Die Verlegerin

In Steven Spielbergs Hohelied auf die Pressefreiheit glänzen Meryl Streep und Tom Hanks als ungleiches dynamisches Duo, das der Washington Post durch die mutige Veröffentlichung der Pentagon Papers zu Renommee verhilft.

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(Bild: Universal)
Verleih Universal
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, USA 2017
Regie Steven Spielberg
Darsteller Meryl Streep, Tom Hanks, Sarah Paulson
Kinostart 22.02.2018
Einspielergebnis D € 9.526.578
Bes. (EDI) 1.118.923
Bes. (FFA) 1.052.271
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Boxoffice USA $ 81.835.084
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nach oben Ausführliche Besprechung

In Steven Spielbergs Hohelied auf die Pressefreiheit glänzen Meryl Streep und Tom Hanks als ungleiches dynamisches Duo, das der Washington Post durch die mutige Veröffentlichung der Pentagon Papers zu Renommee verhilft.

Steven Spielberg erzählt die wahre Geschichte von der Aufdeckung eines der größten Politskandale in den USA, wie die Washington Post dem Beispiel der New York Times folgt und trotz drohender Klage die Pentagon Papers veröffentlicht, in denen vier US-Regierungen der Lüge über den Vietnamkrieg überführt werden. Er konzentriert sich dabei auf zwei ungleiche Entscheidungsträger der Zeitung, die damals noch nicht die überregionale Bedeutung der Times hatte, den umtriebigen, risikofreudigen Vollblutjournalisten und Chefredakteur Ben Bradlee und die vorsichtige, zu Anfang unsichere Verlegerin Kay Graham, die ihren Job von ihrem Mann geerbt hat und schließlich größten Mut beweist. Spielberg besetzte sie mit seinem aktuellen Lieblingsschauspieler Tom Hanks - es ist ihre fünfte Zusammenarbeit - und Meryl Streep. Beide Stars rufen hier ihr gewohnt souveränes Können ab, fügen sich aber ins hervorragende Ensemble ein, zu dem auch "Better Call Saul"-Star Bob Odenkirk als Journalist oder Bruce Greenwood als unter Beschuss geratener Verteidigungsminister gehören. Spielberg nutzt den Spionagethriller als Muster. Wie in seinem "Bridge of Spies - Der Unterhändler" oder auch in Oliver Stones' "Snowden" werden hier Informationen heimlich gesammelt und übergeben. Aus heutiger Sicht wirkt es komisch, wie kistenweise Kopien auf einem eigenen Flugzeug-Sitz mitfliegen und an Münztelefonen telefoniert wird. Die Spionage-Elemente sorgen aber vor allem für zusätzliche Spannung und Dynamik in einer Handlung, die zu großen Teilen aus pointierten Diskussionen besteht, sei es im Newsroom oder bei der Titelheldin im prunkvollen zu Hause. Im Kern geht es um den inneren, moralischen Kampf, sich für die Veröffentlichung zu entscheiden. Spielberg schildert dabei auch eindrücklich, wie schwer es für Kay ist, sich in der Männer-dominierten Medien- und Politbranche durch zu setzen, überhaupt respektiert zu werden. So hebt sich "Die Verlegerin" von Klassiker "Die Unbestechlichen" ab, der mehr Politthriller ist, oder dem jüngeren Journalistendrama "Spotlight", in dem mehr die hartnäckige und langwierige Recherche im Mittelpunkt steht. Die in Die Unbestechlichen thematisierte Watergate-Affäre, die nur ein Jahr später nach den in Die Verlegerin geschilderten Ereignissen wieder von Post-Journalisten ins Rollen gebracht wird, wird am Ende angerissen. So fungiert "Die Verlegerin" quasi als ein gediegeneres Prequel, in dem Spielberg die Medien als vierte Gewalt feiert. hai.

