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Flug 93

Minuziöse Nachstellung der Ereignisse, die an Bord des vierten Flugzeugs vom 11. September 2001 zum Absturz über einem Feld führten.

Flug 93 Großansicht
(Bild: UIP)
Verleih UIP
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, USA, Großbritannien u.a. 2006
Regie Paul Greengrass
Darsteller Khalid Abdalla, Lewis Alsamari, Omar Berdouni
Kinostart 01.06.2006
Einspielergebnis D € 1.596.706
Bes. (EDI) 247.383
Bes. (FFA) 257.434
Charthistory
Boxoffice USA $ 31.471.430
Charthistory
Filmtrailer Video
Erstausstrahlung 09.09.2008 (ZDF)

nach oben Inhalt & Info

Am 11. September 2001 steigen 44 Menschen in den Flug 93 von United Airlines, der sie von Newark bei New York nach San Francisco bringen soll. Mit an Bord befinden sich Ziad Jarrah, Ahmad Al Haznawi, Al Ghamdi und Ahmed Al Nami. Kurz nach dem Start bringen sie die Maschine in ihre Gewalt. Als sich an Bord herumspricht, dass andere entführte Flugzeuge in das World Trade Center und das Pentagon gestürzt sind, schlagen die verzweifelten Passagiere zurück. Um 10.10 Uhr stürzt die Maschine südöstlich von Pittsburgh in Bundesstaat Pennsylvania ab. Fünf Minuten zuvor war der Südturm des World Trade Centers eingestürzt.

Erste filmische Aufarbeitung der Ereignisse des 11. September 2001 für das Kino, nachdem Peter Markle den tragischen Flug der UA 93 bereits unter gleichem Titel für das US-TV behandelte. Von dem Iren Paul Greengrass ("Die Bourne Verschwörung") im Stil eines Dokudramas weitgehend improvisiert, werden die packenden Minuten, die das Gesicht Amerikas für immer veränderten, nüchtern und ohne jegliche Sensationsgier festgehalten. Ein Film voller exorzistischer Kraft.

Quelle: Blickpunkt:Film

nach oben Ausführliche Besprechung

Kino als Katharsis: Regisseur und Drehbuchautor Paul Greengrass betreibt mit seinem fiktionalisierten Dokudrama über die Entführung des einzigen Flugzeugs, das während der 9/11-Terroranschläge sein Ziel verfehlte, taktvolle Geschichtsaufarbeitung.

Obwohl bereits zwei Kabel-TV-Produktionen über das heikle Thema mit positiver Zuschauerresonanz ausgestrahlt worden sind, wurden im Vorfeld der Kinoauswertung Fragen laut, ob es zu früh für einen Film über die nationale Tragödie sei. Ein Kino in Manhattan weigerte sich aus Pietätsgründen gar, den Trailer zu zeigen. Vorbehalte dieser Art sind jedoch nicht nötig, da Greengrass, der sich bereits mit dem Berlinale-Gewinner "Bloody Sunday" einem historischen heißen Eisen annahm, das Material mit allem nötigen Respekt und Würde behandelt. Daher wundert es nicht, dass eine Reihe des involvierten Personals des Militärs und der Luftfahrtbehörde FAA sich selbst spielt.

Für seine Version der Ereignisse benutzte Greengrass die bekannten Fakten (darunter die herzzerreißenden Telefongespräche der Passagiere) und Interviews mit Angehörigen und Freunden der Verstorbenen als Ausgangspunkt, um im Realzeitszenario über die Vorgänge an Bord während der 91 Minuten, die Flug 93 in der Luft verbrachte, bevor die Maschine in einem Feld in der Nähe von Pennsylvania abstürzte, zu spekulieren.

