Prokino Filmverleih GmbH
Programm
Caché
| Verleih | Prokino (Fox) |
|---|---|
| Kategorie/Land/Jahr | Spielfilm, Frankreich, Österreich u.a. 2005 |
| Regie | Michael Haneke |
| Darsteller | Juliette Binoche, Daniel Auteuil, Annie Girardot |
| Kinostart | 26.01.2006 |
| Einspielergebnis D |
€ 964.780 Bes. (EDI) 161.571 Bes. (FFA) 167.934 Charthistory |
| Boxoffice USA |
$ 3.453.754 Charthistory |
| Erstausstrahlung | 07.02.2008 (arte) |
- nach oben Inhalt & Info
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Anonym werden dem Fernsehmoderator Georges Laurent Videoaufnahmen, in denen seine Wohnung zu sehen ist, und Bilder eines Jungen mit blutendem Mund zugespielt. Beflügelt von Erinnerungen aus seiner Kindheit, in der er den algerischen Jungen Majid mit falschen Anschuldigungen vom heimischen Hof trieb, reagiert Georges zunehmend aggressiv - zumal ihn eines der Bänder vor die Haustür von Majid führt, der allerdings seine Unschuld beteuert.
Brillant konzipierter und durchgeführter Psychothriller von Michael Haneke, der zunächst die Mittel des Genres benutzt, um dem Zuschauer nach und nach den Boden unter den Füßen wegzuziehen und den Film dann unmissverständlich in eine intelligente Metapher über die maßlose Aggression der Industriestaaten gegen die Dritte Welt, von der man sich bedroht fühlt, münden lässt. In der Hauptrolle brilliert Daniel Auteuil, der seinen Ruf als Publikumsliebling nutzt, um eine durch und durch unsympathische Figur darzustellen.
Quelle: Blickpunkt:Film
- nach oben Ausführliche Besprechung
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Vor acht Jahren zeigte Michael Haneke noch die Kniffe des Thrillers als publikumsheischende Gimmicks. Jetzt setzt der in Frankreich lebende Österreicher die Stilmittel des Genres in seinem neben "Die Klavierspielerin" zugänglichsten Film ein, um eine Geschichte über eine Familie zu erzählen, deren Verbund nachhaltig erschüttert wird, nachdem ihr zunehmend privatere Videoaufnahmen zugespielt werden. Eine jederzeit nachvollziehbare Studie über das langsame Auflösen des Familienverbunds mit einem sensationellen Daniel Auteuil in der Hauptrolle - zugleich eine wenig kaschierte und kunstvoll in die Textur des Films verwobene Anklage gegen die Aggression, die von der Ersten Welt gegen weniger mächtige Länder ausgeübt wird, von denen man sich bedroht fühlt. Ein Triumph des intelligenten Kunstkinos.
Mehr noch als in seinem bislang besten Film, dem in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichneten "Die Klavierspielerin", dominiert in "Caché" Michael Hanekes filmemacherische Seite über den moralisch überlegenen Lehrer. Sein neuer Film belehrt nicht. Er zeigt. Und das unter Ausschöpfung aller filmischen Mittel, ohne jemals auch nur ein Iota an Schärfe, Prägnanz und unmissverständlicher Aussage zu verlieren. Im Gegenteil. Die oft so penetrante Didaktik eines "Funny Games" oder "Wolfszeit" rückt komplett in den Hintergrund, wenn Haneke sich hier zunächst mit den klassischen Mitteln eines Thrillers seiner klassischen Themen annimmt: der Bedrohung und schließlich langsamen Auflösung des Familienverbandes, dem schmalen Grat zwischen gutbürgerlicher Zivilisiertheit und dem Ausbruch von Aggression und Gewalt. Mit einem simplen Mittel erzeugt der Regisseur sofort die nötige Spannung.