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Verleih Universal
O-Titel The Post
Alternativ-/Arbeitstitel The Pentagon Papers
Land / Jahr USA 2017
Kategorie Spielfilm
Genre Drama / Thriller
Kinostart 22.02.2018
Laufzeit 117
FSK ab 6 Jahre
FBW-Prädikat Besonders wertvoll
Einspielergebnis D € 9.526.578
Bes. (EDI) 1.118.923
Bes. (FFA) 1.052.271
Charthistory
USA-Start 22.12.2017, bei 20th Century Fox
Boxoffice USA $ 81.835.084
Filmtrailer Video
Web-Link http://upig.de/micro/die-verlegerin
nach oben Cast & Crew
Produzenten Kristie Macosko-Krieger, Amy Pascal, Steven Spielberg
Koproduzenten Liz Hannah, Rachel O'Connor
Ausf. Produzenten Thomas F. Karnowski, Josh Singer, Adam Somner, Tim White, Trevor White
Regie Steven Spielberg
Drehbuch Liz Hannah, Josh Singer
Darsteller Meryl Streep (Kay Graham), Tom Hanks (Ben Bradlee), Sarah Paulson (Tony Bradlee), Bob Odenkirk, Tracy Letts, Bradley Whitford, Bruce Greenwood, Matthew Rhys, Alison Brie, Carrie Coon, Jesse Plemons, David Cross, Zach Woods, Pat Healy
Kamera Janusz Kaminski
Schnitt Sarah Broshar, Michael Kahn
Musik John Williams
Produktionsdesign Rick Carter
Kostüme Ann Roth
Casting Ellen Lewis
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
Die Verlegerin Universal Pictures Germany DVD, ab 6, 112 Min. Kauf
Die Verlegerin Universal Pictures Germany Blu-ray Disc, ab 6, 117 Min. Kauf
Die Verlegerin Universal Pictures Germany DVD, ab 6, 112 Min. Leih
Die Verlegerin Universal Pictures Germany Blu-ray Disc, ab 6, 117 Min. Leih
nach oben VideoMarkt-Inhalt/Kritik

Militäranalytiker Daniel Ellsberg sammelt geheime Dokumente und stellt sie als Pentagon Papers der Presse zur Verfügung. Kay Graham hat gerade erst die Washington Post von ihrem verstorbenen Mann übernommen, als ihr Redaktionsleiter Ben Bradlee sie darüber informiert, dass die New York Times ihrem Blatt mit der Veröffentlichung zuvor kommen wird. Allerdings liegen nur der Post die kompletten Papiere vor. Gegen den Druck der Regierung kämpft Kay Graham um die Veröffentlichung.

Eine berühmte Episode aus der bewegten Geschichte der Washington Post nutzt Steven Spielberg für einen brillanten Pressethriller, in dem er mit Tom Hanks und Meryl Streep auf zwei der besten amerikanischen Schauspieler zurückgreifen kann. Gemeinsam mit einem wunderbaren Ensemble entfaltet sich klug die spannende Handlung, die zwar eine Episode aus den frühen Siebzigerjahren erzählt, aber doch überdeutlich eine Allegorie ist für aktuelle Ereignisse in Washington.

Quelle: mediabiz.de

nach oben Zusammenfassung

Gegen den Widerstand der Regierung kämpft die neue Verlegerin der Washington Post um die Veröffentlichung der Pentagon Papers. Pressethriller nach wahren Begebenheiten, in dem Tom Hanks und Meryl Streep unter Regie von Steven Spielberg zu Hochform auflaufen.

nach oben FBW-Gutachten

Prädikat: Besonders wertvollKurztext:

Meisterregisseur Steven Spielberg erzählt die Geschichte von Katherine "Kay" Graham, die sich als Verlegerin der Washington Post im Jahr 1971 dem Kampf um die Pressefreiheit stellt.

