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Der Ghostwriter

Bissiger Politthriller nach Bestsellervorlage von Robert Harris, mit dem Roman Polanski beweist, dass er weiterhin ein Meister unterschwelliger Spannung und beklemmender Atmosphäre ist.

Der Ghostwriter Großansicht
(Bild: Kinowelt)
Verleih Studiocanal
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, Frankreich, Deutschland u.a. 2010
Regie Roman Polanski
Darsteller Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Kim Cattrall
Kinostart 18.02.2010
Einspielergebnis D € 2.402.910
Bes. (EDI) 338.308
Bes. (FFA) 351.844
Charthistory
Boxoffice USA $ 15.523.168
Charthistory
Filmtrailer Video
Erstausstrahlung 13.01.2013 (Pro7)

nach oben Inhalt & Info

Nach dem mysteriösen Ableben des ursprünglichen Autoren wird ein renommierter Ghostwriter engagiert, das Verfassen der Memoiren des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang zu übernehmen. Dazu erhält er das ursprüngliche, in seinen Augen unbrauchbare Manuskript und exklusive Sessions mit Lang, der sich mit seiner Entourage, darunter Ehefrau Ruth und Assistentin Amelia, in der Villa eines Mäzens auf Martha's Vineyard befindet. In die ohnehin angespannte Atmosphäre platzt die Nachricht, dass Lang gemeinsame Sache mit der CIA gemacht haben soll. Der Ghostwriter sticht in ein Wespennest und ist sich schnell seines Lebens nicht mehr sicher.

Nachdem seine aufwändige Robert-Harris-Verfilmung "Pompeji" kurz vor Drehstart gestoppt wurde, nahm sich Meisterregisseur Roman Polanski kurz entschlossen eine andere Vorlage des britischen Bestsellerautoren vor - einen pessimistischen Politthriller. Die ätzende Abrechnung mit der Ära Tony Blair, komplett in Deutschland gedreht, ist mit Ewan McGregor und Pierce Brosnan hochkarätig besetzt und beherzigt kühl und clever das Regelwerk des Paranoiathrillers, der seine Handlung präzise abspult. Und wer will, kann auch Autobiographisches hereininterpretieren: Wegen einer juristischen Untersuchung ist es Premier Lang nicht möglich, Amerika zu verlassen und in seine Heimat zurückzukehren.

Quelle: Blickpunkt:Film

nach oben Ausführliche Besprechung

Bissiger Politthriller nach Bestsellervorlage von Robert Harris, mit dem Roman Polanski beweist, dass er weiterhin ein Meister unterschwelliger Spannung und beklemmender Atmosphäre ist.

Man stecke Menschen in einen Raum, riegele ihn hermetisch ab, packe den Deckel drauf und erhöhe konstant den Druck. Und dann sieht man zu, was passiert. Roman Polanski liebt diese Szenarien. Es fällt nicht schwer zu sehen, was den Regisseur, als die Finanzierung für die ursprünglich geplante Verfilmung von Robert Harris' "Pompeji" aufgrund eines möglichen Schauspielerstreiks (der nicht kam) den Weg alles Irdischen ging, ganz spontan an Harris' "Der Ghostwriter" begeisterte: Diese in einen Politthriller verpackte Abrechnung mit der Ära Blair ist ein Kessel, der unter ganz besonders hohem Druck steht, zumal eine persönliche Komponente gewiss auch eine Rolle gespielt haben dürfte: So sehr der ehemalige britische Premier dieser Geschichte, Adam Lang, auch Tony Blair ähneln mag, die Tatsache, dass er im Verlauf der Geschichte vor der Situation steht, nur noch drei Länder betreten zu dürfen, in denen er nicht fürchten muss, verhaftet zu werden, dürfte der Regisseur sicherlich als Parallele zu seiner eigenen Situation verstanden haben.

