Die Verführten

Ein verletzter Soldat stellt die Ordnung in einer Mädchenschule während des Bürgerkriegs auf den Kopf. Raffinierte Verfilmung des Romans von Thomas Cullinam, der 1971 bereits von Don Siegel adaptiert worden war.

Die Verführten Großansicht
(Bild: Universal)
Verleih Universal
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, USA 2017
Regie Sofia Coppola
Darsteller Colin Farrell, Elle Fanning, Kirsten Dunst
Kinostart 29.06.2017
Einspielergebnis D € 809.024
Bes. (EDI) 99.891
Bes. (FFA) 98.130
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Boxoffice USA $ 10.542.504
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Filmtrailer Video

nach oben Ausführliche Besprechung

Sofia Coppola meldet sich 2017 zurück in Cannes mit einem Film, der auf den ersten Blick kaum weiter entfernt sein könnte von ihrer letzten Regiearbeit, "The Bling Ring", der vier Jahre zuvor in Un Certain Regard gelaufen war. "Die Verführten" spielt in den Südstaaten im Bürgerkriegsjahr 1864, "The Bling Ring" war im Los Angeles der Gegenwart angesiedelt. Und doch erkennt man unschwer eine Seelenverwandtschaft zwischen der Gang von High-Society-Gelegenheitsdiebinnen und den verbliebenen Bewohnern einer Mädchenschule, die isoliert von der Außenwelt darauf warten, dass der nicht weit entfernte Lärm der Kanonen endlich verstummt. Wie immer bei Coppola ist das Leben ihrer Frauenfiguren geprägt von Langeweile.

Selbst als in "Die Verführten" eines der Mädchen einen schwer verletzten Nordstaaten-Soldaten, gespielt von Colin Farrell, findet und seine Anwesenheit in der Schule sofort für eine spürbare sexuelle Spannung sorgt, entwickelt sich die Handlung stets aus einer Haltung des gepflegten Ennuis heraus. Was der größte Unterschied zu Don Siegels "Betrogen" von 1971 mit Clint Eastwood ist, die erste Verfilmung des Romans von Thomas Cullinan: Da springt Eastwood schließlich von Bett zu Bett und treibt mit den amourösen Eskapaden einen Keil zwischen die Frauen, was zu seinem Untergang führt. Coppola übt sich dagegen in Zurückhaltung, ihr Film ist mehr Southern Gothic, wie ihn sich eine Jacqueline Susann ausdenken hätte können, und weniger "Black Narcissus".

Der Wahn von sexueller Repression liegt zwar in der Luft, während die strenge Schulleiterin, ihre prüde Lehrerin und eine aufsässige Schülerin um die Aufmerksamkeit des Fremden kämpfen, aber sie wird überlagert von diesem schwül-schweren Gefühl, zum Nichtstun verdammt zu sein, an dem schon Coppolas Heldinnen in "The Virgin Suicides" und "Marie Antoinette" darbten. Daraus entwickelt sich ein einerseits sehr klassisch erzähltes Drama mit vielen schönen, eleganten Momenten, aber auch ein Film, der nicht so recht zu wissen scheint, warum es ihn überhaupt gibt. Es ist, als würde er sich selbst ein bisschen langweilen, während es doch hinter verschlossenen Türen um Leben und Tod geht. Etwas mehr Leidenschaft, etwas mehr Handfestigkeit hätte man sich doch gewünscht, wenn Nicole Kidman in ihrem vierten Auftritt in Cannes in diesem Jahr klaffende Wunden mit lilafarbenem Seidenfaden näht, Elle Fanning mit Schlafzimmerblick haucht: "Ich hoffe, Ihnen schmeckt mein Apfelkuchen." oder Kirsten Dunst endlich ihre hochgeschlossenen Kleider in den Schrank hängt und etwas Schulter zeigt, als es schon fast zu spät ist. ts.