Während des Vorspanns sieht man eine leere Straße und an ihrem Ende ein idyllisches Haus. Der nächste Schnitt offenbart, dass es sich dabei um eine Videoaufnahme handelt, die dem gut situierten Fernsehmoderator Georges Laurent und seiner Frau Anne, einer Verlagsangestellten, zugespielt wurde - eine Ansicht ihres Hauses. Mit jedem weiteren Video nimmt die Unsicherheit und Angst der Laurents zu. Offenkundig hat jemand nicht nur Zugang zu ihrem Privatleben; er weiß auch um die Vergangenheit Georges': Ein Band zeigt den Landbesitz seiner Eltern. Zusätzlich erhält die Familie krude handgezeichnete Bilder, die einen Jungen mit blutendem Mund zeigen. Dieses Motiv spült eine längst verdrängte Erinnerung in George hoch, der sich nach und nach an den algerischen Jungen Majid erinnert, den er als Kind mit erfundenen Anschuldigungen vom heimischen Hof trieb - wovon er seiner Frau nichts erzählt. Dafür reagiert der eigentlich so besonnene Mann zunehmend aggressiv auf seine Umwelt: Wer seine Familie terrorisiert, so zürnt er, der wird einen hohen Preis bezahlen müssen.
War man bislang in das unmittelbare Drama und das Rätsel um die Videobänder involviert, so schält sich nun der klar ausformulierte Subtext von "Caché" immer deutlicher heraus: Festgemacht am Irakkrieg, dessen unvermindert schockierende Bilder in einer langen Sequenz im Hintergrund in den Fernsehnachrichten flimmern, ist dieser Film, der seinen Akteuren und dem Zuschauer zusehends den Boden unter den Füßen wegzieht, auch eine Metapher für das Verhalten der westlichen Industriestaaten, die auf die vermeintliche Bedrohung von Ländern der Dritten Welt nicht mit dem nötigen Bedacht, sondern unverhältnismäßiger Gewalt reagieren. Denn alsbald führt eines der Videobänder zu eben jenem Majid seiner Kindheit, der in einem algerischen Ghetto in Paris lebt und Georges mit dessen Fehlverhalten konfrontiert. Als dieser aufgebracht mit Drohungen reagiert, löst er eine Kette von Ereignissen aus, die in einer selbst in Hanekes wenig zimperlichem Schaffen einzigartig erschütternden Szene mündet. Alldieweil bleibt die Thrillerspannung erhalten, weil Haneke eine Auflösung verweigert, wer genau der Hersteller der Videobänder ist. So clever setzt er die Aufnahmen ein, dass man häufig nicht genau weiß, ob man nun inszenierte Szenen der Handlung sieht oder eben Videos des Unbekannten. Eine perfekte Weise, den Zuschauer in das Geschehen zu implizieren. Es steht Haneke besser zu Gesicht, sich bei Hitchcock und dessen Epigonen zu bedienen als deren Mittel zu kritisieren.
Dass dieses schleichende Horrorszenario funktioniert, ist nicht zuletzt das Verdienst von Daniel Auteuil in der schwierigen Rolle des Georges Laurent. Sehr clever setzt der Schauspieler, blendend unterstützt von Juliette Binoche, auf seinen Ruf als Sympathieträger und Publikumsliebling, der sich spät als Wolf im Schafspelz, als ureigentlicher Aggressor und im Wortsinne Terrorist entpuppt. Wie Haneke hier mit den Erwartungen des Publikums spielt und die Konventionen des klassischen Erzählkinos auf den Kopf stellt, ist mindestens so verstörend wie das weit offene Ende - und eigentlich der ganze Film, in dem stets alles möglich scheint und dessen Intelligenz der Spannung nie im Weg steht. ts.
