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1917

In Realzeit und ohne ersichtlichen Schnitt gedrehtes Kriegsdrama um ein Himmelfahrstkommando von zwei jungen Soldaten in Frankreichs Niemandsland.

1917 Großansicht
(Bild: Universal)
Verleih Universal
Kategorie/Land/Jahr Spielfilm, Großbritannien, USA 2019
Regie Sam Mendes
Darsteller George MacKay, Dean-Charles Chapman, Daniel Mays
Kinostart 16.01.2020
Einspielergebnis D € 7.006.401
Bes. (EDI) 810.884
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Boxoffice USA $ 145.760.369
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Zwei junge britische Soldaten werden auf ein Himmelfahrtskommando geschickt. Aus ihrem Schützengraben in Frankreich kämpfen sie sich mitten durchs Feindgebiet, um ein einige Kilometer von ihnen entferntes Battalion vor einem Angriff auf nur vermeintlich zurückweichende Deutsche zu warnen. Sie durchqueren eine Alptraumlandschaft aus verbrannter Erde und Bergen von Leichen.

Mit seinem genialen Kameramann Roger Deakins ist "Bond"-Regisseur Sam Mendes ein Kriegsfilm gelungen, der zwar Elemente von so unterschiedlichen Klassikern wie "Gallipoli", "Wege des Ruhms" und "Im Westen nichts Neues" vereint, aber doch einen Blick auf den Ersten Weltkrieg gestattet, wie es noch keinem Film davor gelungen ist. In vermeintlicher Realzeit und ohne ersichtlichen Schnitt erlebt das Publikum hautnah mit, wie sich die Handlung durch erschütternde Tableaus bewegt.

Quelle: Blickpunkt:Film

nach oben Ausführliche Besprechung

In Realzeit und ohne ersichtlichen Schnitt folgt Sam Mendes zwei britischen Soldaten im Ersten Weltkrieg bei einem Himmelfahrtskommando.

Im Westen viel Neues: Mit seinem genialen Kameramann Roger Deakins ist Sam Mendes ein Kriegsfilm gelungen, der zwar Elemente von so unterschiedlichen Klassikern wie "Gallipoli", "Wege des Ruhms" und "Im Westen nichts Neues" vereint, aber doch einen Blick auf den ersten großen Weltkrieg gestattet, wie es noch keinem Film davor gelungen ist: "1917" schickt zwei junge britische Soldaten aus ihrem Schützengraben auf eine Mission mitten in Feindesgebiet, ein einige Kilometer von ihnen entferntes Battalion vor einem Angriff auf nur vermeintlich zurückweichende Deutsche zu warnen. Aus dieser simplen Prämisse entwickelt Mendes, zuletzt mit den beiden "Bond"-Adaptionen "Skyfall" und "Spectre" erfolgreich, ein albtraumhaftes Szenario, das sich vermeintlich in Realzeit und ohne sichtbaren Schnitt entfaltet. Über den gesamten Verlauf der Handlung ist man an der Seite der von George McKay und Dean-Charles Chapman gespielten jungen Männern, während sich die Kamera vor, hinter oder über ihnen bewegt: Ganz unmittelbar nimmt man (An-)Teil an den Ereignissen, aber auch den Ängsten und Wünschen der beiden Protagonisten. Dabei hat der visuell und akustisch ausgefuchste Trip durch Niemandsland auf französischem Boden eine ungewöhnliche Wirkung: Einerseits ist man so nah an den Ereignissen, wie man es sich im Kino nur vorstellen kann, erlebt hautnah mit, wie sich die Handlung durch erschütternde Tableaux bewegt, die an Hieronymus Bosch und Guernica, Ernst Friedrichs "Krieg dem Kriege" und die letzte höllische halbe Stunde von "Apocalypse Now" erinnern. Andererseits sorgt der Kameratanz ohne Schnitt aber auch für Distanz: Man bewegt sich scheinbar durch einen Traum. Auch weil Sam Mendes die gängigen Klischees des Genres Kriegsfilm subversiv unterwandert: Es gibt keine Schlachten, keine ausgedehnten Feuergefechte. Vielmehr konfrontiert einen der Film mit der Nachernte, mit verbrannter Erde, Bergen von Leichen, der Preis des Krieges. Und trotz mancher ruhiger Momente und aufblitzender Menschlichkeit bewegt sich "1917" doch immer nach vorn: Nur die vereinzelten Cameos (Benedict Cumberbatch, Colin Firth, Mark Strong) wirken deplatziert, reißen sie einen doch aus der so eindringlichen Realität des Gezeigten. ts.