Nach dem Tod ihres Mannes übernimmt Katherine "Kay" Graham den Posten als Verlegerin der Washington Post, was ihr durch den männerdominierten Vorstand nicht leicht gemacht wird. Dennoch will sie teilhaben am Leben in der Redaktion und tauscht sich regelmäßig mit Ben Bradlee aus, dem Chefredakteur. Als im Sommer 1971 der Presse geheime Papiere aus dem Pentagon zugespielt werden, die die gezielte Desinformation der US-amerikanischen Öffentlichkeit in Bezug auf den Vietnamkrieg aufdecken, befindet sich Kay im Zwiespalt. Der Vorstand macht ihr klar, dass es wirtschaftlich negative Folgen haben könnte, sich gegen die Regierung zu stellen. Außerdem hält Kay freundschaftliche Beziehungen zu Menschen, die in den Papieren belastet werden. Doch Bradlee beschwört Kay, dass es Pflicht der Presse sei, die Wahrheit zu drucken. Und dass eine freie Presse sich auch von der Regierung nicht erpressen lässt. Die Veröffentlichung der "Pentagon Papiere" in der New York Times und der Washington Post sorgte im Sommer 1971 für Aufruhr im Weißen Haus. Der anschließende Prozess, der zugunsten der Zeitungen endete, gilt als Meilenstein in Belangen der Pressefreiheit. Vor diesem historischen Hintergrund erzählt Steven Spielberg eine hochspannende Geschichte zwischen Thriller und Drama, die auch Parallelen zur aktuellen Debatte um die Unabhängigkeit der Presse aufzeigt. In Meryl Streep und Tom Hanks als Graham und Bradlee findet Spielberg ein sich in allen Belangen ebenbürtiges und ergänzendes Darstellerpaar. Das gemeinsame Ringen um die richtige Lösung ist auch dank glänzender Dialoge ein konstantes Aneinanderreiben, intellektuell hochspannend und dennoch stets mit emotionaler Tiefe. Tom Hanks ist herausragend als Ben Bradlee: dynamisch, entschieden, sturköpfig, hartnäckig. Und Meryl Streep gelingt darstellerisch der emotionale und glaubwürdige Konflikt zwischen der zu lange auferlegten Sanftheit einer Dame der Gesellschaft und der unbeirrbaren Entschlossenheit einer starken Frau. Die hervorragende Kamera bildet diesen inneren Kampf ab, wenn sie Streep umkreist und ihr dabei immer näherkommt. Der Rest des Cast veredelt die großen und kleinen Nebenrollen, Ausstattung, Kostüm und Maske sind durchweg authentisch. Noch dazu gelingt es Spielberg, die elektrisierende Spannung eines Zeitungsbetriebs im Ausnahmezustand unmittelbar spürbar zu machen. DIE VERLEGERIN ist mitreißendes Politdrama und emotionales Darstellerkino zugleich.

Gutachten:

