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Die Geschichte vom Brandner Kaspar

Joseph Vilsmaiers Verfilmung des klassischen Stoffs nach einer Kurzgeschichte von Franz von Kobell, in dem der Brandner Kaspar den Boanlkramer in ein Kartenspiel verwickelt, um eine längere Lebenszeit herauszuschlagen.

Die Geschichte vom Brandner Kaspar Großansicht
(Bild: Concorde)
Verleih Concorde
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, Deutschland 2008
Regie Joseph Vilsmaier
Darsteller Franz Xaver Kroetz, Michael Bully Herbig, Lisa Maria Potthoff
Kinostart 16.10.2008
Einspielergebnis D € 6.039.649
Bes. (EDI) 951.331
Bes. (FFA) 970.852
Charthistory
Filmtrailer Video
Erstausstrahlung 28.12.2010 (ARD)

nach oben Inhalt & Info

Der Tegernseer Büchsenmacher Brandner Kaspar hat es faustdick hinter den Ohren und hält sich mit Wilderei in den umliegenden Wäldern über Wasser. Kurz vor seinem 70. Geburtstag steht der Boanlkramer vor der Tür, um den Brandner Kaspar ins Jenseits zu geleiten. Der macht den Tod betrunken und verwickelt ihn in ein Kartenspiel, um weitere 20 Lebensjahre herauszuschlagen. Der Brandner Kaspar gewinnt, muss aber schon bald feststellen, dass ein Mehr an Leben nicht unbedingt ein Mehr an Glück bedeutet.

Mit der dritten Verfilmung der Kurzgeschichte von Franz von Kobell - nach Joseph von Bakys Kinofilm von 1949 und Kurt Wilhelms Fernsehfassung von 1975 - nimmt sich Joseph Vilsmaier eines klassischen bayerischen Stoffes an, der sich auf spielerische Weise mit der Angst vor dem Sterben beschäftigt. Mit Franz Xaver Kroetz in seiner ersten Kinorolle seit mehr als 25 Jahren in der Titelrolle und Michael Bully Herbig als Boanlkramer gelangen zwei Besetzungscoups: Die beiden Stars stellen sicher, dass sowohl das dramatische wie auch komische Potenzial voll ausgeschöpft werden.

Quelle: Blickpunkt:Film

nach oben Ausführliche Besprechung

Joseph Vilsmaier verfilmt das populäre deutsche Volksstück vom "Brandner Kaspar" mit Franz Xaver Kroetz als gewitztem Wilderer, der den "Boanlkramer" Michael Bully Herbig überlistet.

Als kleiner Junge nahm ihn sein Vater, Fahrer bei der Bavaria, 1949 mit nach Berchtesgaden zu den Dreharbeiten des Brandner Kaspar mit Paul Hörbiger und Carl Wery. Knapp 60 Jahre später erfüllt sich Joseph Vilsmaiers größter Wunsch, wenn er nach der Geschichte von Franz von Kobell vom Büchsenmacher erzählt, der selbst mit 69 im Tegernseer Tal noch heftig wildert, auch wenn darauf Gefängnis steht. Mit seiner Enkelin Nannerl und dem Knecht Toni lebt der Witwer auf seinem Hof und legt sich gerne mit der Obrigkeit an, vor allem mit dem reichsten Bauern und Bürgermeister der Gemeinde, dem er Geld schuldet und der ihm nur allzu gern das Haus abluchsen möchte. Aber Brandner hat vor nix und niemandem Angst. Bis eines Nachts Gevatter Tod auftaucht und ihn in die ewigen Jagdgründe entführen will. Erst fährt ihm der Schrecken in die maroden Knochen, dann füllt er den "Boanlkramer" mit hochprozentigem Kirschschnaps ab und betrügt den Trunkenen beim Kartenspiel mit einem Trick, erschwindelt sich weitere 21 Lebensjahre. Der Bote aus dem Jenseits darf ihn erst an seinem 90. Geburtstag abholen. Doch das Schicksal zeigt ihm die Rote Karte.

