspelt, flüchtet der schüchterne Victor aus der Kirche in den Wald. An einem Bach ruht er sich aus - und findet sich kurz darauf als Ehemann der bezaubernden, aber leider toten "Corpse Bride" im Jenseits wieder.

Trist, intrigant und steif geht's bei den Lebenden zu, während man in der poppig bunten Unterwelt zu feiern versteht - Film-Magier Tim Burton ("Beetlejuice") sagt wieder einmal sämtlichen Konventionen ade und begeistert mit einer hinreißenden Lovestory in althergebrachter Stop-Motion-Technik. Genial das Setdesign von Alex McDowell und Nelson Lowry, schwerelos die Kamera von Pete Kozachik ("Nightmare Before Christmas"). Film als schräger, wunderbarer Traum für Romantiker - mit einer verblüffend poetischen Auflösung.

Quelle: mediabiz.de

nach oben FBW-Gutachten

Prädikat: Besonders wertvollEin exzellenter Animationsfilm von kurzweiliger Dauer, mit viktorianisch inspirierten Figuren, die von ihren Erfindern spindelige, überbetonte Gliedmaße bekommen haben, mit überhohen Hüten und charaktervollen Gesichtszügen. Die dreidimensionalen Marionettenfiguren beleben eine, nein zwei Welten. Die eine ist die unsere, die der Lebenden, und die andere ist die, die wir noch zu erwarten haben, wenn wir den Weg alles Irdischen gehen.

Liebevoll gestaltete Figuren begegnen uns in einer einfallsreichen und mit viel Witz versehenen Geschichte, innovativ erzählt und hervorragend konstruiert. Ein Lebender wird durch ein am falschen Ort geprobtes Eheversprechen in die Unterwelt versetzt und gegen seinen Willen mit der toten, jedoch hübschen und reizenden Emily verheiratet. Gothik-Filme bis hin zu "Nosferatu" lassen grüßen.

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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