Quelle: Blickpunkt:Film - nach oben Mediathek
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Verleih Prokino (Fox) O-Titel Caché Land / Jahr Frankreich/Österreich/Deutschland/Italien 2005 Kategorie Spielfilm Genre Drama / Thriller Produktionsfirmen Wega-Filmproduktionsgesellschaft mbH, Bavaria Film, Les Films du Losagne, BIM Distribuzione, France 3 Projektförderung Film- und Medienstiftung NRW (EUR 200.000) Produktionsförderung Eurimages (EUR 600.000),
Österreichisches Filminstitut (EUR 511.000),
Filmfonds Wien (EUR 600.000)Verleihförderung Film- und Medienstiftung NRW (EUR 80.000),
Österreichisches Filminstitut (EUR 49.429)Kinostart 26.01.2006 Laufzeit 119 FSK ab 12 Jahre FBW-Prädikat Besonders wertvoll Tonformat Dolby-SRD Einspielergebnis D € 964.780
Bes. (EDI) 161.571
Bes. (FFA) 167.934
CharthistoryUSA-Start 23.12.2005, bei Sony Classics Boxoffice USA $ 3.453.754 Web-Link http://www.cache-derfilm.de/ - nach oben Cast & Crew
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Produzenten Margaret Ménégoz, Prof. Dr. Veit Heiduschka Koproduzenten Valerio De Paolis, Michael Weber Ausf. Produzenten Margaret Ménégoz, Michael Katz Regie Michael Haneke Drehbuch Michael Haneke Darsteller Juliette Binoche (Anne Laurent), Daniel Auteuil (George Laurent), Annie Girardot (Georges Mutter), Maurice Bénichou (Majid), Lester Makedonsky (Pierrot Laurent), Bernard Le Coq (Chefredakteur), Walid Afkir (Majids Sohn), Daniel Duval (Pierre), Nathalie Richard (Mathilde), Denis Podalydès (Yvon), Aïssa Maïga (Chantal) Kamera Christian Berger Schnitt Nadine Muse, Michael Hudecek Produktionsdesign Emmanuel de Chauvigny, Christoph Kanter Ton Jean-Pierre Laforce, Jean-Paul Mugel, Pascal Chauvin, Franck Ceven Kostüme Lisy Christl - nach oben Filmpreise
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Preis / Veranstaltung Jahr, Ort, am - von/bis Kategorie Person 58. Internationale Filmfestspiele in Cannes 2005, Cannes, 11.05.2005 - 22.05.2005 Beste Regie Michael Haneke 18. Europäischer Filmpreis 2005, Berlin, 03.12.2005 Europäischer Film 2005 18. Europäischer Filmpreis 2005, Berlin, 03.12.2005 Europäischer Regisseur 2005 Michael Haneke 18. Europäischer Filmpreis 2005, Berlin, 03.12.2005 Europäischer Schauspieler 2005 Daniel Auteuil 18. Europäischer Filmpreis 2005, Berlin, 03.12.2005 Europäischer Schnittpreis 2005 Nadine Muse, Michael Hudecek 18. Europäischer Filmpreis 2005, Berlin, 03.12.2005 European Film Academy Preis der Kritik 2005 - Prix Fipresci - nach oben Video/DVD-Fassungen des Films
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Titel Vertrieb System Handelsform Caché EuroVideo Bildprogramm DVD, ab 12, 115 Min. Kauf Caché EuroVideo Bildprogramm DVD, ab 12, 115 Min. Leih - nach oben VideoMarkt-Inhalt/Kritik
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Dem Fernsehredakteur Georges Laurent und dessen Gattin Anne wird eine Videokassette zugespielt, auf der ihr Haus zu sehen ist. Ein blöder Scherz? Nein. Als weitere Bänder eintreffen, beginnt Georges zu recherchieren. Könnte hinter alledem Majid stecken, jenes algerische Pflegekind, das er einst eifersüchtig vom Hof ekelte? Anne ist empört. Warum hat er ihr nie davon erzählt? George versucht sich zu rechtfertigen, macht Majid ausfindig, der aber seine Unschuld beteuert. Doch Georges glaubt ihm nicht. Mit fatalen Konsequenzen.
Höchst verstörender Reality-Thriller, in dem Michael Haneke über den alltäglichen Rassismus reflektiert. Auch bei dem mit fünf europäischen Filmpreisen sowie dem Regiepreis in Cannes ausgezeichneten Film verweigert sich Haneke allen gängigen Trends, provoziert inhaltlich wie formal. Dennoch ist auch dieses Porträt vom Niedergang einer gutbürgerlichen Familie streng komponiert und minutiös durchkalkuliert. Ein mit Daniel Auteuil und Juliette Binoche auch noch exquisit besetztes Arthouse-Meisterwerk, das dem Zuschauer einiges abverlangt.