Deftig geht es zu in diesem Schwank, bei dem Jörg Hube als Petrus im Paradies mit Bier, Brezn und Leder behosten Engeln das Zepter schwingt. Ein kleines Oktoberfest. Beim Probegucken bleibt der Brandner Kaspar gleich da, trifft er doch alle seine Lieben wieder, auch das inzwischen gestorbene Nannerl. Sogar das Fegefeuer wird ihm erlassen. Vilsmaier spielt bei der dritten Verfilmung der Volkslegende mit Lust auf der Klaviatur naiver Filmkunst, die Figuren sind klar definiert, böse oder gut, durchtrieben oder dämlich. Franz Xaver Kroetz mimt nach 27jähriger Leinwandabstinenz den schlitzohrigen Sturkopf als "gscherten und gscheiten Bayern" sensationell gut, Michael "Bully" Herbig den Tod in schwarzer Kutte und Maske harmlos-herzlich mit viel Komik-Potenzial, Detlev Buck den preussischen General a.D. mit schnarrendem Ton und Sympathie. Unschlagbar als Darsteller die wuchtigen Berg-Panoramen in den Dolomiten und der Benediktenwand im Voralpenland, vor deren majestätischer Kulisse die Handlung abläuft. Im bewussten Gegensatz dazu die im Studio gedrehten Szenen im Himmel der Bayern von reizender Einfachheit und dazu passenden Spezialeffekten, populäres Volkstheater auf der Leinwand aus einer Mischung von Traditionsbewusstsein, Chuzpe und Modernität. Ob es im "bayerischen Halloween-Film" allerdings "Boandlkramer" statt "Boanlkramer" heißen müsste, daran scheiden sich die Geister. Spaß macht's trotzdem. mk.

Quelle: Blickpunkt:Film

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nach oben Film-/Kino-Daten
Verleih Concorde
O-Titel Die Geschichte vom Brandner Kaspar
Alternativ-/Arbeitstitel Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben (AT)
Land / Jahr Deutschland 2008
Kategorie Spielfilm
Genre Komödie
Produktionsfirmen Perathon Medien, Clasart Film
Förderung DFFF - Deutscher Filmförderfonds (EUR 658.519)
Produktionsförderung FilmFernsehFonds Bayern (EUR 700.000),
FFA - Filmförderungsanstalt (EUR 400.000)
Verleihförderung FilmFernsehFonds Bayern (EUR 200.000),
Bayerischer Bankenfonds (BBF) (EUR 200.000)
Drehzeit 08.10.2007
Kinostart 16.10.2008
Laufzeit 100
FSK ab 6 Jahre
FBW-Prädikat Besonders wertvoll
Einspielergebnis D € 6.039.649
Bes. (EDI) 951.331
Bes. (FFA) 970.852
Charthistory
Filmtrailer Video
Web-Link http://www.brandnerkaspar-derfilm.de
nach oben Cast & Crew
Produzenten Joseph Vilsmaier, Markus Zimmer
Regie Joseph Vilsmaier
Drehbuch Klaus Richter
Buchvorlage Kurt Wilhelm
Darsteller Franz Xaver Kroetz (Brandner Kaspar), Michael Bully Herbig (Boanlkramer), Lisa Maria Potthoff (Nannerl), Peter Ketnath (Toni), Sebastian Bezzel (Fonse), Alexander Held (Kugler Alois), Jürgen Tonkel (Girgl), Detlev Buck (Karl Wilhelm von Zieten), Herbert Knaup (Erzengel Michael), Jörg Hube (Petrus), Elisabeth Trissenaar (Theres)
Kamera Joseph Vilsmaier
Schnitt Uli Schön
Musik Christian Heyne
Produktionsdesign Anton Gerg
Ton Eckhard Kuchenbecker, Heiko Müller (Sounddesign)
Kostüme Gudrun Schretzmeier
Maske Heiner Niehues, Georg Korpas
Effekte Christoph Hierl
Herstellungsleitung Ralf Zimmermann
nach oben Filmpreise
Preis / Veranstaltung Jahr, Ort, am - von/bis Kategorie Person
30. Bayerischer Filmpreis
Bayerischer Filmpreis Großansicht
2008, München, 16.01.2009 Sonderpreis der Jury Franz Xaver Kroetz, Michael Bully Herbig
Bogey - Box Office Germany Award
Bogey - Box Office Germany Award Großansicht
2008, München 1000 Besucher pro Kopie am Startwochenende  
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
Die Geschichte vom Brandner Kaspar (2 DVDs) EuroVideo Medien DVD, ab 6, 96 Min. Kauf
Die Geschichte vom Brandner Kaspar EuroVideo Medien Blu-ray Disc, ab 6, 100 Min. Kauf
Die Geschichte vom Brandner Kaspar EuroVideo Medien Blu-ray Disc, ab 6, 100 Min. Leih
Die Geschichte vom Brandner Kaspar EuroVideo Medien DVD, ab 6, 96 Min. Leih
Enthalten in:
Bavaria - Traumreise durch Bayern / Die Geschichte vom Brandner Kaspar (Limitierte Geschenkedition, 2 Discs)Bavaria - Traumreise durch Bayern / Die Geschichte vom Brandner Kaspar (Limitierte Geschenkedition, 2 Discs)
EuroVideo Medien GmbH
EuroVideo Medien GmbH
DVD, ab 6, 184 Min.
Blu-ray Disc, ab 6, 191 Min.
Kauf
Kauf
nach oben Soundtrack
Art Interpret Komponist Titel
Soundtrack/Songtrack Diverse Die Geschichte vom Brandner Kaspar
nach oben VideoMarkt-Inhalt/Kritik