Quelle: Blickpunkt:Film

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Verleih Universal
O-Titel The Beguiled
Land / Jahr USA 2017
Kategorie Spielfilm
Genre Drama / Western
Kinostart 29.06.2017
Laufzeit 93
FSK ab 12 Jahre
FBW-Prädikat Besonders wertvoll
Einspielergebnis D € 809.024
Bes. (EDI) 99.891
Bes. (FFA) 98.130
Charthistory
USA-Start 30.06.2017, bei Focus Features
Boxoffice USA $ 10.542.504
Filmtrailer Video
Web-Link http://upig.de/micro/die-verfuehrten
nach oben Cast & Crew
Produzenten Roman Coppola, Sofia Coppola, Youree Henley
Ausf. Produzenten Robert Ortiz, Fred Roos, Anne Ross
Regie Sofia Coppola
Drehbuch Sofia Coppola
Buchvorlage Thomas Cullinan
Darsteller Colin Farrell, Elle Fanning, Kirsten Dunst, Nicole Kidman, Angourie Rice, Oona Laurence, Addison Riecke, Wayne Pére, Emma Howard
Kamera Philippe Le Sourd
Schnitt Sarah Flack
Produktionsdesign Anne Ross
Kostüme Stacey Battat
Casting Courtney Sheinin, Nicole Daniels
nach oben Filmpreise
Preis / Veranstaltung Jahr, Ort, am - von/bis Kategorie Person
70. Internationale Filmfestspiele in Cannes
Internationale Filmfestspiele in Cannes Großansicht
2017, Cannes, 28.05.2017 Beste Regie Sofia Coppola
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
Die Verführten Universal Pictures Germany DVD, ab 12, 89 Min. Kauf
Die Verführten Universal Pictures Germany Blu-ray Disc, ab 12, 93 Min. Kauf
Die Verführten Universal Pictures Germany DVD, ab 12, 89 Min. Leih
Die Verführten Universal Pictures Germany Blu-ray Disc, ab 12, 93 Min. Leih
nach oben VideoMarkt-Inhalt/Kritik

Eine der Schülerinnen einer Mädchenschule in den amerikanischen Südstaaten findet mitten während des Bürgerkriegs beim Pilzsuchen im Wald einen schwer verletzten Offzier der Konföderation. Widerwillig nimmt Schulleiterin Miss Martha den Mann in ihrem Haus auf und lässt ihn pflegen. Die Anwesenheit von McBurney erweist sich schon bald als problematisch. Nicht nur Miss Martha scheint auf die Reize des Mannes anzusprechen, sondern auch die verklemmte Lehrerin Edwina und die aufreizende Jugendliche Alicia.

Zweite Verfilmung des Romans "The Beguiled" von Thomas Cullinam, nachdem sich 1971 bereits Don Siegel des Stoffes mit Clint Eastwood in der Hauptrolle angenommen hatte. Sofia Coppola hat nichts essenziell verändert, allerdings hat die Geschichte unter ihrer Regie einen deutlich weiblicheren Blick erhalten. Colin Farrell, Nicole Kidman, Kirsten Dunst und Elle Fanning deklinieren das erotische Wechselspiel bis zum grausamen Ende konsequent durch. Arthouse-Kino, das auch dem Mainstream Spaß machen sollte.

Quelle: mediabiz.de

nach oben FBW-Gutachten

Prädikat: Besonders wertvollKurztext:

Schon der Roman "Axolotl Roadkill" von Helene Hegemann, der im Jahr 2010 die Bestsellerlisten stürmte, provozierte und polarisierte das Publikum. Die Verfilmung unter dem Titel AXOLOTL OVERKILL führt die einzigartige und radikale Stimmung dieses Buchs nahtlos auf der großen Leinwand fort und erzählt die Geschichte einer jungen Frau auf der Schwelle zwischen Kindheit, Jugend und Erwachsensein aus genau dieser Lebensperspektive heraus. Denn "normal" kann ja jeder. In die Schule gehen, Freunde haben, mit der Familie klarkommen. Mifti hat keinen Bock auf "normal". Sie ist 16, findet Schule als Ort des Lernens überbewertet, gibt auf Freunde nicht so viel und lebt mit ihren Halbgeschwistern in einer WG in Berlin, mehr oder minder friedlich. Ihren Vater, der mit seiner dauerumnebelten Lebensgefährtin ganz anti-bourgeois in einem halben Abrisshaus wohnt, besucht sie nur selten, ihre Mutter ist tot. Für Mifti ist die Welt irgendwie egal geworden. Ihre Gedanken schweifen immer wieder zurück zu Alice, der faszinierenden und wesentlich älteren Kunst-Dealerin, mit der sie sich vor Monaten in eine leidenschaftliche Affäre stürzte. Doch auch Alice hat Mifti mit sich selbst allein gelassen. Dann lernt sie die nervlich labile Schauspielerin Ophelia kennen und durchstreift mit ihr das Berliner Nachtleben - Partys, Sex und Drogen inklusive. Wie schon in der Vorlage geht Hegemann auch in ihrem Langfilmdebüt ganz konsequent vor und überlässt der Figur der Mifti die Bühne des Geschehens. Die eigentlichen Erwachsenen um Mifti herum sind allesamt nutzlos als Leitfiguren für Mifti, sie sind schwach, unzuverlässig und lassen Mifti in ihrer Suche nach ihrem Platz im Leben allein. Das Ensemble spielt stark, ob nun Laura Tonke und Julius Feldmeier als Halbgeschwister, Mavie Hörbiger als Ophelia oder Bernard Schütz als überkandidelter Intellektuellenvater. Sie alle kreisen jedoch um Mitfti. Mit großer trotziger Kraft, die förmlich von der Leinwand auf den Zuschauer springt und hinter der eine ebenso große Verletzlichkeit schlummert, verkörpert Jasna Fritzi Bauer dieses Mädchen, das schon lange nicht mehr Kind ist, aber noch mehr eine Erwachsene spielt als eine zu sein. Die Sprache, mit der Hegemann Mifti sprechen lässt, ist deftig, unbequem, aber durchweg klug. Auch die Kamera von Manuel Dacosse umkreist Mifti immer wieder, fast schwerelos verfolgt sie sie. So wirken viele der Sequenzen, die nicht immer einer klaren und eindeutigen Erzähldramaturgie folgen, traumhaft und fast schon surreal, man kann sich als Zuschauer nie sicher sein, wo man sich genau in der Handlung befindet. Dazu trägt auch der stimmige Soundtrack bei, bei dem sich moderner Indie-Pop und klassische Stücke mischen. AXOLOTL OVERKILL ist in seiner unverhohlenen Frechheit, seiner Radikalität und seinem Mut zur unkonventionellen Erzählweise ein herausragendes Beispiel für den neuen jungen deutschen Film. Alles außer gewöhnlich.