An den Start geht die Story mit Aufnahmen der islamistischen Terroristen in ihrem Hotelzimmer, wo sie inbrünstig aus dem Koran zitieren. Abgesehen von dem melancholisch unheilkündenden Score skizziert Greengrass in Folge einen scheinbar ganz normalen Tag im Luftverkehr: einerseits das organisierte Chaos in den Kontrolltürmen, andererseits den Flughafen-Alltag von Passagiere und Crew. Ihre Gespräche sind so unaufregend wie die sich aus weitgehend unbekannten Gesichtern zusammensetzende Besetzung unauffällig ist. Damit wird unterstrichen, dass es sich bei den heroischen Passagieren, die selbstlos die Selbstmordmission der Terroristen vereitelten, um ganz normale Bürger in außergewöhnlichen Umständen handelte. Dabei wird man nicht mit den einzelnen Figuren vertraut gemacht, sondern mitten in die brenzlige Situation hineinversetzt. Dies wird mit den Reaktionen der Luftfahrtsbehörden und dem Militär, die von Unglauben über Schock und Entsetzen hin zu Frustration reichen, gegengeschnitten. Wie zuletzt in "Die Bourne Verschwörung" kommt Greengrass' Stil mit handgehaltener Kamera, schnellen Schwenks, häufigem Zooming, verwackelten Bildern und rapidem Schnitt zum Einsatz. So haucht er den Szenen ein Maximum an Realitätsnähe und Dringlichkeit ein. Da die tragischen Ereignisse hinlänglich bekannt sind, faszinieren insbesondere die interpretierten letzten 20 Minuten an Bord, als die mit der Ausweglosigkeit der Situation konfrontierten Passagiere beschließen, sich zu wehren. Allein dadurch ist "Flug 93" unabhängig von einzelnen Zuschauerreaktionen ein unter die Haut gehendes Kinoerlebnis. ara.

Quelle: Blickpunkt:Film

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Verleih UIP
O-Titel United 93
Alternativ-/Arbeitstitel Flight 93
Land / Jahr USA/Großbritannien/Frankreich 2006
Kategorie Spielfilm
Genre Drama
Produktionsfirmen Working Title/Universal Pictures/Kimmel Entertainment
Drehort Pinewood Studios, UK, USA
Drehzeit 14.11.2005
Kinostart 01.06.2006
Laufzeit 110
FSK ab 12 Jahre
FBW-Prädikat Besonders wertvoll
Einspielergebnis D € 1.596.706
Bes. (EDI) 247.383
Bes. (FFA) 257.434
Charthistory
USA-Start 28.04.2006, bei Universal
Boxoffice USA $ 31.471.430
Filmtrailer Video
Web-Link http://www.flug93-film.de
nach oben Cast & Crew
Produzenten Tim Bevan, Eric Fellner, Lloyd Levin
Ausf. Produzenten Debra Hayward, Liza Chasin
Regie Paul Greengrass
Drehbuch Paul Greengrass
Darsteller Khalid Abdalla (Ziad Jarrah), Lewis Alsamari (Saeed Al Ghamdi), Omar Berdouni (Ahmed Al Haznawi), Jamie Harding (Ahmed Al Nami), J.J. Johnson (Captain Jason Dahl), Gary Commock (Erster Offizier LeRoy Homer), Polly Adams (Deborah Welsh), Opal Alladin (CeeCee Lyles), Starla Benford (Wanda Anita Green), Trish Gates (Sandra Bradshaw), Nancy McDoniel (Lorraine G. Bay), David Alan Basche (Todd Beamer), Richard Bekins (William Joseph Cashman), Susan Blommaert (Jane Folger), Ray Charleson (Joseph DeLuca), Christian Clemenson (Thomas E. Burnett, Jr.), Denny Dillon (Colleen Fraser), Cheyenne Jackson (Mark Bingham), Peter Marinker (Andrew Garcia)
Kamera Barry Ackroyd
Schnitt Clare Douglas, Richard Pearson, Christopher Rouse
Produktionsdesign Dominic Watkins
Kostüme Dinah Collin
Casting John Hubbard, Daniel Hubbard, Amanda Mackey Johnson
nach oben Filmpreise
Preis / Veranstaltung Jahr, Ort, am - von/bis Kategorie Person
60. British Academy Awards   2007, London, 11.02.2007 Beste Regie (David Lean Award) Paul Greengrass
60. British Academy Awards   2007, London, 11.02.2007 Bester Schnitt Clare Douglas, Richard Pearson, Christopher Rouse
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
Flug 93 Universal Pictures Germany Blu-ray Disc, ab 12, 110 Min. Kauf
Flug 93 Universal Pictures Germany DVD, ab 12, 106 Min. Kauf
Flug 93 Universal Pictures Germany DVD, ab 12, 106 Min. Leih
nach oben Soundtrack
Art Interpret Komponist Titel
Soundtrack/Original Score John Powell Flug 93/United 93 Nicht lieferbar
nach oben VideoMarkt-Inhalt/Kritik

Am 11. September 2001 startet um 8 Uhr 42 Flug United 93 von New York in Richtung San Francisco. An Bord befinden sich 44 Menschen, darunter auch vier Terroristen, die die Maschine kurz nach dem Start in ihre Gewalt bringen. Als die Passagiere nach und nach mitbekommen, dass andere entführte Flugzeuge ins World Trade Center und ins Pentagon eingeschlagen sind, handeln sie und erreichen zumindest, dass die Maschine ihr geplantes Ziel verfehlt. Um 10 Uhr 10 stürzt das Flugzeug in einem Waldstück in Pennsylvania ab.