Der Tegernseer Büchsenmacher Brandner Kaspar hat es faustdick hinter den Ohren und hält sich mit Wilderei in den umliegenden Wäldern über Wasser. Kurz vor seinem 70. Geburtstag steht der Boanlkramer vor der Tür, um den Brandner Kaspar ins Jenseits zu geleiten. Der macht den Tod betrunken und verwickelt ihn in ein Kartenspiel, um weitere 20 Lebenjahre herauszuschlagen. Der Brandner Kaspar gewinnt, muss aber schon bald feststellen, dass ein mehr an Leben nicht unbedingt ein mehr an Glück bedeuten.

Mit der dritten Verfilmung der Kurzgeschichte von Franz von Kobell nimmt sich Joseph Vilsmaier eines klassischen bayerischen Stoffes an, der sich auf spielerische Weise mit der Angst vor dem Sterben beschäftigt. Mit Franz Xaver Kroetz in seiner ersten Kinorolle seit mehr als 25 Jahren in der Titelrolle und Michael Bully Herbig als Boanlkramer gelangen zwei Besetzungscoups, die sich an der Kinokasse bereits auszahlten: Das Schelmenstück war einer der deutschen Überraschungshits des Kinojahres 2008.

Quelle: mediabiz.de

nach oben FBW-Gutachten

Prädikat: Besonders wertvollKurztext:

Die Geschichte vom Brandner Kaspar ist die Verfilmung des populären bayerischen Volksstücks, in dem der Brandner Kaspar den Tod überlistet und ihm ein Schnippchen schlägt. Herausragend besetzt mit Franz Xaver Kroetz als Kaspar und einem glänzend spielenden Michael Bully Herbig als der Tod, enthält der theaterhaft anmutende Film jede Menge guten Humor und urtümlichen Witz. Dabei schneidet die Verhandlung mit Gevatter Tod auch durchaus tiefgründigere Aspekte an. Vilsmaier hat ein pralles Stück geschaffen mit durchweg urbayerischen teils märchenhaften Bildern, das mit einer gelungenen musikalischen Begleitung eine Stimmung voller Herzenswärme schafft. Ein uriges Kinovergnügen.

Gutachten:

Vilsmaier erzählt das traditionelle bayerische Bühnenstück nach der Kurzgeschichte von Franz von Kobell mit einer fulminanten, komödiantischen Charakterrolle von Michael Bully Herbig grandios gespielt als "Der Tod", hervorragend besetzt mit Franz Xaver Kroetz als Tegernseer Büchsenmacher Brandner Kaspar, der bei Kartenspiel und Schnaps den Tod beschummelt und so weitere 21 Jahre Lebenszeit herausholen kann.

Der Film überrascht mit Anleihen bei Bergmanns Das siebente Siegel und der Inszenierung von der Himmelspforte mit Petrus und dem Erzengel Michael mit dessen Flammenschwert. Besser hätte man es auch von Herbert Achternbusch nicht erwarten können.

Eine anarchistische Satire, die, nicht bösartig, sondern geradezu liebevoll und milde auf die kleinbürgerlichen Vorstellungen vom Übergang ins Jenseits auf eine Versuchsanordnung blickt und wie mit dem Skalpell gezogen die Schwächen von religiöser Selbstgefälligkeit und Heuchelei anschneidet und aufdeckt. Da gibt es auch die unangenehmen Einblicke in den Kellerabgang zur Hölle vor dem Himmelstor mit dem lodernden Flammenmeer des Fegefeuers. Dem Gläubigen wird schmerzhaft vor Augen geführt, dass der Tod keinen Aufstieg in den Himmel garantiert. Erst das "jüngste Gericht" entscheidet über Treppenauf- oder Treppenabgang.

