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The Witch

Großartig intensiver Mystikhorrorfilm über eine siebenköpfige Familie, die im Neuengland des Jahres 1630 von unerklärlichen Ereignissen in den Wahnsinn getrieben wird.

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(Bild: Universal)
Verleih Universal
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, Kanada, USA 2015
Regie Robert Eggers
Darsteller Anya Taylor-Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie
Kinostart 19.05.2016
Einspielergebnis D € 754.901
Bes. (EDI) 91.258
Bes. (FFA) 93.329
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Boxoffice USA $ 25.081.475
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Filmtrailer Video

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Von ihrer Gemeinde verstoßen, müssen sich William und Catherine in der Wildnis des Neuengland im Jahre 1630 eine Existenz für sich und ihre fünf Kinder aufbauen. Die fromme Familie wird schnell an ihre Grenzen geführt, als der neu geborene Sohn spurlos verschwindet und die Ernte ausbleibt. Ins Zentrum der unbändigen Wut des frustrierten Patriarchen William gerät die älteste Tochter Thomasin, der er die Schuld an der Misere gibt. Oder könnte doch eine sagenumwobene Hexe ihre Finger im Spiel haben, die im Wald hausen soll.

Mit seinem Debüt ist Robert Eggers ein Okkulthorrorschocker gelungen, wie man ihn aus amerikanischer Produktion eher nicht erwarten würde. Klar trägt sein sorgfältig entworfenes Schreckensszenario, das penibel Mode und Sprache des 17. Jahrhunderts nachstellt, Züge des Kinos von Dreyer und Bergman: Virtuos hält der Film die Balance und lässt den Zuschauer im Unklaren, ob es tatsächlich mit unrechten Dingen zugeht oder sich einfach nur von Isolation, Frömmelei und sexueller Repression hervorgerufener Wahnsinn Bahn bricht.

Quelle: Blickpunkt:Film

nach oben Ausführliche Besprechung

Großartig intensiver Okkultschocker über eine siebenköpfige Familie, die im Neuengland des Jahres 1630 von unerklärlichen Ereignissen in den Wahnsinn getrieben wird.

Man soll sich auf keinen Fall in die Karten sehen lassen und seine Trümpfe zu früh ausspielen. Robert Eggers, ein zum Zeitpunkt des Drehs von "The Witch" gerade einmal 32-jähriger Amerikaner, der in den Jahren davor als Designer eine unverkennbare Begeisterung für Gothic-Horror und düsteren Märchen erkennen ließ, wendet dieses eherne Spielergesetz in seinem Regiedebüt meisterlich an. Fast bis zu den letzten Momenten seiner "New-England Folktale" - so der Untertitel des Originals - hält er die Spannung aufrecht, lässt er nicht erkennen, ob sich der Irrwitz seiner beklemmend intensiven Geschichte aus der Puritanerzeit um 1630 herum nur in den Köpfen einer siebenköpfigen Familie um den strengen, frömmelnden Patriarchen abspielt, die in völliger Isolation auf einer ärmlichen Farm in der Nähe eines finsteren Waldes ums Überleben kämpft, oder ob all die unheimlichen und rational schwer erklärbaren Dinge, die sich nach und nach manifestieren, nicht vielleicht doch real sind: Der jüngste Sohn verschwindet spurlos, die Ernte bleibt aus, Kinder sprechen in Zungen, eine unheimliche Figur ist im Wald zu sehen. Es ist, als würde sich die Ikonographie aller Black-Metal-Alben der letzten 25 Jahre wie ein Todesschleier über die harsche Realität des Lebens im frühen 17. Jahrhundert legen, ein paar Jahrzehnte vor den Hexenprozessen von Salem. Um seine Geschichte ihre volle Wirkung entfalten zu lassen, gibt Eggers seiner Erzählung Zeit. Er lässt seine Schauspieler, allen voran Ralph Ineson und Kate Dickie als auf die Probe gestellte Eltern und die großartige Entdeckung Anya Taylor-Joy als älteste Tochter Thomasin (Betonung auf die letzten drei Buchstaben), die im Laufe der Handlung immer stärker in den Mittelpunkt rückt, in der undurchdringlichen, distanzierenden Sprache der Zeit sprechen: Seine Figuren sind Fremde in ihrem eigenen Körper und unterwerfen sich voll und ganz ihrem Glauben, was sie nach und nach in eine unausweichliche Situation bringt, in der religiöser Wahn unweigerlich in Gewalt münden muss. Gleichzeitig ist "The Witch" immer auch ein Film über erwachende Sexualität, die Hexe an sich Sinnbild für frei ausgelebte Lust - ein Ding der Unmöglichkeit in dieser Zeit. Man hat "The Witch" als eine Mischung aus "Blair Witch Project" und "Hexenjagd" verglichen. Obwohl diese Beschreibung nachvollziehbar ist, erinnert Eggers' Untersuchung des Namenlosen und Unnatürlichen in ihrer rigiden Strenge und präzisen Bebilderung mehr an Dreyers "Tag der Rache" oder "Das Wort" oder an den bitteren Bergman der Sechzigerjahre, aber eben immer mit der Wucht des Horrorfilms: Der Gehörnte ist in diesen kompakten 92 Minuten immer und überall. Oftmals wörtlicher, als man es in einem so gekonnt ambivalenten Film glauben möchte. Aber das ist ein Trumpf, den Eggers erst ganz zum Schluss ausspielt. ts.

