Silence

Martin Scorseses meisterlich strenge Adaption des Romans von Shusaku Endô über zwei junge Jesuitenpriester im Japan des 17. Jahrhunderts.

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(Bild: Concorde)
Verleih Concorde
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, USA 2016
Regie Martin Scorsese
Darsteller Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson
Kinostart 02.03.2017
Einspielergebnis D € 309.293
Bes. (EDI) 33.984
Bes. (FFA) 30.952
Charthistory
Boxoffice USA $ 7.078.164
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Filmtrailer Video

nach oben Ausführliche Besprechung

Martin Scorseses meisterlich strenge Adaption des Romans von Shusaku Endô über zwei junge Jesuitenpriester im Japan des 17. Jahrhunderts.

Nicht zum ersten Mal lässt Martin Scorsese auf die Raserei die Abbuße folgen. Direkt nach dem exzessiven "Casino" drehte der ehemalige Priesterschüler, der dann doch lieber das Kino zu seiner Kirche machte, den fast wortlosen "Kundun" über das Leben des Dalai Lama. Nun kehrt der 74-Jährige nach seinem Bacchanal "The Wolf of Wall Street" abermals zurück mit einem Film, der nicht unterschiedlicher sein könnte. Tatsächlich hatte Scorsese in den letzten 30 Jahren immer wieder Anläufe unternommen, Shusaku Endôs 1969 erschienenen Roman über zwei junge Jesuitenpriester, die im 17. Jahrhundert die Reise von Portugal nach Japan anzutreten, von wo die Kunde stammt, ihr einstiger Mentor habe dem Glauben entsagt. Rodrigues und Garupe - gespielt von Andrew Garfield und Adam Driver - wollen erkunden, ob die Gerüchte wahr sind und den wenigen verbliebenen Gläubigen, die nicht unter der Knute der Christenverfolung in die Knie gegangen sind, Trost spenden.

Während sich die Prämisse liest wie eine Variation von Herz der Finsternis, ist "Silence" doch im Grunde ein Film gewordener Glaubenstest, für die beiden Priester, aber

auch für den Filmemacher und das Publikum. Und zwar so streng und fromm, dass Scorsese zwar nicht ganz an die ganz bewusste Schmucklosigkeit des von Paul

Schrader apostrophierten Kinos des Transzendentalen eines Dreyer oder Bresson heranreicht, sein mit so viel Hingabe und Herzblut gemachter Film aber wie aus der Zeit gefallen wirkt. Wer bereit ist mitzuarbeiten, mit Pater Rodriues durch alle erdenklichen seelischen wie körperlichern Qualen zu gehen, wird schließlich belohnt mit einem intensiven, kathartischen dritten Akt, der an dem rüttelt, wie wir unser Leben führen. In Martin Scorseses Händen ist "Silence"

weniger die von Endô intendierte gallige Kritik an der japanischen Gesellschaft (weshalb der Roman in Japan zwischenzeitlich auf dem Index stand), sondern ein Monument an die Unerschütterlichkeit des Glaubens.

Dafür sorgt eine Coda, die nicht im Roman zu finden ist. Sie ist Martin Scorsese so pur und rein, wie es nur möglich ist. ts.

Quelle: Blickpunkt:Film

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Verleih Concorde
O-Titel Silence
Land / Jahr USA 2016
Kategorie Spielfilm
Genre Drama / Kostümfilm
Produktionsfirmen Cappa Defina Productions/GK Films/Initial Entertainment Group/Sikelia Prs
Kinostart 02.03.2017
Laufzeit 162
FSK ab 12 Jahre
FBW-Prädikat Besonders wertvoll
Einspielergebnis D € 309.293
Bes. (EDI) 33.984
Bes. (FFA) 30.952
Charthistory
USA-Start 23.12.2016, bei Paramount
Boxoffice USA $ 7.078.164
Filmtrailer Video
Web-Link http://www.silence-film.de
nach oben Cast & Crew
Produzenten Vittorio Cecchi Gori, Barbara De Fina, Randall Emmett, Paul Breuls, David Lee, Gaston Pavlovich, Martin Scorsese, Emma Tillinger Koskoff, Irwin Winkler
Regie Martin Scorsese
Drehbuch Jay Cocks, Martin Scorsese
Buchvorlage Shusaku Endo
Darsteller Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson, Tadanobu Asano, Ciarán Hinds, Issei Ogata, Shinya Tsukamoto, Yoshi Oida, Yosuke Kubozuka
Kamera Rodrigo Prieto
Schnitt Thelma Schoonmaker
Musik Kathryn Kluge, Kim Allen Kluge
Produktionsdesign Dante Ferretti
Kostüme Dante Ferretti
Casting Ellen Lewis
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
Silence EuroVideo Medien DVD, ab 12, 156 Min. Kauf
Silence EuroVideo Medien Blu-ray Disc, ab 12, 162 Min. Kauf
Silence EuroVideo Medien DVD, ab 12, 156 Min. Leih
Silence EuroVideo Medien Blu-ray Disc, ab 12, 162 Min. Leih
nach oben VideoMarkt-Inhalt/Kritik