Joseph Vilsmaier serviert uns diesen Schwank mit einem milden und wohlwollenden Lächeln. Diese Geschichte eignet sich auch für die ganze Familie, obwohl oder gerade weil, so ernste Fragen rund um Leben und Tod auf heitere Weise thematisiert werden. Vilsmaier lehrt uns mit dem Stück auf charmante Weise, dass es letztlich auf die Haltung ankommt, die man zum Leben und zum Sterben einnimmt. Man muss kein Selbstmordattentäter sein, um sich mit dem Tod anfreunden zu können, allerdings nur dann, wenn hierfür die Zeit reif ist.

Der Tod hat bisweilen durchaus allzu menschliche Schwächen, ist häufig unzuverlässig, in seiner Arbeit ungenau und kommt nicht selten zur Unzeit. Es ist das Verdienst der zwei großartigen Charakterdarsteller Herbig und Kroetz dem Thema den bitteren Ernst zu entziehen. Aber auch die Nebenrollen glänzen, beispielsweise mit Detlef Buck als preußischem Adeligen, der es auf Brandner Kaspers Hof abgesehen hat. Fast übertroffen wird er von dem macht- und geldhungrigen Bürgermeister, der über Leichen geht und so den Schrecken des Todes im wahren Leben noch übertrumpft.

Obwohl diese folkloristische Satire auf bürgerliche Religions- und Obrigkeitsvorstellungen keine Sekunde ihren Ursprung als bühnenhafte Inszenierung verleugnet, nimmt die Magie des Kinos den Zuschauer von der ersten Sekunde an gefangen, weil die Charaktere glaubwürdig agieren und die Geschichte wahrhaftig herübergebracht wird.

Kinogerechte Bilder von grandiosen Landschaftskulissen der bayerischen Alpen werden untermalt von stimmiger Musik. Dadurch geraten auch die Innenaufnahmen während der Verhandlung zwischen Brandner Kaspar und dem Tod nicht zum drögen Kammerspiel zweier "Handlungsreisenden", sondern entfalten die ganze Faszination des Kinos, wodurch sprichwörtlich die Zeit stehen bleibt. Die hervorragende Ausstattung des Films und die gelungene Maske des Todes sind weitere Pluspunkte filmischen Handwerks.

Brandner Kaspar ist eine flüssige und stimmig erzählte Kinogeschichte mit intelligenten, lebhaften Dialogen, der man auch noch länger hätte zuschauen können, wenn nicht die Terminsache mit dem Tod ein nachvollziehbares Ende vorsehen würde.

Brander Kaspar ist in seiner Herstellungsform auf wunderbare Weise altmodisch und lässt dem Betrachter die Chance sich seinen Reim selber zu machen. Die Bilder entstehen nicht nur auf der Leinwand, sondern lassen dem Zuschauer Raum für eigene Fantasie.

Alles in allem ein herrlicher Spaß für Ungläubige. Die Gläubigen müssen halt "a weng" Humor mitbringen, dann "basst' scho" oder müssen auf dem Friedhof warten, bis sie dran sind.

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


nach oben Pressestimmen

Einfach köstlich, dieser deftige Schwank mit Franz Xaver Kroetz und - unter der schwarzen Kapuze kaum zu erkennen - unserem Michael Bully Herbig als Tod. Mit ihm macht die letzte Tour bestimmt Spaß.

Treffpunkt Kino

Deftig geht es zu in diesem Schwank, bei dem Jörg Hube als Petrus im Paradies mit Bier, Brez'n und lederbehosten Engeln das Zepter schwingt. Ein kleines Oktoberfest.

Blickpunkt:Film

Geniale Bayern-Komödie mit Franz Xaver Kroetz, Schnaps, Paradies und Lebensweisheiten. Bayern kommen glücklich aus dem Kino – und nie schmeckt das Bier danach besser!

Bild Zeitung, 16. Oktober 2008

Vilsmaier kann Berglandschaften wunderbar fotografieren, er formt „Die Geschichte vom Brandner Kaspar" wie ein gut gebeiztes Bauernmöbel, aber für die Boanl-Groteske und den Bayernhimmel fehlen ihm Gespür und Phantasie.

Süddeutsche Zeitung, 16. Oktober 2008

Vilsmaiers lukullisch ausgepinselten Bilder, der Schnitt ohne Wagemut und Tempo ist immer ein bisschen von einer parfümierten Museumsdüsternis umwölkt, in der es nicht einmal Michael Herbigs inbrünstig komischer Tod schafft, wirklich Leben in die Bude zu bringen.

Welt kompakt, 16. Oktober 2008

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