Quelle: Blickpunkt:Film

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Verleih Universal
O-Titel The Witch
Land / Jahr Kanada/USA 2015
Kategorie Spielfilm
Genre Horror / Drama
Kinostart 19.05.2016
Laufzeit 93
FSK ab 16 Jahre
FBW-Prädikat Wertvoll
Einspielergebnis D € 754.901
Bes. (EDI) 91.258
Bes. (FFA) 93.329
Charthistory
USA-Start 19.02.2016, bei A24 Films
Boxoffice USA $ 25.081.475
Filmtrailer Video
nach oben Cast & Crew
Produzenten Jay Van Hoy, Lars Knudsen, Jodi Redmond, Daniel Bekerman, Rodrigo Teixeira
Ausf. Produzenten Lourenco Sant'Anna, Sophie Mas, Michael Sackler, Julia Godzinskaya, Chris Columbus, Eleanor Columbus, Alex Sagalchik, Alexandra Johnes, Jonathan Bronfman, Thomas Benski, Lucas Ochoa
Regie Robert Eggers
Drehbuch Robert Eggers
Darsteller Anya Taylor-Joy (Thomasin), Ralph Ineson (William), Kate Dickie (Katherine), Harvey Scrimshaw (Caleb), Ellie Grainger (Mercy), Lucas Dawson (Jonas), Bathsheba Garnett (Die Hexe), Julian Richings (Gouverneur)
Kamera Jarin Blaschke
Schnitt Louise Ford
Musik Mark Korven
Produktionsdesign Craig Lathrop
Ton Adam Stein (Sound Design)
Kostüme Linda Muir
Casting Kharmel Cochrane
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
The Witch - A New-England Folk Tale Universal Pictures Germany DVD, ab 16, 89 Min. Kauf
The Witch - A New-England Folk Tale Universal Pictures Germany Blu-ray Disc, ab 16, 93 Min. Kauf
The Witch - A New-England Folk Tale Universal Pictures Germany DVD, ab 16, 89 Min. Leih
The Witch - A New-England Folk Tale Universal Pictures Germany Blu-ray Disc, ab 16, 93 Min. Leih
nach oben Soundtrack
Art Interpret Komponist Titel
Soundtrack/Original Score Mark Korven The Witch
nach oben VideoMarkt-Inhalt/Kritik

Von ihrer Gemeinde verstoßen, müssen sich William und Catherine in der Wildnis des Neuengland im Jahre 1630 eine Existenz für sich und ihre fünf Kinder aufbauen. Die fromme Familie wird schnell an ihre Grenzen geführt, als der neu geborene Sohn spurlos verschwindet und die Ernte ausbleibt. Ins Zentrum der unbändigen Wut des frustrierten Patriarchen William gerät die älteste Tochter Thomasin, der er die Schuld an der Misere gibt. Oder könnte doch eine sagenumwobene Hexe ihre Finger im Spiel haben, die im Wald hausen soll?