Fast sklavisch genau hält sich Polanski in seiner zwar in den USA spielenden, aber fast komplett in Deutschland gedrehten Verfilmung an die Vorlage: Der Roman ist in diesem Fall das Drehbuch, ein bisschen gestrafft an Stellen, der Showdown ist nicht ganz so spektakulär, aber deutlich ambivalenter als in der Vorlage, und am Ende hat Polanski ein bisschen gedoktert, aber sonst findet man fast ein buchstäbliche Übersetzung der Seiten auf der Leinwand. Und doch ist man überrascht, wie unverkennbar Polanski der Film ist, wie er sich diesen Stoff bei aller Ruhe und Umsicht, mit der er die Geschichte erzählt, zu eigen gemacht, wie er mit scheinbar einfachen Kompositionen eine ungute Stimmung beschwört, wie man sie aus "Rosemaries Baby" oder "Der Mieter" aber auch "Der Pianist" kennt. Natürlich ist die Hauptfigur ein idealer Polanski-Held. In den Sechzigerjahren hätte Polanski ihn sicherlich selbst gespielt, diesen namen- und auch weitgehend gesichtslos bleibenden Ghostwriter erfolgreicher Celebrity-Biographien, der nach dem mysteriösen Ableben des ursprünglichen Autoren engagiert wird, binnen kürzester Zeit die Memoiren des ehemaligen britischen Premiers Adam Lang zu verfassen. Justament in diesem Moment gerät der ins Kreuzfeuer der Weltpresse, weil er auf verhängnisvolle Weise in CIA-Machenschaften während des Irakkrieges verstrickt gewesen sein soll. So wird dessen Aufenthaltsort in einer Villa eines Mäzens auf Martha's Vineyard zum Gefängnis für alle Anwesenden, die ihr grausames Spiel miteinander spielen: Lang selbst, dessen blitzgescheite Frau Ruth und seine attraktive Assistentin Amelia. Am Ende der Nahrungskette sieht der Schattenmann hilflos zu. Er ist selbst nur ein Geist im Geschehen und darf nicht eingreifen. Gleichzeitig wird er aber auch vom Geist des ursprünglichen Autoren verfolgt, dessen in seinen Augen unbrauchbares Manuskript er bearbeiten soll in dieser kalten, durchgestylten Villa, die wie ein Bunker in die Dünen gebaut ist. Dann offenbaren sich dem passiven Helden Indizien, die ihn zwingen, zur Tat zu schreiten, weil er mit einem Mal einer ungeheuerlichen Wahrheit auf der Spur ist. Die ist so flüchtig wie der Sand draußen auf der Veranda, den der vietnamesische Hausmeister Tag für Tag kehrt, ohne jemals Fortschritte zu machen: Alles Bemühen ist hier umsonst.

Ein bisschen bequem wird geplottet im zweiten Akt, manch ach so großes Geheimnis ist doch nur ein paar Klicks auf dem Computer entfernt. Und doch lässt "Der Ghostwriter" seine unheilvolle Atmosphäre wirken wie ein langsames Nervengift: Der Film mit seinem von anderen Kräften gesteuerten Helden, dem immer nur gesagt wird, was er zu tun hat, ob nun von seinen Auftraggebern oder einem Navi-System, ist unwiderstehlich, eine eindringliche Meditation über die Geister, die man ruft - Geister, wie sie allgegenwärtig sind in den Filmen des 76-jährigen Regisseurs. In "Ekel" kommen sie buchstäblich aus den Wänden, die Lady Macbeth wird von ihnen in den Wahnsinn getrieben und "Der Mieter" in den Selbstmord. Geister überall, die dafür sorgen, dass Polanskis Protagonisten zunehmend den Boden unter den Füßen und die Kontrolle über die Situation verlieren. Wie in "Der Ghostwriter": Ewan McGregor, dem Farblosigkeit vorgeworfen wurde, ist eben genau richtig als ewig passiver Spielball von Mächten, die er nicht durchschaut und schon gleich gar nicht lenken kann. Immer ist da einer, der für die anderen die Strippen zieht. So gelingt Roman Polanski en passant auch ein allgemeingültiger Film über Macht, auch wenn er sich nie aufdrängt: Er erzählt einfach nur seine Geschichte. Der Rest ergibt sich wie von Geisterhand. ts.