Als Kay Graham 1963 die Verlagsführung der Washington Post erbt, wirkt sie wie eine der vielen Ausnahmen von der Emanzipation ihrer Zeit. Eine Frau, die sich von Männern nicht nur beraten, sondern auch leiten lässt. Das ändert sich, als ihre Zeitung 1971 in den Besitz der "Pentagon-Papiere" gerät, die über die wahren Hintergründe des Krieges der USA in Vietnam aufklären. Nun bietet Kay Graham der US-Regierung die Stirn, und entscheidet sich, die Story zu den Papieren zu veröffentlichen, auch wenn sie damit ihre Zeitung und sogar ihre Freiheit riskiert, denn die US-Regierung setzt alles daran, die Geschichte zu vertuschen.
In einer Zeit, in der sich Medien sowohl von der Quote, als auch, wie sich besonders in den USA wieder zeigt, von Einschüchterungsversuchen von Regierungsseite beeindrucken lassen, erscheint DIE VERLEGERIN wie ein wohltuender Blick zurück auf journalistische Tugenden. Steven Spielberg hat mit seiner neuesten Regiearbeit einen, im positivsten Sinne konventionellen, guten alten Film gedreht, der konsequent 35mm-Technik nutzt und nicht nur damit an Filme wie DIE UNBESTECHLICHEN erinnert.
Mit Meryl Streep in der Titelrolle ist DIE VERLEGERIN zudem hervorragend besetzt. Streep verkörpert mit jeder Faser ihres Körpers eine Frau, die sich zunächst in das 1970er Jahre-Rollenverständnis einer Frau fügt und nicht traut zu sein, wozu sie sich eigentlich berufen fühlt. Sie versucht die Zeitung zu retten, indem sie dem Rat ihres Finanzmanagers Fritz folgt und die Zeitung an die Börse bringt. Spielberg lässt Graham zunächst konsequent blass hinter die Aktivitäten von Bänkern zurücktreten. Dazu versteckt sich auch hinter dem von Tom Hanks gespielten Washington Post-Chefredakteurs Ben Bradlee. Als Vollblutjournalist ist der nicht nur auf der beständigen Suche nach einer guten Story, sondern steht auch im dauernden Konkurrenzkampf zur New York Times. Ein Charakter, den Hanks hervorragend zu verkörpern weiß.
Die emanzipatorische Geschichte Grahams unterstützt der Film inszenatorisch, indem er seine Zuschauer anfangs mit einer Fülle von Informationen "übergießt". Namen, Daten, Fakten fliegen förmlich über die Leinwand, Dialoge werden akustisch so wenig aufgelöst, dass die Zuschauer gleich der Verlegerin das Gefühl bekommen, fehl am Platz zu sein. Immerhin ist sie nur in ihrer Position, weil ihr verstorbener Mann diese hinterlassen hatte, wie ihr immer wieder deutlich gemacht wird. Doch je weiter Spielberg den Plot vorantreibt, desto mehr arbeitet er die Details in Dialogen und Handlungen heraus und stellt auch dadurch die Verlegerin Graham als eigentlich handelnde Person vor.
Der Höhepunkt des Films ist erreicht, wenn Grahams Reporter hochtourig um die Informationen aus den Pentagon-Papers ringen und Graham gleichzeitig von Geldgebern, Anwälten und Vorständen belagert wird, die ihr empfehlen, sich nicht mit der Regierung anzulegen. Spielberg inszeniert Politik und Wirtschaft so spannend wie einen Thriller. Auch wenn DIE VERLEGERIN ein sehr "erwachsener" und damit reifer Film ist, hat er die Jury vom ersten Moment an emotional gefesselt. Mit hervorragendem Licht, perfekter Kamera und überragendem Score bringt Spielberg einen großen Moment der Emanzipation auf die Leinwand. Die Jury hat aber auch goutiert, dass Spielberg in seinem Vollblutdrama dem Publikum immer wieder auch ruhige und bisweilen geradezu heitere Momente der Entspannung spendiert. So etwa, wenn Bradlees Tochter Limonade an die Post-Journalisten verkauft oder wenn einer aus seinem Team beim Telefonieren, in Slapstick-Manier, Münzen verliert. Doch nichtsdestotrotz gehen auch diese vergnüglichen Sequenzen sogleich wieder in atemberaubende Spannung über. DIE VERLEGERIN handelt sowohl von der Wichtigkeit einer unabhängigen Presse wie auch von der Rolle, die Frauen bisweilen noch heute in der Wirtschaft zugestanden wird. Zwei unterschiedliche Storys, doch gleichsam stark erzählt und erstklassig inszeniert. Schauspiel, Licht, Ton, Schnitt, Kamera und auch Inhalt: Spielbergs Drama ist bis ins Detail stimmig und so kann die Jury dem Film eigentlich nur zum Vorwurf machen, dass sie einfach in allen Belangen mit ihm einverstanden ist. Ein Vorwurf, der sicherlich zu ertragen sein wird.

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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