Im 17. Jahrhundert begeben sich die Jesuitenpriester Rodrigues und Garupe auf die beschwerliche Reise von Portugal nach Japan: Dort soll ihr einstiger Lehrmeister das Unglaubliche getan und dem katholischen Glauben abgeschworen haben. In Japan bietet sich den Priestern ein schlimmes Bild. Die Christen werden rücksichtslos verfolgt, Rodrigues und Garupe müssen sich verstecken, wenn sie nicht gefoltert werden wollen. Als sie voneinander getrennt werden, sieht sich Rodrigues mit zunehmend größeren Zweifeln konfrontiert.

Mit der Verfilmung des in Japan zeitweise verbotenen Romans von Shusako Endo erfüllte sich Regiemeister Martin Scorsese einen langgehegten Wunschtraum und fügte "Die letzte Versuchung Christi" und "Kundun" nun ein drittes Drama hinzu, das sich explizit mit Glaubensfragen befasst. Mit Andrew Garfield, Adam Driver und Liam Neeson stark besetzt, ist "Silence" ein ebenso strenger und anstrengender wie auch fesselnder und intensiver Film über Eitelkeit, Schwäche und Überzeugung, der sich und dem Publikum nichts schenkt.

Quelle: mediabiz.de

nach oben Zusammenfassung

Zwei portugiesische Jesuitenpriester reisen im 17. Jahrhundert die Reise nach Japan, wo ihr Lehrmeister angeblich dem Glauben abgeschworen haben soll. Martin Scorseses meisterlich strenge Verfilmung des Romans von Shusako Endo.

nach oben FBW-Gutachten

Prädikat: Besonders wertvollKurztext:

Japan, 1638. Die Jesuitenpriester Rodrigues und Garpe reisen aus Portugal an, um einen Mann zu suchen: den "abtrünnigen" Pater Ferreira. Er soll seinem Glauben abgeschworen haben, soll sich dem Druck der japanischen Inquisitoren gebeugt haben, die das Christentum aus dem Land verbannen wollen. Doch Rodrigues und Garpe glauben fest an Ferreira und trauen den Gerüchten nicht. Tatsächlich finden sie in Japan gläubige Christen, die sich im Untergrund versteckt halten, um nicht eingesperrt, gefoltert und getötet zu werden. Dennoch sind sie nicht bereit, ihren Glauben zu verraten. Doch genau das ist das Ziel der Inquisitoren - die bald auch Rodrigues und Garpe dazu zwingen wollen, ihrem Gott abzuschwören. Seit den späten 1980er Jahren hat Martin Scorsese an einem Drehbuch für SILENCE gearbeitet. Und man spürt in jeder der atmosphärisch dichten Szenen des Films, der auf dem gleichnamigen Erfolgsroman des japanischen Autors Endo basiert, wie sehr sich Scorsese mit dem Thema des Films nicht nur beschäftigt, sondern in seiner Komplexität und Ambivalenz auch identifiziert. In 161 Minuten wird der Zuschauer Zeuge eines quälenden Gewissenskampfes, den die Priester ausfechten müssen. Hin- und hergerissen zwischen ihrer "von Gott gesendeten" Aufgabe und der puren existenziellen Angst - um das Leben der Gläubigen und die eigene Sicherheit. Glaubhaft wird dies von den Darstellern verkörpert. Liam Neeson als "Abtrünniger", durch dessen Augen wir gleich zu Beginn Zeuge der Unterdrückung werden; Adam Driver als bis zuletzt aufopfernder Priester; und Andrew Garfield als Rodrigues, der von den Japanern gezwungen wird, alle Foltermaßnahmen mitzuerleben. Authentisch verkörpert Garfield die Qualen des Priesters, der sich von seinem Gott mehr und mehr allein gelassen fühlt und sich selbst die Frage stellen muss: Was wiegt schwerer? Der Verrat des Glaubens oder die Akzeptanz des Todes vieler Unschuldiger? Scorsese verzichtet auf einen Score. Doch das Gemisch aus Naturklängen, den rhythmischen Gebeten und den flehenden Lauten der Menschen ergibt ein unglaublich dichtes Soundgefüge und erzeugt eine Dramatik, die keine Musik braucht. Die mit Präzision komponierten Bilder sind erfüllt vom Nebel, der sich nicht lichten will und lassen so eine akute Bedrohung erahnen, die den Zuschauer packt. Zwar erzählt Scorsese mit SILENCE die wahre Geschichte der verfolgten Jesuiten in Japan. Doch er erzählt darüber hinaus über den Anspruch jeder Religion, die einzig Richtige sein zu wollen. Über die Entscheidung, den Glauben über den Menschen zu stellen. Und den Kampf jedes einzelnen Menschen mit sich selbst. Mit SILENCE ist Martin Scorsese ein Film gelungen, dessen filmischem Sog man sich nicht entziehen kann. Anspruchsvolles und komplexes Kino, das zu Diskussionen anregt.