Quelle: Blickpunkt:Film

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Verleih Studiocanal
O-Titel The Ghost Writer
Alternativ-/Arbeitstitel The Ghost (AT)
Land / Jahr Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010
Kategorie Spielfilm
Genre Thriller
Produktionsfirmen Summit International
Koproduktionsfirmen Studio Babelsberg AG
Förderung DFFF - Deutscher Filmförderfonds (EUR 3.540.944)
Produktionsförderung Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) (EUR 200.000),
Medienboard Berlin-Brandenburg (EUR 500.000)
Verleihförderung Medienboard Berlin-Brandenburg (EUR 80.000)
Drehort Babelsberg, Berlin
Drehzeit 04.02.2009
Kinostart 18.02.2010
Erster Verleiher Kinowelt
Laufzeit 128
FSK ab 12 Jahre
FBW-Prädikat Besonders wertvoll
Einspielergebnis D € 2.402.910
Bes. (EDI) 338.308
Bes. (FFA) 351.844
Charthistory
USA-Start 19.02.2010, bei Summit
Boxoffice USA $ 15.523.168
Filmtrailer Video
Web-Link http://www.ghostwriter.kinowelt.de
nach oben Cast & Crew
Produzenten Roman Polanski, Robert Benmussa, Alain Sarde
Koproduzenten Timothy Burrill, Dr. Carl Woebcken, Christoph Fisser
Ausf. Produzent Henning Molfenter
Regie Roman Polanski
Drehbuch Roman Polanski
Buchvorlage Robert Harris
Darsteller Ewan McGregor (Ghostwriter), Pierce Brosnan (Adam Lang), Kim Cattrall (Amelia Bly), Olivia Williams (Ruth Lang), Tom Wilkinson (Paul Emmett), Timothy Hutton (Sidney Kroll), Jon Bernthal (Rick), David Rintoul (Fremder), Robert Pugh (Richard Rycart), Eli Wallach (Alter Mann), James "Jim" Belushi (James Maddox)
Kamera Pawel Edelmann
Schnitt Hervé de Luze
Musik Alexandre Desplat
Produktionsdesign Albrecht Konrad
Kostüme Dinah Collin
Line Producer Oliver Lüer
Casting Fiona Weir

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Darsteller Alister Mazzotti (Protection Officer #1)
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Preis / Veranstaltung Jahr, Ort, am - von/bis Kategorie Person
60. Internationale Filmfestspiele in Berlin
Internationale Filmfestspiele in Berlin
2010, Berlin, 11.02.2010 - 21.02.2010 Silberner Bär, beste Regie Roman Polanski
36. César-Verleihung
César-Verleihung Großansicht
2011, Paris, 25.02.2011 Beste Drehbuchadaption Roman Polanski
36. César-Verleihung
César-Verleihung Großansicht
2011, Paris, 25.02.2011 Beste Drehbuchadaption Robert Harris
36. César-Verleihung
César-Verleihung Großansicht
2011, Paris, 25.02.2011 Beste Musik Alexandre Desplat
36. César-Verleihung
César-Verleihung Großansicht
2011, Paris, 25.02.2011 Beste Regie Roman Polanski
36. César-Verleihung
César-Verleihung Großansicht
2011, Paris, 25.02.2011 Bester Schnitt Hervé de Luze
23. Europäischer Filmpreis
Europäischer Filmpreis Großansicht
2010, Tallinn, 04.12.2010 Europäischer Drehbuchpreis 2010 Roman Polanski
23. Europäischer Filmpreis
Europäischer Filmpreis Großansicht
2010, Tallinn, 04.12.2010 Europäischer Drehbuchpreis 2010 Robert Harris
23. Europäischer Filmpreis
Europäischer Filmpreis Großansicht
2010, Tallinn, 04.12.2010 Europäischer Film 2010  
23. Europäischer Filmpreis
Europäischer Filmpreis Großansicht
2010, Tallinn, 04.12.2010 Europäischer Filmmusikpreis 2010 Alexandre Desplat
23. Europäischer Filmpreis
Europäischer Filmpreis Großansicht
2010, Tallinn, 04.12.2010 Europäischer Preis für Ausstattung 2010 Roman Polanski
23. Europäischer Filmpreis
Europäischer Filmpreis Großansicht
2010, Tallinn, 04.12.2010 Europäischer Regisseur 2010 Roman Polanski
23. Europäischer Filmpreis
Europäischer Filmpreis Großansicht
2010, Tallinn, 04.12.2010 Europäischer Schauspieler 2010 Ewan McGregor
nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
Titel Vertrieb System Handelsform
Der Ghostwriter (Thriller Collection) STUDIOCANAL Home Entertainment Sales DVD, ab 12, 123 Min. Kauf
Der Ghostwriter (Thriller Collection) STUDIOCANAL Home Entertainment Sales Blu-ray Disc, ab 12, 128 Min. Kauf
Der Ghostwriter (Blu Cinemathek) STUDIOCANAL Home Entertainment Sales Blu-ray Disc, ab 12, 128 Min. Kauf
Der Ghostwriter (Steelbook Collection)
Nicht lieferbar
STUDIOCANAL Home Entertainment Sales DVD, ab 12, 123 Min. Kauf
Der Ghostwriter STUDIOCANAL Home Entertainment Sales DVD, ab 12, 123 Min. Kauf
Der Ghostwriter STUDIOCANAL Home Entertainment Sales Blu-ray Disc, ab 12, 128 Min. Kauf
Der Ghostwriter STUDIOCANAL Home Entertainment Sales DVD, ab 12, 123 Min. Leih
Der Ghostwriter STUDIOCANAL Home Entertainment Sales Blu-ray Disc, ab 12, 128 Min. Leih
Enthalten in:
Der Ghostwriter / Roman Polanski: Wanted and Desired (Special Edition, 2 Discs)
Nicht lieferbar
STUDIOCANAL Home Entertainment
DVD, ab 12, 219 Min.
Kauf
nach oben Soundtrack
Art Interpret Komponist Titel
Soundtrack/Original Score Alexandre Desplat Ghostwriter
nach oben VideoMarkt-Inhalt/Kritik

