Die Invasion der Barbaren

Doppelbödige Tragikomödie, in der sich angesichts des nahenden Tods eines Professors dessen Familie zusammenfindet.

Die Invasion der Barbaren Großansicht
(Bild: Prokino (Fox))
Verleih Prokino (Fox)
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, Kanada, Frankreich 2003
Regie Denys Arcand
Darsteller Rémy Girard, Stéphane Rousseau, Marie-Josée Croze
Kinostart 27.11.2003
Einspielergebnis D € 357.618
Bes. (EDI) 62.016
Bes. (FFA) 75.831
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Boxoffice USA $ 3.120.018
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Selbst am Sterbebett fliegen die Fetzen zwischen dem pensionierten Geschichtsprofessor und seinem Sohn, der als Broker für Luxus im Krankenhaus sorgt, Freunde einfliegen lässt und versucht, dem Vater die letzten Tage erträglich zu machen, inklusive Heroin-Dosis zur Linderung der Schmerzen. Ein letztes Mal plaudert der angereiste Freundeskreis über vergangene Liebschaften, über die kleine und große Politik.

Die in Cannes ausgezeichnete Tragikomödie ist das späte Sequel zu dem skurrilen "Untergang des amerikanischen Imperiums" aus dem Jahr 1986, für den ebenfalls der preisgekrönte franko-kanadische Regisseur Denys Arcand als Autor und Regisseur verantwortlich zeichnet - mit einer brillanten Reflexion über die Irrtümer des Lebens und Liebens, den Zustand der Welt und eine Erinnerung an politische Illusionen.

Quelle: Blickpunkt:Film

nach oben Ausführliche Besprechung

"Der Untergang des amerikanischen Imperiums" geht weiter. 17 Jahre nach seinem Kultfilm begeisterte Denys Arcand das Cannes-Publikum mit der doppelbödigen Fortsetzung "Les invasions barbares", einer Reflexion über die Irrtümer des Lebens und Liebens, den Zustand der Welt und eine Erinnerung an politische Illusionen. Ein Film, der bei weitem mehr verdient hätte als "nur" die Auszeichnung für das Beste Drehbuch und die beste Darstellerin.

Es geht nicht mehr nur um sexuelle Moral oder das Mann-Frau-Verhältnis wie 1986 - die Protagonisten sind älter, wenn auch nicht gerade weiser geworden, plaudern von vergangenen Liebschaften, aktuellem Sex-Defizit, den alltäglichen Zipperlein, von der kleinen und großen Politik. Die heiter-melancholische Geschichte über Freundschaft und Familie, Krankheit und Tod rührt zutiefst, wer am Ende ein Tränchen verdrückt, fühlt sich erleichtert.

Da eilen Ex-Frau, Ex-Geliebte und reicher Sohn an das Krankenbett des Pater Familias, wo trotz körperlicher Pein zwischen dem pensionierten Geschichtsprofessor und dem Filius, der nie ein Buch las und als Broker in London massenhaft Geld scheffelt, die Fetzen fliegen. Immerhin sorgen die Moneten des Yuppie für Luxus im schnell renovierten Einzelzimmer, lässt er Freunde einfliegen und versucht dem Alten die letzten Tage erträglich zu machen, inklusive illegal angekaufter Heroin-Dosis zur Linderung der Schmerzen (Marie-Josée Croze erhielt für ihre Rolle als hilfsbereiter Junkie den Darstellerinnenpreis). Money makes the world go round. Am Ende ist die Angst vor dem Tod zwar nicht überwunden, aber der Schrecken etwas kleiner.

Fast zwei Jahre arbeitete Arcand am Skript, das hat sich gelohnt. Beschwingt und dennoch mit Tiefgang kommt dieses konventionelle aber nichtsdestotrotz unterhaltende Drama daher, betrachtet seine manchmal müden Helden wie unter einem Brennglas. Vor allem die Fokussierung auf den Vater-Sohn-Konflikt überzeugt durch Vielschichtigkeit, der Junge gilt für den Erzeuger als Speerspitze der Barbaren, die die intellektuelle Welt überrennen, mit dem Scheck arbeiten, nicht mit den grauen Zellen. Um so schöner die Versöhnung zwischen den beiden.

Ganz nebenbei kritisiert Arcand Krankenhaus-Bürokratie, starre Gewerkschaften und gehetzte Krankenschwestern mit milder Ironie. Absolute Höhepunkte sind die brillanten Diskussionen zwischen den einstigen Hardcore-Sozialisten (gleiches Cast wie in "Der Untergang des amerikanischen Imperiums") und die Relativierung ihrer Ideologien. Es bereitet ein höchst amüsantes Vergnügen, den feingeschliffenen Dialogen zu lauschen, sich am scharfen Witz und subtilen Humor zu delektieren. Wenn sich die "For ever young"-Generation mit leichter Wehmut über sich selbst lustig macht und die "ismen" durchhechelt, denen sie einst blind folgte - außer dem "Kretinismus" - dann ist das mehr als nur leise Nostalgie. In Kanada brach das feingesponnene Kinostück beim Start alle Kassenrekorde. Bei uns sollte diese angenehme Art der Barbaren das Arthouse-Kino im Flug erobern. mk.