Quelle: mediabiz.de - nach oben FBW-Gutachten
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Die Schuld der Vergangenheit mit ihrer Ausstrahlung bis in die Gegenwart, das ist Michael Hanekes hochinteressantes Thema, meisterlich inszeniert und von einem hochkarätigen Schauspielerensemble faszinierend umgesetzt.
"Caché" ist ein streng und geradezu musikalisch komponierter Film, der in langen Einstellungen ohne Musik und ohne große "action" auskommt und so eine unbehaglich, bedrohliche Stimmung erzeugt, der man sich nicht entziehen kann. Die Rückblenden in die Vergangenheit rufen auf, sich mit der eigenen Geschichte auseinander zu setzen. Dies gilt für die persönliche wie auch für die nationale Lage. Vor dem aktuellen Hintergrund brennender Autos in den französischen Vorstädten, die von Jugendlichen meist afrikanischer Herkunft angesteckter wurden, mutet Hanekes Film geradezu prophetisch, jedenfalls gesellschaftlich äußerst scharfsichtig an.
Ein in Paris lebendes Intellektuellenpaar Mitte Vierzig wird zum Stalking-Opfer. Videos werden vor die Tür gelegt, auf denen stundenlang nichts anderes zu sehen ist als ihre enervierend abgefilmte Wohnung in einem bürgerlichen Stadtteil. (...)
Langsam, aber sicher mündet der sorgsam, klug und sensitiv aufgebaute Spannungsbogen explosionsartig in einer so nicht erahnten Katastrophe. Während man sich als Betrachter zunächst wohl auf ein Bergmann'sches Beziehungsdrama einstellt, in dem vor allem die Frage, wer wem (noch) vertraut, eine übergeordnete Bedeutung zu haben scheint, strickt Regisseur Michael Haneke ein Thrillergeflecht, das bald die scheinbar dokumentarische Ebene zugunsten eines immer dichter werdenden Spannungsbogens verlässt, um nach seiner Entladung wieder zur kühl-nüchternen Dokumentation einer Beziehung am Rande des Scheiterns zurückzukehren.
In geradezu eiskalten Einstellungen erzeugt Haneke eine Stimmung der Ausweglosigkeit, die sich zum Beispiel in einer einzigen Einstellung im Aufzug des Fernsehsenders widerspiegelt: George will nach dem Tod Majids einem Gespräch mit dessen Sohn aus dem Weg gehen und versucht, sich durch Betreten des Aufzugs der unangenehmen Begegnung zu entziehen. Majids Sohn aber drängt sich in den vollbesetzten Aufzug. Ein Kameraschwenk genügt - und beide stehen sich in den Wandspiegeln des Aufzugs in einem Bild einander unentrinnbar gegenüber.
Selbst dieser kunstvoll arrangierten Sequenz mutet der Hauch des "zufälligen", unabsichtlichen Bildes an. Während andere Regisseure und Kameraleute ihr Können sozusagen stets mit Ausrufezeichen versehen, ist hier ein demütiger, aber auch äußerst scharfsichtiger Regisseur am Werk. Ein De-Konstrukteur. Den eigene Augen nicht ganz trauen zu können, den eben gefassten Eindruck korrigieren zu müssen, das mutet Haneke seinen Zuschauern zu. Der Kinobesuch wird so zu einem erkenntnisreichen Seh-Erlebnis. Zum Beispiel die flimmernden Rollbalken des Videobildes, die plötzlich eine scheinbar so klare und banale Einstellung wie die Straßenszene mit dem Haus der Laurents trüben, sie wirken als würde plötzlich das Netz weggezogen, das jeder Kinogänger so gerne für gegeben hält: Ich sitze in der Wirklichkeit, dort oben auf der Leinwand aber ist die Fiktion... (...)Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
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