Nach dem mysteriösen Ableben des ursprünglichen Autoren wird ein renommierter Ghostwriter engagiert, das Verfassen der Memoiren des ehemaligen britischen Premiers Adam Lang zu übernehmen. Dazu erhält er das ursprüngliche Manuskript und Sessions mit Lang, der sich mit seiner Entourage, darunter Ehefrau Ruth und Assistentin Amelia, in der Villa eines Mäzens auf Martha's Vineyard befindet. In die angespannte Atmosphäre platzt die Nachricht, dass Lang gemeinsame Sache mit der CIA gemacht haben soll. Der Ghostwriter sticht in ein Wespennest.

Meisterregisseur Roman Polanski nahm sich einen pessimistischen Politthriller aus der Feder von Robert Harris vor. Die ätzende Abrechnung mit der Ära Tony Blair ist mit Ewan McGregor und Pierce Brosnan hochkarätig besetzt und beherzigt kühl und clever das Regelwerk des Paranoiathrillers, der seine Handlung präzise abspult. Und wer will, kann auch Autobiographisches hineininterpretieren. Vor allem aber überzeugt das jüngste Werk des kurz nach Fertigstellung verhafteten Polanski als einer der besten Filme des Jahres 2010.

Quelle: mediabiz.de

nach oben FBW-Gutachten

Prädikat: Besonders wertvollKurztext:

Der neue Ghostwriter für die Memoiren eines ehemaligen britischen Premierministers wird in Roman Polanskis aktuellem Geniestreich schnell in undurchdringliche Wirren politischer Intrigen und biographischer Ungereimtheiten verstrickt. Der polnisch-französische Regisseur erzählt die Geschichte nach einem Roman des englischen Starjournalisten Robert Harris als stimmungsvollen Politthriller voller Mysterien, rätselhafter Frauenfiguren und bedrohlicher Schatten der Vergangenheit. Kühle Settings und die regnerischen Küstenlandschaften Neuenglands schaffen ein intensives Gefühl der Beklemmung, der permanenten unterschwelligen Bedrohung. Scharfsinnige Wortgefechte, grandiose Darsteller und die Kunst der Anspielung mit unvorhersehbaren Wendungen zeichnen diese klassisch inszenierte Suspensegeschichte aus. Intelligenter, fein knisternder Thriller mit unentrinnbar subtiler Sogwirkung.

Gutachten:

Nacht. Im von heftigem Wind gepeitschten strömenden Regen ragt drohend der Bug einer Aufofähre ins Bild, bevor die Aussschiffung beginnt. Ein Auto bleibt, ohne Passagier dazu, auf dem Schiff. Eine düstere und spannungsgeladene Anfangsstimmung, die nichts Gutes verheißt. Die Bedrohung als Spannung vom ersten Bild an reißt nicht ab bis zum bitteren Ende des Protagonisten. Eine wichtige Rolle übernimmt dabei die Musik, wie sie die Bilder und das Geschehen emotional mitbestimmt. Sie drängt sich nicht auf, oft treibend bleibt sie trotzdem leise oder setzt auch auf musikalische Pausen.