Quelle: Blickpunkt:Film

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nach oben Film-/Kino-Daten
Verleih Universal
O-Titel 1917
Land / Jahr Großbritannien/USA 2019
Kategorie Spielfilm
Genre Drama / Kriegsfilm
Produktionsfirmen Amblin/Neal Street
Drehzeit ab April 2019
Kinostart 16.01.2020
Laufzeit 119
FSK ab 12 Jahre
FBW-Prädikat Besonders wertvoll
Einspielergebnis D € 7.006.401
Bes. (EDI) 810.884
Charthistory
USA-Start 25.12.2019, bei Universal
Boxoffice USA $ 145.760.369
Web-Link https://upig.de/micro/1917
nach oben Cast & Crew
Produzenten Pippa Harris, Callum McDougall, Sam Mendes, Brian Oliver, Jayne-Ann Tenggren
Koproduzenten Michael Lerman, Julie Pastor
Ausf. Produzenten Jeb Brody, Ricardo Marco Budé, Ignacio Salazar-Simpson
Regie Sam Mendes
Drehbuch Sam Mendes, Krysty Wilson-Cairns
Darsteller George MacKay (Lance Corporal Schofield), Dean-Charles Chapman (Lance Corporal Blake), Daniel Mays (Sergeant Sanders), Colin Firth, Pip Carter, Andy Apollo, Paul Tinto, Josef Davies, Billy Postlethwaite, Gabriel Akuwudike, Andrew Scott, Spike Leighton, Robert Maaser, Gerran Howell, Adam Hugill, Mark Strong, Richard McCabe, Benjamin Adams, Anson Boon, Kenny Fullwood, Tommy French, Nabhaan Rizwan, Ryan Nolan, Elliot Baxter, Bogdan Kumsackij, Kye Mckee, Claire Duburcq, Adrian Scarborough, Richard Madden, Benedict Cumberbatch
Kamera Roger Deakins
Schnitt Lee Smith
Musik Thomas Newman
Produktionsdesign Dennis Gassner, Lee Sandales
Ton Mark Taylor, Stuart Wilson, Scott Millan, Oliver Tarney, Rachael Tate
Kostüme David Crossman, Jacqueline Durran
Maske Rebecca Cole, Naomi Donne, Tristan Versluis
Effekte Guillaume Rocheron, Greg Butler, Dominic Tuohy
Casting Nina Gold
nach oben Filmpreise
Preis / Veranstaltung Jahr, Ort, am - von/bis Kategorie Person
92. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Oscar-Verleihung - Academy Awards Großansicht
2019, Los Angeles, 09.02.2020 Beste Kamera Roger Deakins
92. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Oscar-Verleihung - Academy Awards Großansicht
2019, Los Angeles, 09.02.2020 Beste Tonmischung Mark Taylor, Stuart Wilson
92. Oscar-Verleihung - Academy Awards
Oscar-Verleihung - Academy Awards Großansicht
2019, Los Angeles, 09.02.2020 Beste visuelle Effekte Guillaume Rocheron, Greg Butler, Dominic Tuohy
73. British Academy Film Award   2020, London, 02.02.2020 Beste Ausstattung Dennis Gassner, Lee Sandales
73. British Academy Film Award   2020, London, 02.02.2020 Beste Kamera Roger Deakins
73. British Academy Film Award   2020, London, 02.02.2020 Beste Regie Sam Mendes
73. British Academy Film Award   2020, London, 02.02.2020 Beste visuelle Effekte Guillaume Rocheron, Greg Butler, Dominic Tuohy
73. British Academy Film Award   2020, London, 02.02.2020 Bester britischer Film  
73. British Academy Film Award   2020, London, 02.02.2020 Bester Film  
73. British Academy Film Award   2020, London, 02.02.2020 Bester Ton Mark Taylor, Stuart Wilson, Scott Millan, Oliver Tarney, Rachael Tate
77. Golden Globe
Golden Globe Großansicht
2020, Los Angeles, 05.01.2020 Beste Regie Sam Mendes
77. Golden Globe
Golden Globe Großansicht
2020, Los Angeles, 05.01.2020 Bester Film - Drama  
nach oben FBW-Gutachten

Prädikat: Besonders wertvollKurztext:

Das in einer Einstellung gedrehte Kriegsdrama von Oscarpreisträger Sam Mendes erzählt die Geschichte zweier junger britischer Soldaten, die im Ersten Weltkrieg den Auftrag erhalten, in Frankreich eine wichtige Nachricht zu einem weit entfernten Bataillon zu bringen.