Gutachten:

Richmond, Virginia, 1864: Martha Farnsworths Mädchenschule bietet während des tobenden Bürgerkriegs eine sichere Zuflucht vor den Schrecken der Außenwelt. Als in unmittelbarer Nähe ein verletzter Soldat entdeckt und zur Pflege in die Schule gebracht wird, gerät das geregelte Leben der Frauen durch seine Anwesenheit aus den Fugen. Schon nach kurzer Zeit erliegen die Frauen dem Charme des verwundeten Nordstaaten-Offizier John McBurney - Eifersucht und Intrigen vergiften zunehmend das Zusammenleben. Aus Gefühlen erwachsen Sehnsüchte, doch nicht alle Sehnsüchte werden erfüllt. Schon die ersten Bilder von Sofia Coppolas DIE VERFÜHRTEN, der auf dem Roman von Thomas Cullinan basiert, durchzieht eine schwül-sinnliche Stimmung, die im krassen Gegensatz zur strengen Ordnung im Mädchenpensionat steht. Dieser Gegensatz verleiht eine knisternde Spannung, die auch von der exzellent komponierten Bildgestaltung unterstützt wird. Die Kamera von Philippe Le Sourd fängt sowohl die von Mangroven und Nebelschwaden umhangene Südstaatenlandschaft als auch die kammerspielähnlichen Figurenkonstellationen in der Enge des Hauses gekonnt ein und fügt eine wichtige Komponente hinzu. Denn in einem Umfeld, in dem nichts ausgesprochen wird, sagen Blicke mehr als Worte. Auf einen Score verzichtet Coppola, nur der Gesang der Mädchen sorgt in entscheidenden Szenen für Spannung und Atmosphäre. Die Darsteller sind fantastisch in ihren Rollen. Elle Fanning als verführerische Lolita-Figur, Kirsten Dunst als verhärmte Jungfer, die nun endlich ihre Chance auf einen Ausbruch aus der lästigen Pflicht gekommen sieht, und auch Colin Farrell als ambivalent charismatischer Kriegsdeserteur, dessen Absichten immer ein wenig im Unklaren bleiben, sind ideal besetzt. Über allem thront Nicole Kidman als streng reservierte Pensionatsleiterin. Gekonnt changiert sie zwischen Fürsorge, Kalkül, Strenge und Schwäche. Und verleiht damit ihrer Figur etwas faszinierend Dominantes und letzten Endes auch Dämonisches. Obwohl es die männliche Figur ist, die die Situation lange Zeit zu lenken scheint, so sind es doch die weiblichen Charaktere, welche Coppola als starke Individuen zeigt, die sich ihr Schicksal nicht aus der Hand nehmen wollen. Und wenn am Ende die Situation eskaliert und es zu einem überraschend perfiden Ende kommt, dann erscheint das letzte Bild wie eine Mahnung daran, die Stärke und Gemeinschaft der Frauen niemals zu unterschätzen. Sofia Coppolas DIE VERFÜHRTEN ist großartiges Darstellerkino, das stimmungsvoll unterhält und den Zuschauer mit wohligem Schauer entlässt.

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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