Rastlose Ruhe und altmeisterliche Präzision sind die Bausteine von Roman Polanskis Thriller DER GHOSTWRITER. Bilder wie gemeißelt beim Einsatz von Licht und Ausstattung. Radikale Typisierungen in einem undurchschaubaren Gespinst von Abhängigkeiten um Macht, Ohnmacht und Einflussnahme. Wer zieht die Fäden, wer sind die Marionetten. Politik wird bei Polanski zur Farce und zugleich zur klassischen Tragödie, in der der Held untergeht, weil er seinem Schicksal nicht entkommen kann.

Ein Schriftsteller mit einem gutem Ruf willigt ein, als Ghostwriter (ausgezeichnet unterkühlt Ewan McGregor), die fast fertigen Memoiren des britischen Ex-Premiers Adam Lang für ein horrendes Honorar zu überarbeiten: Der Vorgänger als Ghostwriter wurde tot am Strand jener Insel aufgefunden, auf der Lang sich mit Mitarbeitern und Ehefrau in den USA abgeschottet unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen in einer luxuriös designten Betonvilla aufhält. Als 'Ghost' des Ex-Premiers entdeckt der Autor erste Ungereimtheiten zum Tod seines Vorgängers. Selbstmord oder Mord ist der Ausgangspunkt einer lebensbedrohenden Recherche, die ihn immer tiefer in den Sumpf der Einflusssphäre des CIA hineinbringt. Konsequent sehen wir seine Perspektive, leiden und zittern mit ihm, wie er mit einer Mischung aus Mut und Angst die Geschichte mit ihren überraschenden Wendungen voran treibt und weitere Verflechtungen zur CIA aufdeckt.

Der konkrete politische Hintergrund mit seinen scheinbaren Bezügen zu Tony Blair und dem Irakkrieg und dessen Rolle ist die Folie von DER GHOSTWRITER. Diese Bezüge werden überhöht und durch eine Typisierungsstrategie der Akteure entwirklicht. Der Ex-Premier (sehr gut naiv überpointierend Pierce Brosnan) wird als politischer Schauspieler dekonstruiert und seine Ehefrau Ruth (Olivia Williams) als ihn dirigierende CIA-Agentin enttarnt, die den Premier zu einer von ihr zu steuernden Marionette gemacht hatte. Auf der individuellen Ebene erlebt man sie aber auch eifersüchtelnd an der offensichtlichen Beziehung zwischen ihrem Mann und der ihn liebenden engsten Mitarbeiterin. Ernsthaftigkeit oder gespieltes Ablenkungsmanöver, die Ebenen verschwimmen und man weiß nicht, wer von wem abhängt.

Die Orte im Film sind eigenartig klaustrophobisch angelegt. Die Akteure agieren als Gefangene eines undurchschaubaren Systems von gegenseitiger Kontrolle und Anweisungen, in dem sie Chiffren von Wirklichkeit der CIA-Methoden darstellen. Das Aufdecken dieser Machenschaften durch den Protagonisten, der als namenloser 'Geist' durch die Geschichte getrieben wird, ergibt einen herausragenden Thriller, der auf seiner Erzählebene seine intensive Spannung auf hohem gestalterischen Niveau ohne technische Effekthascherei eine dichte Atmosphäre erreicht. Die komplexere politische Dimension erschließt sich dem Zuschauer aus dem direkten intensiven Mitgehen und Miterleben der individuellen Ohnmacht des Protagonisten von Vorgängen, die dieser meist zu spät oder kaum selbst durchschaut und dem Betrachter mit Hochspannung nachvollziehen lässt. Und wer dieses System aufzudecken versucht und damit stört, ist der Leidtragende und wird ohne Gnade vernichtet. Eine meisterhafte Leistung des Films DER GHOSTWRITER von Roman Polanski.

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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Datum Stadt Festivalname
11.02.2010 - 21.02.2010 Berlin 60. Internationale Filmfestspiele Berlin - Berlinale

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