Frankreich, 1917: Briten und Deutsche liefern sich mitten im Ersten Weltkrieg einen erbitterten Stellungskampf. Da erhalten die zwei jungen britischen Soldaten Schofield und Blake von ihrem Kommandanten einen wichtigen Auftrag. Sie sollen eine Nachricht an ein anderes Bataillon überbringen, um zu verhindern, dass ihre Einheit in die Falle der Deutschen tappt. Dafür müssen Schofield und Blake mitten hinein in das vom Feind besetzte Land. Und sie müssen schnell sein. Denn der Angriff der Deutschen erfolgt bereits im Morgengrauen. Das erste Bild, welches in Sam Mendes' Film 1917 zu sehen ist, ist fast idyllisch. Doch nach und nach löst sich die Kamera von der grünen Wiese und geht, zusammen mit den beiden jungen Soldaten, die authentisch und sympathisch von Dean-Charles Chapman und George MacKay verkörpert werden, immer tiefer in die Alltagswelt des Schützengrabens und somit des Krieges. Von nun an wird es, bis auf eine Ausnahme, keinen sichtbaren Schnitt mehr geben und somit auch keine Möglichkeit für den Betrachter, sich von der fesselnden Handlung zu lösen, die beide Soldaten immer weiter durch die Szenerie treibt. Gerade die Kamera von Roger Deakins leistet Unglaubliches, wenn sie die Figuren und Sequenzen, die Sam Mendes theatergleich aneinanderreiht, nahtlos fließend begleiten, hinterherrasen, vornewegeilen und dabei alles Wichtige erfassen. Durch den Eindruck eines "One-Shot" wird man Teil dieser lebensgefährlichen Mission, die trotz aller Spannung nie vergessen lässt, dass die Geschichte eben im Krieg spielt. Und die einzelnen Sequenzen, in denen die Soldaten sich über die Sinnhaftig- und Sinnlosigkeit ihres Tuns Gedanken machen, sind, jede für sich genommen, starke Plädoyers gegen kriegerische Handlungen. Untermalt wird der Film von Thomas Newmans treibendem Score, der die Bilder nie überlagert und die Emotionen auf kongeniale Weise verstärkt. Das Ensemble wird komplettiert von solch hochkarätigen Darstellern wie Colin Firth, Andrew Scott und Benedict Cumberbatch. In seiner Inszenierung und Wirkung ist 1917 großes Kino, das technisch und erzählerisch neue Maßstäbe setzt.

Gutachten:

Das Kriegsdrama von Sam Mendes ist filmtechnisch so atemberaubend, dass die erzählte Geschichte durch den Stil fast ein wenig in den Hintergrund gerückt wird. Erzählt wird von den Schrecken des ersten Weltkriegs am Beispiel von zwei jungen britischen Soldaten, die eine Nachricht über die Schützengräben und durch das Niemandsland zwischen den Fronten bringen sollen. Denn genau durch diese Nachricht soll ein Massaker verhindert werden. Gedreht wurde der Film mit so gut wie keinem sichtbaren Schnitt, also scheinbar in einer ununterbrochenen, knapp zwei Stunden langen Kamerafahrt. Mendes wollte so den Eindruck vermitteln, als würde sich die Geschichte vor den Augen der Zuschauer in Echtzeit entfalten, und dies ist ihm auch sehr beeindruckend gelungen. Die digitale Technik, die diese nahtlose Verknüpfung der vielen Einzelaufnahmen zu einem kontinuierlichen Fluss möglich macht, ist unsichtbar, und so wirkt der Film, obwohl er hochartifiziell konzipiert und ausgeführt ist, überraschend natürlich und organisch. Es war klug, die Geschichte aus der Perspektive von zwei einfachen Soldaten zu zeigen. George MacKay und Dean-Charles Chapman gelingt es, die Erschöpfung und Verzweiflung der jungen Männer glaubhaft und intensiv auszudrücken. Die höheren Offiziere werden von britischen Filmstars wie Colin Firth und Benedict Cumberbatch verkörpert, aber eben nur in kurzen Auftritten. Sam Mendes spielt hier geschickt mit deren Wiedererkennungswert und sagt dabei: Dies ist ein Film, der anders erzählt und in dem die Offiziere/Filmstars nur Nebenrollen haben. Mendes wurde durch die Erzählungen seines Großvaters, eines Veteranen des ersten Weltkriegs, zu seinem Film inspiriert, aber bei seinem ersten Drehbuch hat er die Geschichte auch zusätzlich noch mythologisch überhöht. Aus der Idylle einer sommerlichen Wiese werden die beiden Helden in ein Totenreich getrieben. Ein Fluss muss wie der griechische Styx durchquert werden, und am Schluss wird dann die Heimkehr in die Welt der Lebenden wieder durch eine friedliche Wiese symbolisiert. 1917 funktioniert auch als spannender Actionfilm, aber es sind seine tieferen Bedeutungsebenen, die ihn zu einem faszinierenden Meisterwerk machen.

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)


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