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HERRliche Zeiten

Satire um ein Paar aus der besseren Gesellschaft, das sich vom perfekten Diener umsorgen lässt und bald jegliche Moral über Bord wirft.

HERRliche Zeiten Großansicht
(Bild: Concorde)
Verleih Concorde
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, Deutschland 2018
Regie Oskar Roehler
Darsteller Katja Riemann, Oliver Masucci, Samuel Finzi
Kinostart 03.05.2018
Einspielergebnis D € 188.613
Bes. (EDI) 22.401
Bes. (FFA) 24.814
Charthistory
Filmtrailer Video

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Das gut situierten Paar Claus und Evi Müller-Todt sucht eine Haushaltshilfe. Claus gibt mehr aus Jux die Anzeige "Sklave gesucht" auf. Unter den zahlreichen Bewerbern beeindruckt Bartos die Müller-Todts am meisten mit perfekten Butler-Manieren und Rundumversorgung für nichts als Kost und Logis. Zuerst hat Evi noch ein schlechtes Gewissen, aber das Wellness-Programm von Bartos junger Frau Lana lässt auch sie sich gerne gefallen.

nach oben Ausführliche Besprechung

Satire um ein Paar aus der besseren Gesellschaft, das sich den perfekten Diener ins Haus holt und bald jegliche Moral über Bord wirft.

Im exquisit aussehenden und herausragend gespielten, satirischen Kammerspiel von Oskar Roehler läuft das eingefahrene Leben eines gut situierten Paares aus dem Ruder nachdem ein perfekt scheinendes Butlerpaar bei ihm einzieht. Den Starschuss zur freien Adaption von Thor Kunkels "Sub" gibt die Annonce "Sklave gesucht", die eine erstaunliche Zahl von Bewerbern bevorzugt in SM-Montur vor der Tür der Müller-Todts versammelt. Der setzt auch den lauten Tonfall für den Film, in dem Hausherr Claus Müller-Todt als Mann mit Faible für Kleidung in möglichst kräftigen Farben vorgestellt wird, der im Schweiße seines Angesichts seine Pati entinnen von Fett befreit und zu Hause oft allein den Luxus seiner Villa genießt, da seine Frau chronisch unpässlich ist . Herrlich überzogen gespielt wird er von Oliver Masucci, der nach "Er ist wieder da", "Dark" und "Spielmacher" sein Können erneut eindrucksvoll unter Beweis stellt und in dieser Rolle zurecht für den Deutschen Filmpreis nominiert ist. Als Gegenpart zum jovial-großkotzigen Claus mimt Samuel Finzi gewohnt souverän den überbescheidenen Diener mit Gentlemanmanieren Bartos, der sich unentbehrlich macht und irgendwann zu einer Bedrohung wird. Katja Riemann, die sich unter der Regie von Roehler bereits bei "Agnes und seine Brüder" eine Lola verdiente, und Neuentdeckung Lize Feryn als Bartos' Frau und hübsche Versuchung für Claus komplettieren die klassische Konstellation, die mit Yasin El Harrouks dubiosen Nachbar eine denkwürdige Ergänzung erfährt. Bei seiner Einladung zur Römerparty inklusive kaum bekleideter Damen und Gladiatoren (die aus Claus' illegalen Schwimmbad-Bautrupp zwangsrekrutiert wurden), darf Claus Kaiser spielen bevor der ohnehin nie "diskrete Charme der Bourgouisie" endgültig abgeblättert ist und Claus in mörderische Untiefen stürzt, die der Film teils in rot-grünes Alptraumlicht taucht. Eine Augenweide ist, wie Szenen-, Kostümbild und Kamera die gutbürgerlich-neureichen Villawelt ausmalt in diesem bitterbösen Blick auf die Gesellschaft. hai.

Quelle: Blickpunkt:Film

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Szene

 
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Verleih Concorde
O-Titel HERRliche Zeiten
Alternativ-/Arbeitstitel Subs
Land / Jahr Deutschland 2018
Kategorie Spielfilm
Genre Drama / Satire
Produktionsfirmen Molina Film
Koproduktionsfirmen Tele München Gruppe (TMG)
Senderbeteiligung Westdeutscher Rundfunk (WDR), ARTE G.E.I.E.
Produktionsförderung Film- und Medienstiftung NRW (EUR 800.000),
Medienboard Berlin-Brandenburg (EUR 150.000)
Verleihförderung Film- und Medienstiftung NRW (EUR 40.000),
Medienboard Berlin-Brandenburg (EUR 30.000)
Kinostart 03.05.2018
Laufzeit 110
FSK ab 16 Jahre
FBW-Prädikat Wertvoll
Einspielergebnis D € 188.613
Bes. (EDI) 22.401
Bes. (FFA) 24.814
Charthistory
Filmtrailer Video
Web-Link http://www.herrlichezeiten-film.de
nach oben Cast & Crew
Produzenten Jutta Müller
Regie Oskar Roehler
Drehbuch Jan Berger
Buchvorlage Thor Kunkel
Darsteller Katja Riemann (Evi Müller-Todt), Oliver Masucci (Claus Müller-Todt), Samuel Finzi (Bartos), Lize Feryn (Lana), Margarita Broich, Yasin el Harrouk, Katy Karrenbauer, Andrea Sawatzki
Kamera Carl-Friedrich Koschnick
Schnitt Peter R. Adam
Musik Martin Todsharow
Produktionsdesign Heike Steen
Kostüme Anne Jendritzko
Casting Anja Dihrberg
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
HERRliche Zeiten EuroVideo Medien DVD, ab 16, 110 Min. Kauf
HERRliche Zeiten EuroVideo Medien Blu-ray Disc, ab 16, 114 Min. Kauf
nach oben FBW-Gutachten

Prädikat: WertvollKurztext:

Der neue Film von Oskar Roehler erzählt als groteske und unterhaltsame Gesellschaftssatire von einem Paar, das sich einen Sklaven ins Haus holt - und nicht ahnt, was sie das noch kosten wird.