Mit seinem Debüt ist Robert Eggers ein Okkulthorrorschocker gelungen, wie man ihn aus amerikanischer Produktion eher nicht erwarten würde. Klar trägt sein sorgfältig entworfenes Schreckensszenario, das penibel Mode und Sprache des 17. Jahrhunderts nachstellt, Züge des Kinos von Dreyer und Bergman: Virtuos hält der Film die Balance und lässt den Zuschauer im Unklaren, ob es tatsächlich mit unrechten Dingen zugeht oder sich einfach nur von Isolation, Frömmelei und sexueller Repression hervorgerufener Wahnsinn Bahn bricht.

Quelle: mediabiz.de

nach oben Zusammenfassung

Eine siebenköpfige Familie wird im Neuengland des Jahres 1630 von unerklärlichen Ereignissen in den Wahnsinn getrieben. Großartig intensiver Mystikhorrorfilm, der mit minimalen Mitteln ein Maximum an Wirkung herausholt.

nach oben FBW-Gutachten

Prädikat: WertvollKurztext:

Neuengland, im Jahre 1630. Weil sie von ihrer puritanischen Gemeinde verstoßen werden, müssen sich William, seine Frau Kate und seine fünf Kinder eine neue Heimat suchen. Ein gesegneter Platz für ein Haus scheint bald gefunden, direkt in der Nähe eines Waldes, auf fruchtbarem Feld. Doch ein Jahr später ist die Ernte verdorben und die Familie muss sehen, wie sie den Winter überlebt. Als dann noch das Baby Samuel unter der Aufsicht der ältesten Tochter Thomasin spurlos verschwindet und rätselhafte Dinge auf dem Hof passieren, nimmt das Unheil seinen Lauf. Es heißt, eine Hexe sei im Wald. Ist sie gekommen, um sich die Familie zu holen? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter? Subtil und stellenweise mit hypnotischer Langsamkeit entwickelt der Debütfilm von Regisseur Robert Eggers seinen Horror, seine Angst vor dem unerklärlich Übernatürlichen. Nie kann sich der Zuschauer sicher sein, hinter was oder wem sich die Gefahr verbirgt. Geschickt nutzt Eggers die Kamera, die die Figuren abtastet, verfolgt, aus den verschiedensten Blickwinkeln beobachtet. Auch der Zuschauer wird so zum Voyeur, zum Beobachter. Und erliegt der Versuchung, zu urteilen, Schuld zuzuweisen und Partei zu ergreifen. Um das zu erreichen, stehen auch die komplexen Dialoge der Protagonisten im Dienst des visuellen Vorhabens des Regisseurs. Die Dialoge basieren auf Originaltexten und Zeitdokumenten wie Gerichtsprotokollen und Zeugenaussagen. Nicht nur auf dieser Ebene ist Eggers Film vollkommen authentisch und entwickelt einen Grusel und Schauer, der sich nicht nur aus der bedrückenden Atmosphäre und der Abgeschiedenheit des Handlungsorts vom Rest der zivilisierten Welt ergibt, sondern auch aus den wahrhaftigen historischen Vorgängen, die genauso belegt sind. Die Familienmitglieder sind mit Schauspielern besetzt, die ihre Rollen zu leben scheinen. Ralph Ineson als William ist das Oberhaupt der Familie. Gottesfürchtig, streng zu allen um ihn herum und fast schon dämonisch in seiner religiösen Besessenheit. Ebenso Kate Dickie als Ehefrau, die aufgrund der schrecklichen Ereignisse fast dem Wahnsinn verfällt. Ebenfalls Großes leisten die Jungdarsteller Anya Taylor-Joy als Thomasin und Harvey Scrimshaw als ihr jüngerer Bruder Caleb. Wie sie beide der Heimsuchung durch die dunkle Seite und den eigenen inneren Dämonen, die sie im Erwachsenwerden durchleben, begegnen, wird von Eggers und seinem Kameramann Jarin Blaschke auf einzigartige Weise in stimmungsvollen und doch so kalten blassen Bildern eingefangen, die den Zuschauer sprachlos zurücklassen und fast unwirklich erscheinen. THE WITCH ist historische Lehrstunde und perfekt inszeniertes Schauermärchen in einem. Ein Horrorkabinettstück.