Fünf Jahre nach den Ereignissen von 9/11 ist die filmische Aufarbeitung des großen amerikanischen Traumas in vollem Gange. Der irische Regisseur Paul Greengrass ("Die Bourne Verschwörung") hat für seine Version umfangreiche Recherchen angestellt und anhand dieser Informationen die letzten Stunden an Bord minuziös nachgestellt. Heraus kam ein düsteres, stocknüchternes und über alle Sensationslust erhabenes Doku-Drama, das gerade durch seine Schlichtheit erschreckende Wirkung erzielt.

Quelle: mediabiz.de

nach oben FBW-Gutachten

Prädikat: Besonders wertvoll"Es ist der richtige Film", hieß es in der FBW-Jury bei der Diskussion. Während die Welt am 11. September 2001 gebannt den Ereignissen um das World Trade Center in New York folgte und eher beiläufig Notiz vom Absturz eines weiteren entführten Flugzeuges in das Pentagon nahm, war das Schicksal der Menschen in der an diesem Tag entführten vierten Maschine nur noch Randnotizen wert. Die Passagiere an Bord von Flug 93, einer United Airlines-Maschine, hatten aus Telefongesprächen von den Ereignissen um die anderen entführten Flugzeuge erfahren und konnten mit ihrem Widerstand gegen die Terroristen an Bord einen Absturz zwar nicht abwenden, mit dem Einsatz ihres Lebens aber eine noch größere Katastrophe verhindern. Flug 93 hatte das Capitol in Washington angesteuert, sozusagen Herz der Demokratie in den USA.

So nüchtern wie die Medien von den Ereignissen um Flug 93 berichteten, so unspektakulär hat Regisseur Paul Greengrass nun fünf Jahre nach dem Schreckenstag diesen Film gestaltet. Dies muss ihm hoch angerechnet werden. Sein Film verzichtet auf allen Hollywood-Schnickschnack, etwa auf sentimentale Geschichten um die Passagiere, die hilflosen Fluglotsen in den Luftkontrollzentren oder die zögernden Militärs. Er schafft keine Helden und macht aus den Terroristen keine Bösewichte. Ja, er verzichtet sogar auf sonst die bei Katastrophenfilmen übliche Dramaturgie. Fast dokumentarisch zeichnet er die Ereignisse um Flug 93 nach, so banal und nüchtern wie der Alltag in den Flugleitzentren, im Flughafen und an Bord eines Flugzeuges vor sich geht. Bis das Chaos hereinbricht...

"Flug 93" verzichtet auf bekannte Gesichter in der Besetzung. Die Darsteller spielen ihre Rollen absolut angemessen und ohne jegliche Überzeichnung. Eine perfekte Leistung muss man der Montage bescheinigen, die überaus geschickt und dabei unauffällig die vielen beteiligten Schauplätze präzise verbindet. (...) Auch die Kamera ordnet sich ganz der sachlich-nüchternen Inszenierung unter, wobei die letzte Sequenz an Bord des Flugzeuges eine Meisterleistung der Handkamera bietet. Keines der filmischen Mittel aber wird hier Selbstzweck, der Film geht äußerst verantwortlich und sensibel mit seinem Inhalt um.

In all seiner unspektakulären Machart ist dieser intensive Film auch ein Mahnmal für die Ohnmacht der Menschen, wenn sie dem Terrorismus ausgesetzt sind. Und: Der Zuschauer, dem die Ereignisse des
11. September 2001 hinlänglich bekannt sind, wird durch diesen Film doch in atemloser Spannung gehalten und auch mit der Verzweiflung und Ohnmacht von "damals" konfrontiert. Dies ist ein Film, der nachhallt - und an dem sich all die künftigen Filme zu diesem Themenkomplex messen lassen müssen.

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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