Claus Müller-Todt hat es geschafft. Schönes Haus, schöne Frau, toller Job. Doch irgendwie ist das alles nicht wirklich befriedigend. Sein Job als Schönheitschirurg macht Claus nicht glücklich. Seine Frau Evi ergibt sich ihrer Depression. Und nebenan ist auch noch ein neuer Nachbar eingezogen, der permanent Partys feiert und mit seinen Bediensteten scheinbar macht, was er will. Claus will das auch. Also gibt er, beeinflusst von Rotwein und Langeweile, eine Stellenanzeige auf: "Sklave gesucht". Am nächsten Morgen steht eine Schlange von Menschen vor der Tür. Menschen, die Claus und Evi gar nicht erst ins Haus lassen wollen. Bis auf einmal Bartos klingelt. Bartos ist irgendwie anders. Sein Interesse an dem Job wirkt ernst. Also lassen sich Claus und Evi probeweise auf Bartos' Dienste ein. Was nun beginnt, sind fürwahr HERRliche Zeiten. Doch bald schon merken Claus und Evi, dass nichts auf dieser Welt wirklich umsonst ist. Auch Sklaven nicht. Oskar Roehlers neuer Film HERRliche ZEITEN ist eine bitterböse Gesellschaftssatire, in der von Anfang an der schwarze Humor die Atmosphäre bestimmt. Die Figuren sind in ihrer Klischeehaftigkeit grotesk überzeichnet, was die Fallhöhe für die sehr überraschend einsetzenden düsteren Momente sehr hoch anlegt. Samuel Finzis Bartos ist auf überzeugende Weise gefühls- und regungslos, seine stoisch eiskalte Miene verrät nichts von dem, was in seinem Kopf vorgeht. Katja Riemann schwebt einer Elfe unter Betäubung gleich durch die perfekt gestylte bourgeoise Kulisse und sorgt für viele komische Momente. Und in Oliver Masucci findet sie ihren darstellerischen Sparringspartner. Masucci spielt Claus als Selfmade-Angehörigen der High Society, der trotz Geld, Haus und Auto mit seinem rheinländischen Dialekt und seiner naiven Unbeholfenheit nie die Souveränität erreichen kann, die zu seinem "Stand" nun mal gehört. Roehler lässt die Figuren in einer Art Boulevard-Kammerspiel aufeinander los. Immer wieder erlaubt er sich dabei auch Seitenhiebe auf die Dekadenz und Schieflage unserer heutigen Gesellschaft und setzt sowohl in Sachen Themenwahl als auch Inszenierung auf Provokation. Ein Rezept, das in HERRliche ZEITEN treffend und mit großem Sehvergnügen eingelöst wird.

Gutachten:

In der sich dem Film anschließenden Jury-Diskussion meinte ein Mitglied: Diese Geschichte ist schon etwas umständlich erzählt. Und tatsächlich braucht der Film schon seine Zeit, bis er Fahrt aufnimmt und zu seinem bösen Ende kommt. Doch wenn man genau hinschaut, graben sich Oskar Roehler und sein Drehbuchschreiber Jan Berger mit gut dosierten Nadelstichen ins Gemüt der Zuschauer, die neben dem teilweise irritierenden Spiel mit Extremen eine gehörige Portion aktueller Politik- und Gesellschaftskritik geliefert bekommen.
Da fällt der Landschaftsgärtnerin Evi nach der betrüblichen Erfahrung eines geplatzten Superauftrages buchstäblich eine Leiche um die Ohren. Depressiv legt sie sich ins Bett, liebevoll gepflegt von ihrem Gatten Claus, einem nicht sehr erfolgreichen Schönheitschirurgen. Und man muss sich schon fragen, wie die Beiden zu der stolzen Villa mit wundervollem Parkgelände gekommen sind und wer eigentlich die Kohle für das luxuriöse Leben anschafft. Da schneit ihnen Bartos und seine Ehefrau Lana ins Haus, die sich freiwillig mehr als häusliche Sklaven denn als Haushaltshilfen anbieten. Spätestens dann wird der geneigte Zuschauer ahnen, dass da etwas "faul im Staate Dänemark" ist, was die Geschichte dramatisch zuspitzt und letztlich zur Auflösung eines bösen Komplotts führt. Da kommen dann zum Bau des ersehnten und noch fehlenden Pools im Garten ein Dutzend unterbezahlter bulgarischer Arbeiter ins Spiel und der Sohn eines ehemaligen irakischen Sadam-Gefolgsmannes ist als Nachbar nicht nur für rauschende Partys zuständig, sondern hilft auch in der Not mit Rat und Tat bzw. Gewalt.
Die Charaktere sind gut besetzt, wobei Katja Riemann mit vollem Einsatz und extremem Spiel zu überzeugen vermag und Oliver Masucci den leicht debilen Ehemann konsequent umsetzt. Und selten wurde ein perfekter Butler so gut gespielt wie von Samuel Finzi. Eine gute Kamera und ein perfektes Set-Design und die sehr passende Ausstattung mit toller Kleiderordnung sind weitere positive Merkmale des Films.
Nimmt man die offensichtlichen kritischen Bezüge zu Politik und satter Wohlfahrtsgesellschaft im Kontrast der teils absurden teils makabren Geschichte als pure Satire, so hat Oskar Roehler sein beabsichtigtes Ziel wohl erreicht. Aber etwas mehr Schrilles und auch etwas mehr Leichtigkeit und Tempo hätte sich die Jury dann aber doch noch gewünscht.

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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