Gutachten:

Was ist Horror? Mit dieser Frage sahen sich die Mitglieder nach der Sichtung von THE WITCH konfrontiert. Robert Eggers Geschichte entführt nach Neuengland um das Jahr 1630. Eine puritanische Familie muss die befestigte Siedlung verlassen. William, seine Frau Katherine und seine halbwüchsigen Kinder Thomasin und Caleb und deren jüngere Geschwister finden an einem Waldrand ein neues Zuhause. Bewaffnet mit ihrem Glauben, ein paar Tieren und einigen Habseligkeiten stellen sie sich den Anforderungen des Lebens außerhalb menschlicher Siedlungen.

THE WITCH erzählt ruhig und sachlich. Vorgewarnt vom Titel und Filmen wie THE BLAIR WITCH PROJECT erwartet man den plötzlichen Horrorschock, aber THE WITCH funktioniert anders. Der Film kommt (fast) vollständig ohne die gängigen Kamera- und Soundeffekte aus, so dass sich die Jury in der Tat fragte, wo der Horror des Films stecke. In der der Sichtung angeschlossenen, durchaus kontrovers geführten Diskussion zeigte sich, dass die zurückhaltende, hyperrealistische Bebilderung von einem Teil der Jury eher als irritierendes Element wahrgenommen wurde. Der Horror steckt bei THE WITCH im Wort und im Kopf des Zuschauers.

Die kleine Farm der Siedler scheint zu gedeihen. Das erste Haus, der erste Schuppen ist errichtet und ein fünftes Kind geboren. Dann aber fault die Ernte und das Neugeborene verschwindet. Der angrenzende Wald wird für die Jugendlichen zu Tabuzone erklärt und mystifiziert. Schnell entsteht das Gerücht, eine Hexe treibe dort ihr Unwesen.

Das perfide an THE WITCH ist, dass sich der Film, bis auf wenige Ausnahmen, beständig auf zwei Ebenen lesen lässt. Zum einen auf der archaischen, der gottesfürchtigen Farmer, die die ungezähmte Natur mit übernatürlichen Schrecken ausstatten. Zum anderen aber auf der des vernunftbegabten Zuschauers des 21. Jahrhunderts, der im Prinzip alle Schrecken rational zu erklären weiß.

THE WITCH versucht die metaphorische und die Realitätsebene zu filmischer Realität zusammenzuführen. Gerade diese Doppelsinnigkeit aber hat die Jury auf weiten Strecken sehr kontrovers diskutiert. Das Durchdachte, als Konzept, schien einem Teil der Jury zwar für einen geschichtsbewussten Historienfilm angemessen, nicht aber für einen Film des Horrorgenres.
Anstelle von plötzlichem Schrecken setzt THE WITCH auf eine sich allmählich steigernde Atmosphäre des Unbehagens, die sich aus dem christlich-moralischen Verständnis des Lebens nährt. Die aufkeimende Sexualität der heranwachsenden Kinder wird zum Indikator des Horrors. Für die Puritaner wohnt im Trieb eine unheimliche Macht. Eine Haltung, die sich selbst in vielen unserer heimischen Märchen wiederfindet und bis heute auch hierzulande von bleibendem Eindruck ist.

Unisono erhielt der Film großes Lob von der Jury für seine intelligente Kameraführung und die hervorragenden Darsteller, die zum großen Teil die Glaubwürdigkeit von THE WITCH mittragen und die Bigotterie sittlich-strengen Lebens bloßstellen helfen.

THE WITCH ist nach Ansicht der Jury kein Film für Splatter-Fans, sondern intelligenter Arthouse Horror, der von ihr mit dem Prädikat "wertvoll" honoriert wird.

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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