Gutachten:

Basierend auf historischen Ereignissen erzählt SILENCE in monumentalen Bildern von der Kraft des Glaubens und dem spirituellen Überlebenskampf eines jungen Priesters im Japan des 17. Jahrhundert.
1637 brechen die jungen Jesuitenpater Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Francisco Garpe (Adam Driver) von Portugal in das völlig von der westlichen Welt abgeschottete Japan auf, um der Wahrheit hinter den undenkbaren Gerüchten nachzugehen, dass ihr berühmter Lehrer Cristóvão Ferreira (Liam Neeson) dem christlichen Glauben abgeschworen habe. Heimlich in Japan angekommen tauchen die beiden Jesuitenpater ein in eine Welt, in der Christen von den japanischen Feudalherren brutal verfolgt und durch grausamste Folter zum Glaubensabfall gezwungen werden. Als Pater Rodrigues selbst gefangen wird, begegnen ihm die Machthaber zweischneidig. Sie sind höflich und versuchen ihn mit rationalen Argumenten dazu zu bringen, seinen Glauben zu verleugnen. Gleichzeitig erlebt er die Todesqualen der christlichen Mitgefangenen, die auch ihm drohen. Rodrigues verzweifelt an der Frage, wie Gott zu all diesem Leiden schweigen kann. Ist es Gottes Wille, dass er an seinem Glauben festhält, auch wenn dadurch viele Menschen grausam zu Tode kommen?

Das Drehbuch von Martin Scorsese und Jay Cocks basiert auf dem Roman "Schweigen" von Endo Shusaka. Eine eindrucksvolle Kamera und ein überzeugendes Spiel von Licht und Schatten führen in die Welt der "verborgenen Christen" ein. Die grandiose Filmkulisse ist unterlegt mit einem natürlichen Klangteppich aus Geräuschen, Tönen und Originalmusik, auf eingespielte Filmmusik wird komplett verzichtet. Die Schauspielerleistung ist überzeugend bis in die kleinste Nebenrolle.

Auch wenn SILENCE im 17. Jahrhundert spielt, so ist der Diskurs über den Konflikt der verschiedenen Religionen, der Anspruch auf universelle Wahrheit und das persönliche Glaubensempfinden hochaktuell. Der Film hat eine Länge von fast drei Stunden, wirkt aber dennoch nicht zu lang. Die Dauer erlaubt die Einstimmung in eine fremde Welt und die Teilnahme an den Prüfungen, denen die Hauptfigur standhalten muss. Der Jury ist bewusst, dass der Stoff nicht einfach ist, doch wer sich darauf einlässt, erlebt einen großartigen Film, der noch lange nachwirkt. Er verdient das Prädikat besonders wertvoll.

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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