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Verleih Prokino (Fox)
O-Titel Les invasions barbares
Land / Jahr Kanada/Frankreich 2003
Kategorie Spielfilm
Genre Drama / Komödie
Produktionsfirmen Cinémaginaire (CDN)/Pyramide Prods. (F)
Verleihförderung FilmFernsehFonds Bayern (EUR 50.000)
Kinostart 27.11.2003
Laufzeit 99
FSK ab 12 Jahre
Bildformat 35 mm/Cinemascope
Tonformat Dolby-SRD
Einspielergebnis D € 357.618
Bes. (EDI) 62.016
Bes. (FFA) 75.831
Charthistory
USA-Start 20.11.2003, bei Miramax
Boxoffice USA $ 3.120.018
Filmtrailer Video
Web-Link http://www.die-invasion-der-barbaren.de
nach oben Cast & Crew
Produzenten Denise Robert, Daniel Louis
Koproduzenten Fabienne Vonier
Regie Denys Arcand
Drehbuch Denys Arcand
Darsteller Rémy Girard (Rémy), Stéphane Rousseau (Sébastien), Marie-Josée Croze (Nathalie), Marina Hands (Gaëlle), Dorothée Berryman (Louise), Johanne-Marie Tremblay (Schwester Constance), Pierre Curzi (Pierre), Yves Jacques (Claude), Dominique Michel (Dominique), Sophie Lorain (Erste Geliebte), Antonio Cecchinato (Alessandro), Mitsou Gélinas (Ghislaine), Isabelle Blais (Sylvaine), Markita Boies (Suzanne), Micheline Lanctôt (Carole), Denis Bouchard (Duhamel), Sylvie Drapeau (Zweite Geliebte), Jean-Marc Parent (Gewerkschaftssprecher), Dominic Darceuil (Maxime), Yves Desgagnés (Oleg), Gilles Pelletier (Leclerc), Jean-René Ouellet (Arzt), Lise Roy (Mrs. Joncas Pelletier), Macha Grenon (Arielle), Gaston Lepage (Aufseher), Daniel Brière (Alain), Sébastien Huberdeau (Vincent), Rose-Maité Erkoreka (Gabrielle), Roy Dupuis (Levac)
Kamera Guy Dufaux
Schnitt Isabelle Dedieu
Musik Pierre Aviat
Produktionsdesign François Séguin
Ton Patrick Rousseau, Marie-Claude Gagné, Michel Descombes, Gavin Fernandes
Kostüme Denis Sperdouklis
Casting Lucie Robitaille
nach oben Filmpreise
Preis / Veranstaltung Jahr, Ort, am - von/bis Kategorie Person
56. Internationale Filmfestspiele in Cannes
Internationale Filmfestspiele in Cannes Großansicht
2003, Cannes, 14.05.2003 - 25.05.2003 Beste Darstellerin Marie-Josée Croze
56. Internationale Filmfestspiele in Cannes
Internationale Filmfestspiele in Cannes Großansicht
2003, Cannes, 14.05.2003 - 25.05.2003 Bestes Drehbuch Denys Arcand
76. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Oscar-Verleihung - Academy Awards Großansicht
2003, Los Angeles, 29.02.2004 Bester fremdsprachiger Film  
16. Europäischer Filmpreis
Europäischer Filmpreis Großansicht
2003, Berlin, 06.12.2003 European Film Academy Nicht-Europäischer Film 2003  
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
Die Invasion der Barbaren Universal Pictures Germany DVD, ab 12, 95 Min. Kauf
Die Invasion der Barbaren Universal Pictures Germany DVD, ab 12, 95 Min. Leih
nach oben VideoMarkt-Inhalt/Kritik

Weil der ehemalige Geschichtsprofessor und Sozialist Rémy demnächst den Folgen seiner Krankheit erliegen wird, eilen der ignorante Yuppie-Sohn Sébastien sowie die Exfrau und die Exgeliebte an sein Krankenbett. Sébastien, vom Vater "Prinz der Barbaren" genannt, zieht sich ob seines kapitalistischen Lebenswandels zwar täglich des Vaters Schimpftiraden zu, ermöglicht Rémy jedoch durch die Beschaffung einer täglichen Heroin-Dosis und anderer Annehmlichkeiten einen entspannten Abgang.

17 Jahre nach dem Meisterwerk "Der Untergang des amerikanischen Imperiums" versammelt der kanadische Filmemacher Denys Arcand seine damaligen Helden erneut vor der Kamera - und erhielt prompt den Auslands-Oscar 2003 und zahlreiche weitere Auszeichnungen. Seine Helden erweisen sich als zwar alternde, dennoch überaus virile Herrschaften, die in der zwerchfellerschütternden und dennoch todtraurigen Familienfabel Weltgeschichte im Kleinformat repräsentieren. Ein heißer Tipp für Cineasten mit Humor und Köpfchen.

Quelle: mediabiz.de

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